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Mit dem ersten Advent beginnt ein neues Kirchenjahr

Ein Jahr mit Markus - Der Evangelist im neuen Lesejahr B

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Am kommenden Sonntag beginnt nicht nur die Adventszeit, sondern auch ein neues Kirchenjahr. Damit verbunden ist ein neuer Zyklus der Lesungen in der Eucharistiefeier. In dem nun beginnenden "Lesejahr B" steht vor allem das Markus-Evangelium im Zentrum. Es ist das älteste der vier Evangelien, und es ist das kürzeste. Wann ist es entstanden? Wer war Markus? Was war ihm besonders wichtig in seiner Darstellung von Verkündigung und Leben Jesu?

Im Evangelium selbst wird der Name Markus gar nicht genannt. Dem Schreiber des kürzesten, ältesten und ursprünglichsten Evangeliums mit 16 Kapiteln ist der Löwe als Wappentier zugeordnet wegen seines lauten Organs: „Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!“ (Mk 1,3). Luther nannte dieses Evangelium „ein gut Geschrei!“ Das Evangelium ist wohl in heidnischer Umgebung entstanden, für gemischte Gemeinden aus Juden und Heiden.

Ähnlich wie die beiden anderen Synoptiker Matthäus und Lukas beginnt Markus mit Johannes dem Täufer, der Taufe Jesu und seinen Versuchungen in der Wüste. Eine Weihnachtsgeschichte sucht man bei ihm vergeblich. Markus beschreibt das Auftreten Jesu in der Öffentlichkeit, vor allem in Galiläa. Es folgen die Passion, seine Kreuzigung und am Ende seine Auferstehung.

Heilung, Wunder, Kreuzigung

Das Markus-Evangelium zerfällt in zwei Hauptteile: In 1,1-8,26 bringt er eine Fülle von Einzelüberlieferungen unter im Blick auf das Geheimnis des Messias Jesus. Markus schildert das Wirken Jesu im Wort seiner Verkündigung und in der Tat seiner Heilungen und Wunder, die Anlass geben zur Frage „Wer ist dieser?“.

Der zweite Hauptteil 8,31-16,8 dreht sich um das Geheimnis des gekreuzigten Jesus. Er schildert den Weg Jesu nach Jerusalem, die Aufforderung zur Nachfolge, die Auseinandersetzung mit seinen Gegnern, schließlich seine Passion und Auferstehung, durch die Jesus als Messias und Gottessohn bestätigt wird.

Viel mehr als eine Biographie von Jesus

Für Markus ist das ganze Leben Jesu Evangelium, von der Taufe durch Johannes bis hin zum Kreuz. Er bietet nicht einfach eine biographische Skizze Jesu, sondern das Evangelium von Jesus Christus. Er schreibt nicht als unbeteiligter Zuschauer, sondern als einer, der nach Ostern zum Glauben an diesen Jesus gekommen ist. Dieser Jesus ist für ihn der „Christus“ und der „Sohn Gottes“.

Dass Jesus das ist, erweist sich in seinem geschichtlichen Wirken. Jesus selbst trat auf als Verkünder der menschenfreundlichen Gottesherrschaft, die er in seinem wundersamen Wirken als Wende vom Unheil zum Heil den Menschen nahebrachte.

Ungeschliffener Stil, aber verständlich

Markus war kein gelernter Schriftsteller, daher sein eher ungeschliffener Stil. Einfach, verständlich und nachvollziehbar schreibt er die Geschehnisse des Lebens Jesu auf. Er beleuchtet vor allem die Figur des Petrus, der nach seinem schuldhaften Scheitern einen Neuanfang im Glauben wagte.

In seinem Passionsbericht mit langer, ausführlicher Einleitung ermutigt Markus die frühen Christen während der beginnenden Verfolgung ihrer Gemeinden um 65 n.Chr. vor der Zerstörung Jerusalems.

Markus lässt mit Jesus mitfühlen

Als einziger Evangelist beschreibt Markus die Gefühle Jesu und ermöglicht den Lesern, sich in ihn hineinzuversetzen und mitzufühlen. Markus ist zwar im jüdischen Glauben verwurzelt, aber dessen Bedeutung hat sich für ihn geändert. Er hat durch Jesus eine ganz neue Hoffnungsperspektive erhalten.

Sein Evangelium kann nur dann richtig begriffen werden, wenn es ausgehend von der Auferstehung Jesu gelesen und gelebt wird. Nur im Licht von Ostern ist es zu verstehen. Die Auferstehung ist der Schlüssel zu Jesu, Leben, Reden und Handeln.

Die Schwachen ruft Jesus 

Eine paradoxe Botschaft: Obwohl Jesus machtvoll für die Menschen positiv eintritt und sie begeistert, stirbt er am Kreuz. Obwohl der schmachvolle Tod als Niederlage und Ende erscheint, ist er doch nur die Voraussetzung für den Triumph der Auferstehung.

Ausgerechnet über den scheinbar von Gott verlassenen Mann am Kreuz ruft ein römischer Hauptmann aus, er sei wahrhaftig der Sohn Gottes. Ausgerechnet die menschlich schwachen Jünger fordert Jesus zur Nachfolge auf.

Ein angehängter Text am Schluss

Die Jünger bleiben unverständig bis zuletzt. Am Ende sagen die Frauen keinem die Auferstehungsbotschaft weiter, dennoch verbreitet sich das Evangelium über die ganze Welt. „Denn sie fürchteten sich“, ist der letzte Satz. Wenn jedoch der Tod überwunden ist, gibt es keinen Anlass zur Furcht mehr. Vielmehr die provokative Anfrage an jeden Leser: Was lässt mich in Furcht erstarren und hindert mich an der Verkündigung von Auferweckung und Nachfolge Jesu?

Die angehängten Schlussformulierungen 16,9-20 wollen jedoch das Evangelium abrunden mit einem Happy End, nehmen aber dem offenen Ende seine Spannung.

Markus erzählt die meisten Heilungsgeschichten

Markus bewahrt nicht nur Geschichte, er deutet sie. Der irdische Jesus hat zeit seines Lebens in seinen Wundertaten Gottes Macht erwiesen und die Fesseln des Todes gesprengt. In ihm ist die Heilkraft Gottes Mensch geworden und damit erreichbar für alle Menschen. Markus erzählt die meisten Heilungsgeschichten von allen Evangelisten. Er unterstreicht damit: Der Jesus, der damals heilte, wirkt immer noch heilend unter uns. Ausgerechnet in seiner Ohnmacht am Kreuz erscheint die Leid und Tod überwindende Kraft Gottes.

Jesus entreißt die Menschen der destruktiven Gewalt böser Mächte. Gegen die Angst setzt er Vertrauen, gegen die Verzweiflung Hoffnung, gegen Verletzung Heilung, gegen Haß Liebe. Das Evangelium ist eine Einladung an den Leser, den Weg Jesu nachzugehen, der alle dämonischen Mächte besiegt und die Menschen in die Freiheit führt.

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