Weiter heftige Kritik von Opfervertretern an der Kirche

Erzbischof Schick: Laien können Missbrauch verhindern helfen

Laienvertreter in der Kirche sind dem Bamberger Erzbischof Ludwig Schick zufolge wichtig im Kampf gegen Missbrauch. „Missbrauch ist immer eine Folge von Isolation und Abhängigkeiten, von geschlossenen Zirkeln und Egozentrik“, sagte Schick bei der konstituierenden Sitzung des Bamberger Diözesanrats. Offenheit und Gemeinschaft seien der beste Schutz gegen Missbrauch, Finanzskandale und Korruption. Der Diözesanrat solle daher auch kritisieren und korrigieren.

Derweil hält die Kritik von Missbrauchsopfern an der katholischen Kirche an. Die Deutsche Bischofskonferenz habe als Konsequenz ihrer Missbrauchsstudie „keine konkreten Schritte beschlossen“, sagte der Sprecher der Initiative „Eckiger Tisch“, Matthias Katsch, am Sonntag dem Berliner „Tagesspiegel“.

„Mitschuld der Institution beiseite gewischt“

„Die Opfer müssen endlich für das Versagen der Institution Kirche entschädigt werden“, forderte Katsch. Bisher leiste die Kirche keine Entschädigung, sondern „nur eine symbolische Anerkennung. Der Unterschied ist enorm.“

Durch Anerkennung des Leids, nicht aber der Schuld, werde diese „auf die Täter abgewälzt, aber die Mitschuld der Institution für die Tat und den Umgang mit der Tat beiseite gewischt. Das erleben Opfer als ein zweites Verbrechen.“

„Viele Bereiche noch nicht untersucht“

Die Dimension des Missbrauchs durch Kleriker könnte bei einer unabhängigen Aufklärung noch deutlich größer ausfallen, erklärte der Opfer-Sprecher. Die Studie der Bischofskonferenz habe ganze Bereiche der Kirche nicht untersucht, etwa die Orden, die Heimerziehung und die Frauen-Kongregationen. Katsch war von 1973 bis 1981 Schüler des Berliner Canisius-Kollegs der Jesuiten. Er wurde dort Missbrauchsopfer.

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte Ende September eine von ihr in Auftrag gegebene Studie zu sexuellem Missbrauch durch Priester, Diakone und Ordensangehörige veröffentlicht. Die Studie, die ein Wissenschaftler-Verbund erstellte, ergab, dass zwischen 1946 und 2014 insgesamt 3.677 Minderjährige Opfer sexuellen Missbrauchs wurden. Es fanden sich Hinweise auf 1.670 beschuldigte Kleriker. Für die Studie wurden Personalakten der 27 deutschen Bistümer ausgewertet.