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Dreistündiges Bühnenwerk über Bischof Graf von Galen

Der „Löwe von Münster“ in der Oper: Theater Münster zeigt „Galen“

  • Im Theater Münster wird die neu komponierte und abendfüllende Oper „Galen“ aufgeführt.
  • Die Oper zeigt in 20 Szenen den Konflikt des Münsteraner Bischofs Clemens August Graf von Galen mit der Nazi-Diktatur.
  • Thematisiert werden Galens Predigten gegen die NS-Euthanasie sowie seine Einstellung zum Krieg gegen die Sowjetunion und zur Verfolgung der Juden.
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Das Theater Münster zeigt in diesen Wochen eine Oper, die wie ein kirchengeschichtlicher Abriss mit kritischen Anfragen aus der heutigen Zeit auf die Zeit der Nazi-Diktatur erscheint: Einfach nur „Galen“ heißt das abendfüllende Werk des Komponisten Thorsten Schmid-Kapfenburg, der seit 2007 Dirigent der Alten Philharmonie Münster tätig ist.

Die Oper ist ein Auftragswerk des Theaters Münster. Sie thematisiert die Rolle von Bischof Clemens August Graf von Galen (1933-1946) in der Zeit der Nazi-Diktatur. In 20 Szenen geteilt, thematisiert das für ein großes Ensemble und Chor komponierte Werk Galens berühmte Predigten gegen die Euthanasie-Maßnahmen der Nationalsozialisten, aber auch seine zurückhaltende Haltung bei der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung.

Galen: Ein Bischof mit Fehlern und Schwächen

Das Werk stellt Galen als mutigen Kirchenmann dar, der aber seine Schwächen hatte und eben kein unfehlbarer Heiliger ist. So wird Galens fehlende Hilfe für die verfolgten Juden kritisch beleuchtet, aber auch seine Aussagen zum Krieg gegen die Sowjetunion.

Unter Klängen der Spätromantik und der Zwölftonmusik wechseln sich die von Andreas Becker entworfenen Bühnenbilder ab und folgen den Texten des Librettisten Stefan Moster, der ausgiebig das Leben des „Löwen von Münster“ durchforstete und in den Textpassagen die kritische Sicht auf Galen deutlich herausstreicht.

Kritische Fragen aus heutiger Sicht

Der Spannungsbogen in die heutige Zeit wird in der Dramaturgie durch eine junge Frau erreicht, die 2022 zufällig auf die Person Galens stößt und anfängt, sich mit ihm zu beschäftigen. Sie stellt ihm unbequeme Fragen, wird Zeugin, wie Bischof Graf von Galen mit seinen Positionen ringt, wie er Kontakt hält mit dem Rabbiner der Synagoge in Münster und seinem Studienfreund Pfarrer Coppenrath.

Jasmin beleuchtet die Person Galens aus der Gegenwart und bringt so die heutige Generation mit ihrem Wissen um die Geschichte ins Spiel. Immer wieder integriert Schmid-Kapfenburg im Werk auch originale Tondokumente in seine Partitur. In Mosters Libretto finden sich Zitate aus Galens berühmten Predigten gegen die Vertreibung von Ordensgeistlichen und gegen die Tötung „unwerten Lebens“.

Originalzitate Galens aus dem Off 

Am Ende dann – Münster liegt in Trümmern – zeigt die letzte Szene Galens Erhebung in den Kardinalsstand. Aus dem Off (Hintergrund) wird seine Rede eingespielt, die er im März 1946 nach der Rückkehr aus Rom in Münster hält. Es wird seine letzte Ansprache sein: Nur sechs Tage später stirbt er an einem Blinddarmdurchbruch.

Die Rolle des Galen spielt und singt Gregor Dalal. Über seinen Auftritt sagt er im Gespräch mit „Kirche-und-Leben.de“: „Nachdem ich mich in dieser Oper dem ‚Löwen von Münster‘ ein wenig nähern durfte, denke ich, dass Galen in einer sehr schwierigen Zeit vor allem das getan hat, was er für seine wichtigste Aufgabe gehalten hat: sich vor seine katholischen Christen zu stellen und sich für Wahrheit und Gerechtigkeit einzusetzen.“

Galens Hilfslosigkeit und Entschlossenheit

Vielleicht eigne sich die Oper mit ihrem Medium Musik auf eine andere emotionale Weise, „einer historischen Figur, unabhängig von der Zeit, in der sie lebte, in die Seele zu schauen“, sagt der Opernsänger. Zu erkennen seien im musikalischen Schauspiel Galens Zweifel, Standhaftigkeit, Mitleid, Zorn, Empörung, Trauer, Hilflosigkeit, Entschlossenheit und Liebe.

Über die Aktualität der Galen-Oper sagt Gregor Dalal: „In einer Zeit, in der Diktaturen aus dem Boden schießen, ist ein solcher Theaterstoff, der mutigen Widerstand zum Thema hat, durchaus angesagt.“

Termine der Aufführungen
Aufführungen der Oper „Galen“ im Theater Münster sind am Freitag, 10. Juni, Samstag, 18. Juni, und am Freitag, 24. Juni, jeweils um 18.30 Uhr. Tickets können unter www.theater-muenster.com gebucht werden.

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