Vor einem Jahr starben vier Menschen am Kiepenkerl-Platz

Gedenkgottesdienst für die Opfer der Amokfahrt in Münster

In einem ökumenischen Gottesdienst ist in Münster der Opfer der Amokfahrt vor einem Jahr gedacht worden. Mehrere hundert Angehörige der vier Todesopfer, Betroffene und Bürger der Stadt hatten sich dazu in der Stadtkirche St. Lamberti versammelt. Pfarrer Hans-Bernd Köppen erinnerte in seiner Ansprache daran, wie jäh die Stadt am 7. April 2018 aus der Frühlingsidylle gerissen wurde, als ein psychisch kranker Mann mit einem Kleinbus in die Menschenmenge vor dem Kiepenkerl-Platz fuhr, vier Menschen tötete und 20 zum Teil schwer verletzte. „Für viele hier hat das Auswirkungen bis heute.“

Köppen bedankte sich bei allen Helfern, die den Betroffenen in vielen unterschiedlichen Bereichen „einfach zur Seite gestanden“ hätten. Der Gottesdienst zeige das auch am heutigen Tag, an dem alle ihre Erinnerungen mit in die Kirche brächten: „Viele Menschen hier wollen zum Ausdruck bringen, dass keiner in dieser Situation allein ist.“

Verarbeitung ist nicht abgeschlossen

In ihrer Predigt beschrieb die evangelische Pastorin Ulrike Krüger den Schmerz in dieser Situation des Innehaltens. Denn die Verarbeitung der Ereignisse sei für die Angehörigen nicht abgeschlossen: „Ihre Ohnmacht ist mitgegangen durch das vergangene Jahr.“ In diesen Momenten helfe ihr der Glaube, dass ihr eigenes Wissen nicht ausreiche, um den Schrecken der Amokfahrt zu verstehen. „Ich bin überzeugt, dass Gott unsere Fragen kennt und uns damit nicht allein lässt.“

Damit wolle sie das Leid nicht verharmlosen, sagte Krüger. Es solle aber nicht zum Mühlstein am Hals werden, sondern Zuversicht zulassen, dass das Leben nicht nur weitergeht, „weil es weitergehen muss“. Darin könne sich ein Weg eröffnen, auf dem Glaube, Hoffnung und Liebe wiederzufinden seien.

Gemeinsamer Gang zum Ort der Amokfahrt

Zum Gottesdienst waren auch viele Vertreter aus Politik und Kirche gekommen, unter anderem NRW-Innenminister Herbert Reul, Justizminister Peter Biesenbach, Verkehrsminister Hendrik Wüst, der Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten Stephan Holthoff-Pförtner und die Landesopferschutzbeauftragte Elisabeth Auchter-Mainz. Die Kirche von Münster vertraten unter anderem Generalvikar Klaus Winterkamp und Stadtdechant Jörg Hagemann.

Im Anschluss an den Gottesdienst ging die Gemeinde zum wenige hundert Meter weit entfernten Ort der Amokfahrt, um mit Blumen und Kerzen an die Ereignisse zu erinnern.