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„Osservatore“ nennt zwei Berichte aus den 1990er Jahren

Vatikan-Magazin thematisiert Missbrauch an Ordensfrauen

Das Frauenmagazin der Vatikanzeitung „Osservatore Romano“, „Donne, chiesa, mondo“ (Frauen, Kirche, Welt), hat in seiner Februar-Ausgabe ein Verschweigen sexuellen Missbrauchs an Ordensfrauen kritisiert. Zwei Berichte aus den 1990er Jahren sind genannt.

 

Das Frauenmagazin der Vatikanzeitung „Osservatore Romano“, „Donne, chiesa, mondo“ (Frauen, Kirche, Welt), hat in seiner Februar-Ausgabe ein Verschweigen sexuellen Missbrauchs an Ordensfrauen kritisiert. Konkret nennt „Osservatore“-Autorin Lucetta Scaraffia in ihrem Artikel „Senza tatto“ (Deutsch etwa: ohne Taktgefühl) zwei Berichte aus den 1990er Jahren über sexuellen Missbrauch Geistlicher an Ordensfrauen.

Die Berichte der Ordensschwester und Entwicklungshelferin Maura O'Donohue sowie der Oberin der Missionarischen Schwestern Unserer Lieben Frau in Afrika, Marie McDonald, waren laut Scaraffia „präzise Anzeigen“, die auf „fundierten Untersuchungen“ basierten. „Über ihre Anzeigen fiel Schweigen, und man weiß nur zu gut, wie Schweigen tatsächlich dazu beiträgt, den Vergewaltigern Sicherheit zu geben, die sich ihrer Straffreiheit immer sicherer werden“, schreibt Scaraffia.

Machtmissbrauch aus „perverser Interpretation des Priesteramts“

Sie ergänzt, dass besonders in der „Institution Kirche“ eine jahrhundertelange Sicht der Frau als „gefährlich und verführerisch“ dazu führe, „solche Gewalt, auch wenn sie angezeigt wird, als von beiden Seiten freiwillig verübte sexuelle Überschreitung zu klassifizieren“. Papst Franziskus' Ansatz, Machtmissbrauch als Ursache zu sehen, findet die Autorin richtig. Machtmissbrauch entstehe aus einer „perversen Interpretation des Priesteramts“ und sei ein Übel, das Franziskus mit dem Wort „Klerikalismus“ beschreibe, so Scaraffia.

„Missbrauch von Ordensfrauen bekommt dadurch einen anderen Aspekt und kann endlich als das erkannt werden, was er ist, nämlich ein Akt der Präpotenz, in welchem die Berührung eine Verletzung der persönlichen Intimität darstellt“, schreibt Scaraffia.

Angst vor Vergeltung

Das Machtgefälle zwischen Priestern und Ordensfrauen erschwere den Opfern die Anzeige, aus „begründeter Angst“ vor Vergeltung, nicht nur den Betroffenen, sondern dem ganzen Orden gegenüber. So sei auch das lange Schweigen vieler Opfer zu erklären.

2018 haben laut der „Osservatore“-Autorin jedoch viele Ordensfrauen ihr Recht auf Reden und Anzeige genutzt: „Sie wissen, dass sich die Lage der Frauen, auch in der Kirche, ändern muss.“ Scaraffia mahnt, bei sexuellem Missbrauch an Ordensfrauen hinzuschauen, sonst werde die „Unterdrückung der Frauen in der Kirche sich nie ändern“. Sie betont zudem, dass mit der Vergewaltigung von Ordensfrauen „der auferlegte Skandal der Abtreibung oder von Priestern nicht anerkannter Kinder“ einhergehe.

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