Genn verbietet nach Missbrauchs-Äußerungen den Dienst als Seelsorger

Kommentar zum Fall Zurkuhlen: Die Null-Toleranz des Bischofs

Bischof Felix Genn hat dem emeritierten Pfarrer Ulrich Zurkuhlen aus Münster wegen seiner Äußerungen zum Missbrauch jeglichen Dienst als Seelsorger untersagt. Dazu ein Kommentar.

Es ist ein tragischer Fall: Ein bis vor kurzem sehr angesehener Priester, konzilsbewegt, sympathisch im Umgang und hoch theologisch gebildet, äußert sich in einer Weise zum Umgang mit dem sexuellen Missbrauch, die skandalös ist. Hätte der 79-Jährige Priester Ulrich Zurkuhlen sich nach dem Eklat nach seiner Predigt in der Heilig-Geist-Gemeinde in Münster entschuldigt - die Sache hätte sich anders entwickelt. Doch er hat sich anders entschieden, leider.

Weitere Äußerungen, auch auf Nachfrage, belegten: Es handelte sich nicht um ein Missverständnis oder um einen einmaligen Ausrutscher. Zurkuhlen zeigt auch nach vielen Gesprächen keinerlei Einsicht. Keinerlei Gespür dafür, dass Betroffene seine Worte wie eine schallende Ohrfeige empfinden mussten. Im Gegenteil. Nun ist er ganz tief gefallen.

Besonnene Reaktion des Bischofs

Die Äußerungen zum Missbrauch und zur Vergeben haben viele Menschen weit über die Grenzen des Bistums Münster empört, entsetzt, ja fassungslos gemacht – allen voran Bischof Felix Genn. Er hat besonnen reagiert, nicht überstürzt. Denn er hat den Priester am Freitag zunächst gebeten, nicht mehr zu predigen.

Nach den jüngsten unerträglichen Äußerungen im WDR aber konnte Genn nicht anders, als Zurkuhlen sofort den Dienst als Seelsorger zu untersagen und ihn in den Ruhestand zu versetzen. Hier kann nur die Null-Toleranz-Strategie greifen. Auch die Pfarrei im Süden von Münster hatte zuvor überlegt gehandelt und die Suspendierung gefordert.

Viele Bemühungen zur Aufarbeitung des Missbrauchs

In den vergangenen Monaten hat die Bistumsleitung zahlreiche Anstrengungen unternommen, um die Fällen von sexuellem Missbrauch von Priestern aufzuarbeiten. Es ging darum, weitere Vorkommnisse in der Zukunft zu verhindern – deshalb die vielen Präventionsmaßnahmen. Es ging darum, auch einiges besser zu machen als in früheren Jahrzehnten, als auch ganz an der Spitze vertuscht wurde. Ein Interventionsbeauftragter für die Missbrauchsfälle wurde eingestellt. Ganz viele Bemühungen.

Doch jetzt machen die Äußerungen eines Ruhestandspfarrers vieles zunichte. Das ist sehr bedauerlich. Hoffentlich gibt es nicht weitere vergleichbare Vorkommnisse, bei denen Priester fehlende Einsicht bei der Aufarbeitung des Missbrauchs zeigen. Ja, auch ein Täter ist ein Mensch und sollte menschlich behandelt werden. Aber das ist noch lange kein Grund, die Missbrauchstaten zu relativieren. Denn damit werden die Betroffenen verhöhnt – und müssen  erneut leiden.