Früherer CDU-Ministerpräsident setzt auf Papst Franziskus

Ex-Politiker Teufel: Kirche muss reformfähiger werden

Erwin Teufel, früherer baden-württembergischer Ministerpräsident (CDU) und 25 Jahre Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), macht sich Sorgen um den Zustand der Kirche. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte er: „Wir müssen damit rechnen, dass in den nächsten zehn oder 20 Jahren die Austritte weiter steigen werden. Das beschäftigt jeden, der Reformbedarf in seiner Kirche sieht.“ Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) tue sich indes wenig.

Dringend nötig sei in der katholischen Kirche die Gleichberechtigung der Frauen, weil es „um Menschenrechte und nicht um Männerrechte“ gehe. Als Fortschritt bezeichnete Teufel die Wahl des Argentiniers Jorge Mario Bergoglio zum Papst. Zwar habe es Franziskus in Rom „sehr schwer“, weil ihm dort viele Steine in den Weg legen wollten. Allerdings könne kein Mensch „mehr Kompetenzen haben als die, die mit dem Amt des Papstes verbunden sind“. Insofern müsse Franziskus liefern.

Ein Leben für die Politik

Positiv äußerte sich Teufel über den von den deutschen Bischöfen angestoßenen „synodalen Weg“, bei dem es vor allem um die Themen Macht, kirchliche Sexualmoral und Lebensform der Priester gehen soll. Ziel müsse sein, katholische Kirche reformfähiger zu machen. Ebenso wie bei der geplanten Amazonas-Synode gelte es, Subsidiarität zu fördern. Gemeinden und Teilkirchen müssten auf unterschiedliche Situationen reagieren können.

Der aus Rottweil stammende Bauernsohn wird am 4. September 80 Jahre alt. begann seine politische Karriere als Bürgermeister von Spaichingen, wo er von 1964 bis 1972 amtierte und seit Jahrzehnten lebt. Von 1972 bis 2005 war er Landtagsabgeordneter, von 1978 bis 1991 Fraktionschef und dann als Nachfolger Lothar Späths 14 Jahre Ministerpräsident. Zwischen 1992 bis 1998 war er zudem stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU.

Vom Ministerpräsidenten zum Studenten

Von 1983 bis 2008 war Teufel im ZdK. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik studierte er in München fünf Semester Philosophie. Außerdem engagiert er sich im Kuratorium der „Stiftung Weltethos“, die der Schweizer Theologe Hans Küng in Tübingen ins Leben gerufen hat.

Neben seinen Funktionen in der Partei- und Landespolitik engagierte sich Teufel auch in der europäischen Politik: Als deutscher Vertreter saß er 2002 und 2003 im Europäischen Konvent, der die Verfassung vorbereitete. Neben zahlreichen Ehrendoktor- und Ehrensenatortiteln erhielt er 2005 in Jerusalem den Teddy-Kollek-Preis für sein Engagement für Jerusalem und die deutsch-israelischen Beziehungen.