Direktor des katholischen Bildungshauses in Kleve geht in den Ruhestand

Kurt Kreiten verlässt nach 29 Jahren die Wasserburg Rindern

Kurt Kreiten steht in der Mitte seines Büros. Noch sind die Kartons nicht gepackt. Er wirkt ein wenig unschlüssig. So, als ob er überlegte, was er als Nächstes tun soll. „Ich hatte hier auf der Wasserburg eine privilegierte Zeit“, meint der scheidende Direktor der Heimvolkshochschule Wasserburg Rindern in Kleve am Niederrhein. Rindern ist eines der drei Bildungszentren des Bistums neben dem Franz-Hitze-Haus in Münster und der Landvolkshochschule Freckenhorst. 29 Jahre stand der promovierte Geograph an der Spitze der Bildungseinrichtung und hat viele Veränderungen begleitet. „Ich hatte die Möglichkeit mich persönlich einbringen zu können, wer kann das schon in dieser Form von sich sagen“, erläutert er.

Auf Nachfrage fallen ihm sofort einige Beispiel ein. „Ich konnte mich stark für den Kulturraum Niederrhein einsetzen“, sagt Kreiten. Von 1995 bis 2000 hat er mit dem Team der Wasserburg das Konzept der Gästeführer entwickelt und Personen vermittelt, die an der Wasserburg ausgebildet und im niederrheinischen Raum zum Beispiel als Museumsführerinnen tätig sind. Die Kulturgeographie war sein Steckenpferd. Kreiten hat sich darüber hinaus für die Aussöhnung mit den niederländischen Nachbarn eingesetzt.

Grenzüberschreitende Projekte

„Wir konnten auch viele Jahre mit der damals noch jungen Hochschule Rhein-Waal in Kleve und Kamp-Lintfort grenzüberschreitende Projekte wie ‚Grün genießen in der Region Rhein-Waal‘ initiieren. Wir haben auf diese Weise das Bewusstsein für regionale Produkte gestärkt“, sagt Kreiten. Daran anschließend hat die Wasserburg Kurse angeboten, in denen die Perspektiven der Landwirtschaftsentwicklung aufgezeigt wurden. Die Küche der Wasserburg habe natürlich regionale und saisonale Produkte verarbeitet. „Denn die Küche ist ja die Visitenkarte des Hauses“, so Kreiten.

Kreiten freut sich, dass auch die Kurse „Rund ums Pferd“ und die hauseigene Ponyhaltung ein Alleinstellungsmerkmal der Wasserburg ist. „Sie gehört zu den Traditionssträngen. Deshalb dürfen wir sie nicht untergehen lassen“, meint er. Vieles werde sich ändern, was die Kursthemen betreffe. Doch das Regionale bleibe nach wir vor im Trend. Wie auch die Ökologie und das Umweltbewusstsein. Kreiten zeigt auf die Umweltenzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus. „Sie hat uns starken Rückenwind gegeben.“

Baumeister auf der Wasserburg

Kreiten erinnert sich auch an die intensiven Bauarbeiten auf der Wasserburg. Bekannte hätten ihm einmal gesagt, er sei zwölf Jahre der Baumeister gewesen. Dankbar ist er, dass er als Leiter der Einrichtung immer mit bei der Entscheidung beteiligt gewesen sein konnte. Die gesamte Anlage habe er mit umgestaltet. Der Träger, das Bistum, habe die Ideen mit getragen und finanziert.

Dankbar ist er, dass mit dem Kauf der Streuobstwiese das Gelände der Wasserburg arrondiert werden konnte. „Wir konnten die Ruhe sichern und den unverwechselbaren Charakter erhalten“, sagt er. In seiner Arbeit kam ihm vor allem eines zugute: Kreiten war ein großer Netzwerker, der in vielen Vorständen und Gremien der Region, aber auch darüber hinaus gesessen hat. Auf jeden Fall zum Vorteil der Wasserburg.

Privilegierte Zeit

Am 1. Februar 1991 hat Kreiten den damaligen Leiter der Wasserburg, Arthur Hector, abgelöst, der in den Ruhestand ging. Wie Kreiten heute, stand Hector damals schon lange an der Spitze der Einrichtung. „Gemeinsam haben zwei Personen rund 60 Jahre die katholische Bildungseinrichtung geprägt“, meint er. „Eine lange Zeit.“ Er sei damals froh gewesen, am Niederrhein arbeiten zu können. „Eine tolle Chance“, sagt er. Für ihn war schon damals klar, dass die Direktorenstelle an der Wasserburg seine Lebensstellung würde. Auch wegen seiner Familie. In den fast 30 Jahren sind seine drei Söhne in Rindern aufgewachsen.

Fachlich geprägt haben ihn die fünf vorausgehenden Jahre an der Akademie Klausenhof. Dort hat er als Agrarreferent vor allem die Arbeit der katholisch-ländlichen Verbände begleitet. Die Schulung von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) aus der ganzen Welt und die Projektarbeit zwischen dem Bistum Gozo und der Region Niederrhein waren Höhepunkte dieser Zeit.

Seinen persönlichen Glauben hat die Zusammenarbeit mit der Katholischen Landjugend (KLJB) und dem Landvolk (KLB) sehr inspiriert. Der scheidende Direktor weiß, dass für seinen Nachfolger Markus Topmöller die Arbeit nicht leichter wird. „Der Träger macht immer klarere Vorgaben. Er will immer genauer wissen, warum er die Einrichtung angesichts schwindender Finanzkraft unterstützt.“ Noch einmal sagt er: „Ja, ich hatte eine privilegierte Zeit.“