KAB Löningen feiert Gottesdienst in einer Wäscherei

Evangelium zwischen Waschmaschinen und Heißmangeln

Überall Wäsche, sauber gefaltet und gestapelt, Hemden auf Bügeln, in Containern. Alles sortiert nach einem ausgeklügelten System. Täglich vier Tonnen für Arztpraxen, Seniorenheime, Hotels und Privatkunden, Handtücher, Bettbezüge, Kittel, Laken, Leibwäsche.

Die Gottesdienstteilnehmer in der Waschhalle. | Foto: Michael Rottmann
Die Gottesdienstteilnehmer in der Waschhalle. | Foto: Michael Rottmann

Man kann sich gut vorstellen, wie die Mitarbeiter der Löninger Wäscherei Schulte in der Halle zugange sind. Wenn die meterhohen Trockner röhren und Dampf in das Gewirr aus Abluftrohren blasen. Männer und Frauen, die im kalten Licht von Industrielampen bügeln, Waschmaschinen beladen und zum Schluss Container  mit sauberen Stapeln durch die Rolltore auf Lkw schieben.

Heute Abend aber stehen die Maschinen still. Nur ein Abluftgebläse brummt im Hintergrund leise vor sich hin. Denn heute wird hier nicht gewaschen, gemangelt oder gebügelt, sondern: gesungen und gebetet. Rund hundert Frauen und Männer haben sich dazu um einen provisorischen Altar versammelt, auf dem sechs Kerzen flackern.

Für Geschäftsführer Stefan Janning kein Problem

Ausgerechnet hier? In einer Wäscherei? Geschäftsführer Stefan Janning nickt. „Der liebe Gott ist nicht nur in der Kirche, sondern überall, das hat mir schon mein Großvater immer beigebracht.“

Der Textilreinigungsmeister führt die Firma in dritter Generation. Seine Großeltern hatten sie aus einer kleinen Heißmangel aufgebaut. Die 36 meist weiblichen Mitarbeiter des Familienbetriebs sind zum Teil seit Jahrzehnten dabei.

Angebot für arbeitende Menschen

Geschäftsführer Stefan Janning. | Foto: Michael Rottmann
Wäscherei-Geschäftsführer Stefan Janning. | Foto: Michael Rottmann

Kirche ist Janning wichtig. Zum Einzug in die neuen Firmengebäude gehörte ganz selbstverständlich auch ein Segen des Pfarrers dazu. Deshalb war er auch sofort einverstanden, als das Leitungsteam der Löninger KAB ihn auf die Idee eines Gottesdienstes in seiner Werkhalle ansprach.

Zum zweiten Mal wollte der 180 Mitglieder starke Ortsverein in einem Betrieb Messe feiern. 2013 hatte er in die Chemie-Firma Remmers eingeladen. Thomas Kastler vom Löninger KAB-Leitungsteam erklärt die Beweggründe: „Wir richten uns als KAB an arbeitende Menschen und gehen eben auch mit Gottesdiensten dorthin, wo sie sind – auch in die Betriebe.“

Pfarrer Kerkhoff sieht im Ort eine Chance

Pfarrer Bertholt Kerkhoff, der Präses der KAB, hält das für richtig und wichtig, sieht darin sogar eine besondere Chance. „Gottesdienste in Betrieben sind eine Möglichkeit, mit unserer Botschaft dort zu sein, wo die Leute sind. Das ist von der Signalwirkung nicht zu unterschätzen.“ Ob es nun Maiandachten vor Bildstöcken in der Natur sind oder Feiern in einer Wäscherei.

Thomas Kastler. | Foto: Michael Rottmann
Thomas Kastler vom KAB-Leitungsteam. | Foto: Michael Rottmann

In seiner Predigt zeigte Kerkhoff die Verbindungslinien zwischen Arbeit und Leben auf und warnte vor Fehlentwicklungen. „Arbeit ist für viele körperlich nicht mehr so anstrengend wie früher. Aber viele haben das Gefühl, dass Stress und Leistungsdruck immer größer geworden sind und in immer kürzerer Zeit immer mehr geschafft werden muss.“

Beruf nicht nur als Job verstehen

Kerkhoff warnte davor, dass Menschen Arbeit nur noch als notwendiges Übel empfinden. „Als Christen haben wir ein anderes Verständnis von Arbeit“, sagte der KAB-Präses und zitierte Papst Franziskus: „Die Arbeit ist ein wesentliches Element für die Würde der Person.“

Mit Blick auf den Ort des Gottesdienstes sagte er: „Man kann seinen Beruf als Job verstehen. Nach der Devise: ,Ich mache das, weil ich von irgendwas leben muss.‘ Man kann ihn aber auch als Berufung verstehen, als Möglichkeit, Gott und den Menschen zu dienen. Auch in dieser Wäscherei. Wenn man das mit Liebe und Leidenschaft macht, dann freuen sich andere Menschen.“