Bistumssprecher: Keine Hinweise in der Personalakte

Missbrauchsvorwurf in Chile gegen Priester aus dem Bistum Münster

In Chile sind Missbrauchsvorwürfe gegen einen inzwischen verstorbenen deutschen Geistlichen erhoben worden. Wie das Bistum Osorno am Donnerstag (Ortszeit) auf seiner Internetseite mitteilte, betrifft die Anzeige einen Vorfall aus dem Jahr 1964 in San José de la Mariquina. Bei dem beschuldigten Priester handelt es sich demnach um einem im vergangenen Jahr im Alter von 81 Jahren in Deutschland gestorbenen Geistlichen, der aus dem Bistum Münster stammte. Er war rund 40 Jahre als Seelsorger in Südamerika tätig.

Das Bistum Münster betonte auf Anfrage, der Betroffene sei kein Priester der deutschen Diözese, sondern des chilenischen Bistums Osorno gewesen. „Wir haben erst nach seinem Tod, im August 2018, von einem chilenischen Fotojournalisten Hinweise bekommen, dass es Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen ihn gibt“, sagte Bistumssprecher Stephan Kronenburg. In der Personalakte fänden sich keine Hinweise auf sexuellen Missbrauch.

Bistum im Kontakt mit mutmaßlichem Opfer

Nach Angaben des Bistums Osorno war zunächst erfolglos versucht worden, die Vorwürfe dem von Papst Franziskus eingesetzten Sonderermittler und Chefaufklärer des Vatikan in Sachen Missbrauch, Erzbischof Charles Scicluna, zu übergeben. Ende April seien die Anschuldigungen dann der Abteilung zur Missbrauchs-Prävention der Chilenischen Bischofskonferenz angezeigt worden. Von dort aus wurden sie an das Bistum Osorno weitergeleitet. Inzwischen stehe das Bistum mit dem mutmaßlichen Opfer in Kontakt.

Die Kirche in Chile wird seit Monaten von einem Missbrauchsskandal erschüttert. Laut chilenischen Medienberichten ermittelt die Justiz derzeit in mehr als 150 Fällen gegen 219 Kirchenmitarbeiter wegen Missbrauchs. Bei den mutmaßlichen Opfern gehe es um 241 Menschen, von denen 123 zum Tatzeitpunkt minderjährig gewesen seien. Zahlreiche Bischöfe sind seitdem zurückgetreten.