Kirchenvertreter zu 500 Jahre Reformation

Marx und Bedford-Strohm über Schätze in beiden Kirchen

Die Spitzenvertreter der evangelischen und der katholischen Kirche in Deutschland sehen beide Kirchen auf einem guten ökumenischen Weg. „Wir gehören zusammen. Das ist vielleicht noch nicht die volle Einheit mit eucharistischer Mahlgemeinschaft, aber es ist doch nicht einfach eine Uneinigkeit der Kirchen“, betonte Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, am Montag (10.10.2016) in München: „Da ist schon etwas sehr Starkes da, und ich hoffe, dass ich das noch erlebe, dass eine noch größere Gemeinsamkeit entsteht.“

„Einheit in versöhnter Verschiedenheit, daran arbeiten wir“, ergänzte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland: „Einheit im Sinne von Gemeinschaft kann es auch zwischen selbstständigen Kirchen geben.“

Marx und Bedford-Strohm äußerten sich in einem gemeinsamen Doppelinterview des Evangelischen Pressdienstes und der Katholischen Nachrichten-Agentur zum Start des Gedenk- und Jubiläumsjahres zu 500 Jahre Reformation Ende Oktober.

Es bleibt eine Wunde

Man müsse sich bewusst machen, wie viel Einheit man schon jetzt erleben dürfe, betonte der bayerische Landesbischof Bedford-Strohm. Aber natürlich bleibe „eine Wunde, wenn das Abendmahl gefeiert wird, und die einen können trotz aller geschwisterlichen Verbundenheit nicht mit den anderen mitfeiern“. Daher sehnten sich viele Christen danach, „dass wir auch am Tisch des Herrn gemeinsam sind. Es wäre wunderbar, wenn ich das noch erleben würde“.

Nach seiner Wertschätzung an der evangelischen Kirchen gefragt, antwortete Marx: „Wenn ich als junger Kaplan in überwiegend evangelische Krankenhäuser ging, da begrüßte ich natürlich auch die evangelischen Christen, und fast alle kannten ihren Konfirmationsspruch. Das hat mich tief beeindruckt.“ Ebenso schätze er die Kirchenmusik mit ihren Chorälen. 

Bedford-Strohm hingegen zeigte sich beeindruckt von der Messdienerarbeit: „Die Ministrantinnen und Ministranten sind ein Schatz der katholischen Kirche, weil sie aktiv am Gottesdienst beteiligt werden.“ Ein Zweites ist die sichtbare Weltkirche, in deren römischen Zentrum die unterschiedlichsten Menschen zusammenkämen.

„Muslime gehören in unser Land“

Zum Thema Integration des Islam ähnlich dem Status der Kirchen als Körperschaft des öffentlichen Rechts meinte Bedford-Strohm, dass dies die rund vier Millionen Muslime in Deutschland selbst entscheiden und anstoßen müssten: „Da brauchen wir von außen keine Ratschläge zu geben.“

Es sei in der aktuellen Situation „entsetzlich, den Islam insgesamt und alle Muslime als Bedrohung darzustellen“, sagte Kardinal Marx: „Damit wird Stimmung gemacht!“ Aus der Sicht von Marx hat man sich in Deutschland zu lange über Integration zu wenig Gedanken gemacht, „auch die Kirche nicht. Jetzt gehören die Muslime in unser Land, die meisten leben hier über Jahrzehnte. Sollten wir jetzt sagen: Ihr gehört nicht dazu?“ Daher könne man sich nur wünschen, „dass sie auch in ihrer religiösen Tradition in Deutschland ihre Heimat finden“.