Auszeichnung eines bundesweiten Fachmagazins

Preis für Mitarbeiter-Engagement im Franziskus-Hospital Münster

 

Ein Leitbild gibt es bereits seit etwa acht Jahren. Das Kuratorium der St.-Franziskus-Stiftung setzte es 2009 in Kraft. Der christliche Hintergrund im Umgang mit Patienten, Mitarbeitern und Unternehmensorganisation in den Einrichtungen der Stiftung wird darin betont. Wie aber wird ein solches Papier im Alltag konkret?

Dieser Frage stellt sich eine Projektgruppe am Franziskus-Hospital in Münster seit 2014. Das Konzept mit ihren Antworten wurde im vergangenen Dezember in der Kategorie „Mitarbeiter-Engagement“ mit dem HR-Excellence-Award ausgezeichnet, einem bundesweiten Preis für innovative Ansätze im Personal-Management.

HR-Excellence-Award
Mit dem Human-Resources-Excellence-Award werden Leistungen zukunftsfähiger Personalarbeit ausgezeichnet. Initiator sind die private Quadriga-Hochschule für Management in Berlin und das Fachmagazin „Human Resources Manager“. Prämiert wird in 46 Kategorien. 2016 hatten sich 450 Projekte beworben. Unter den Preisträgern waren Großkonzerne wie die Deutsche Bahn oder Siemens. Das St.-Franziskus-Hospital erhielt den ersten Preis in der Kategorie „Mitarbeiter-Engagement“.

In der Begründung der Jury zählten vor allem betriebswirtschaftliche Faktoren eine Rolle: Mitarbeiter-Motivation, geringer Krankenstand oder intensives Zugehörigkeitsgefühl der Belegschaft zum Betrieb. In einem Arbeitsbereich, in denen häufige Arbeitsplatzwechsel oder frühzeitige Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit eine überproportionale Rolle spielen, ist das ein zentrales Thema. Der Druck im Gesundheitssystem ist groß, auch auf die etwa 2000 Angestellten im St.-Franziskus-Hospital.

Umfrage zum Glaubenshintergrund der Beschäftigten

Aber eigentlich war das alles nur ein Nebenprodukt. „Eine solche Zielsetzung war von der Krankenhaus-Leitung nicht vorgegeben“, sagt Claudia Berghorn. Sie ist für die Öffentlichkeitsarbeit im Haus zuständig und gehört zum Leitungsteam der Projektgruppe. „Anstoß war vielmehr eine Anfrage der Stiftung, zusammen mit den Ergebnissen einer Caritas-Umfrage.“

Darin war der Glaubenshintergrund der Beschäftigten in katholischen Krankenhäuser in den Blick genommen worden. Auch 354 Mitarbeiter aus dem St.-Franziskus-Hospital in Münster hatten daran teilgenommen. „Wir bekamen die Ergebnisse, sie waren anonym und hatten große Aussagekraft.“

Christlich-franziskanische Profilierung

Die Zielsetzung der Projektgruppe war damit klar, erklärt Berghorn: „Es ging uns um die christlich-franziskanische Profilierung in unserem Haus, nicht um mehr Produktivität.“ Um ein umfassendes Bild zu erhalten, setzte man die Gruppe mit Vertretern aus allen Arbeitsbereichen zusammen. Pflegepersonal, Verwaltungskräfte, Ärzte und Service-Mitarbeiter saßen an einem Tisch. Die zentrale Frage: „Wie können wir den Glaubenshintergrund als Quelle unseres Handelns präsent halten?“ Es gab viele Antworten. Bestehende Angebote wie Exerzitien oder Wallfahrten sollten intensiver beworben werden. Zudem wurden neue Ideen erarbeitet.

Leitung der Projektgruppe (von links): Dr. Ulrike Teßarek (Netzwerkmanagement), Gerold Gesing (Krankenhausseelsorge) und Claudia Berghorn (Referentin Kommunikation).Leitung der Projektgruppe (von links): Dr. Ulrike Teßarek (Netzwerkmanagement), Gerold Gesing (Krankenhausseelsorge) und Claudia Berghorn (Referentin Kommunikation). | Foto: pd

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Film- und Diskussionsabende zum heiligen Franziskus gehören dazu. Das regelmäßige Franziskus-Singen im Mitarbeiter-Chor oder die „Franziskus-Zeiten“ mit spirituellen Angeboten sind ebenfalls neu. Das Programmheft ist dick. „Es soll helfen, ein Stück Freizeit kostbar zu gestalten“, sagt Berghorn.

Ausstrahlung nach außen

Kostbar für den einzelnen und für die Atmosphäre im Haus, beschreibt sie: „Es entwickelt sich eine besondere Qualität, eine eigene Kultur, ein Mehrwert.“ Was im Alltagsgeschäft eines Krankenhauses bemerkenswert ist. Denn die Anforderungen in der Organisation und Wirtschaftlichkeit kommen von außen und können kaum verändert werden. Wohl aber der Umgang damit. „Genau dafür wollen wir mit unseren Angeboten das pushen, was uns die Mauritzer Franziskanerinnen durch die klösterliche Geschichte unseres Hauses mit auf den Weg gegeben haben.“

Es gibt noch einen schönen Nebeneffekt: Die Ausstrahlung nach außen. Denn die Atmosphäre innerhalb des Hauses kommt bei den Patienten und den Angehörigen an. In der heutigen Krankenhauslandschaft ist das ein Alleinstellungsmerkmal. Es wird nicht mehr nur nach Spezialabteilungen geschaut, sondern auch nach dem Geist, der in einem Krankenhaus herrscht. Und der ist im Franziskus-Hospital ein besonderer, neuerdings auch ausgezeichneter.