Freiburger Professor: Populismus unfähig zur Selbstkritik

Theologe Striet warnt vor „Religionspopulismus“

Der Freiburger Theologe Magnus Striet warnt vor den Versuchungen eines „Religionspopulismus“. Dieser zeige sich etwa dort, wo ein „wahrer Glaube“ als Unterscheidungsmerkmal zwischen Gläubigen propagiert werde, sagte Striet bei einem Vortrag in Salzburg.

Auch werde dabei das religiöse Erleben vorrangig vor jeder wissenschaftlichen Erkenntnis und theologischen Einsicht betrachtet. Ähnlich dem politischen Populismus sei dessen religiöse Ausprägung unfähig zur Selbstkritik, antipluralistisch und letztlich antiintellektuell, so der Professor.

Durchsichtige Religion als Gegenbild zu komplexer Welt?

Als Beispiele verwies Striet auf eine „Neuevangelisierung“ bis hin zur Lehrverkündigung Papst Johannes Pauls II., der auf die Einsprüche eines theologischen Freiheitsdenkens mit dem Beharren auf einer „objektiven Wahrheit des Lehramtes“ reagiert habe. So versuche ein Religionspopulismus durch die Forderung, „einfach nur glauben“ zu müssen, „eine durchsichtige Religionswelt gegen eine immer komplexere und undurchschaubarere Welt außen zu errichten“, so Striet.

Die Rede von einer „Neuevangelisierung“ Europas bleibe für ihn „seltsam phrasenhaft“, da sie sich trotz der Nutzung modernster Mittel der Ästhetik und Kommunikation jeder Auseinandersetzung mit modernen wissenschaftlichen und theologischen Erkenntnissen entziehe, so Striet. „Bleibt für Gott da tatsächlich ein Platz? Oder bleibt die Rede von der Neuevangelisierung nur ein rhetorisches Spiel, um zu verschleiern, dass der Kaiser nackt dasteht?“, fragte der Theologe.