Kardinal: Deutsche Themen sind auch Themen der Weltkirche

Marx sieht in Amazonas-Synode Neuausrichtung der Kirche

Kardinal Reinhard Marx bewertet die Amazonas-Synode als Neuausrichtung der katholischen Kirche auf die Lebenswelt und die Nöte der Menschen. Ausgangspunkt sei „der Schrei der Erde und der Schrei der Armen und Unterdrückten“, sagte Marx am Sonntag in einem Bilanzinterview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Zum Thema verheirateter Priester und weiblicher Diakone sagte er, diese Fragen seien in Rom „häufiger und deutlicher“ angesprochen worden, als er erwartet habe. „Das zeigt, dass die Themen, die wir in Deutschland diskutieren, auch weltkirchliche Themen sind“, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

Neue seelsorgliche Herausforderungen verlangten neue Antworten, sagte Marx. Dies gelte „vor allem mit Blick auf die Eucharistie, ohne die eine katholische Gemeinde nicht leben kann“. Weiter äußerte er die Erwartung, dass die Mitbestimmung von Laien in der katholischen Kirche weiter wachsen werde. Künftige Synoden könne er sich „nicht vorstellen ohne eine stärkere Einbeziehung der Laien“. Auf dem Bischofstreffen sei auch eine Beteiligung von Frauen an der Regierung der Kirche gefordert worden. „Das wäre noch vor ein paar Jahren undenkbar gewesen“, sagte Marx.

Oft auf Reformen in Deutschland angesprochen

Auf die Reformbestrebungen der katholischen Kirche in Deutschland wurde Marx in Rom nach eigenem Bekunden „sehr oft“ angesprochen. Es gebe innerhalb der Weltkirche ein großes Interesse. Allerdings werde der Synodale Weg in Deutschland „oft sehr verkürzt“ wahrgenommen. „Da sind einzelne Meinungsmacher, Blogs und Interessengruppen am Werk“, sagte Marx. Auch umgekehrt würden immer wieder einzelne Stimmen aus Rom zitiert, „die eigentlich keine Relevanz haben“, so der Kardinal.

Mit Blick auf die „globale Herausforderung des Klimawandels“ sagte Marx, das Thema sei „in der Mitte der Kirche angekommen“. Weiter verwies er auf den Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber, der auf der Synode von einer Allianz aus religiösen Führern, Wissenschaftlern und der Jugend gesprochen habe. Für eine ökologische Umkehr sei die Stimme der Kirche wichtig, so der Kardinal.