Vorsitzende der Ordensobernkonferenz, Schwester Katharina Kluitmann:

„Ein Ordens-Austritt ist wie eine Scheidung“

Die Vorsitzende der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK), Schwester Katharina Kluitmann, sieht Parallelen zwischen dem Ordensleben und einer Paarbeziehung. Ein Ordensaustritt nach der Ewigen Profess sei mit einer Scheidung vergleichbar, sagte sie dem Portal katholisch.de. Das „kann relativ friedlich vonstatten gehen oder eben auch mit Zankereien und fliegenden Tassen“.

Die Ewige Profess, das Ordensgelübde auf Lebenszeit, ist im Gegensatz zur kirchlichen Ehe kein Sakrament. Vorher könne ein Ordensmitglied „im Prinzip an jedem Tag 'Schluss machen', auch wenn das für beide Seiten durchaus schmerzlich und mit einer Art Liebeskummer verbunden ist“, so Schwester Katharina. Es gebe auch eine sogenannte Exklaustration, also die Möglichkeit, eine Zeitlang außerhalb des Ordens zu leben. Entscheidend sei in beiden Fällen die Kommunikation.

Mehr Männer als Frauen geben auf - oft wegen des Zölibats

Etwa 50 Personen verließen jährlich die in der DOK organisierten Orden. Darunter seien doppelt so viele Männer wie Frauen, sagte die DOK-Vorsitzende. Bei Männern sei der Zölibat ein „recht häufiger Grund“.

Jede dritte der Frauen gehe, weil sie in einer anderen Lebensform leben wolle, ein weiteres Drittel wegen „Schwierigkeiten mit der eigenen Persönlichkeit“, das dritte Drittel wegen Problemen mit der Gemeinschaft. Schwester Katharina erklärte, es gebe zu diesen Entwicklungen keine Statistiken; sie selbst habe das Phänomen vor zwölf Jahren in ihrer Doktorarbeit untersucht.

„Wer geht, darf nicht unter Druck gesetzt werden“

Kirchenrechtlich betrachtet sei die Lösung von Gelübden „sehr klar geregelt und nicht sehr kompliziert“, erklärte die Franziskanerin weiter. Zu regeln seien oftmals Versicherungsfragen, „und natürlich braucht derjenige in seiner akuten Situation oft finanzielle Hilfe“.

Für schwierige Fälle gebe es bei der DOK eine Schlichtungsstelle. „Der Umgang mit denen, die gehen, ist ein Indikator für die Gesundheit der Gemeinschaft“, betonte die Ordensfrau. „Wer geht, darf nicht unter Druck gesetzt oder auf irgendeine Weise bestraft werden.“ Die meisten Betroffenen verließen indes „den Orden, nicht die Gottesbeziehung und die Kirche“.