Kirche+Leben Lexikon

Wer war Johannes der Täufer?

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Es ist die Mitte des Jahres und der Höhepunkt des Sommers: Die Sommersonnenwende markiert den längsten Tag und die kürzeste Nacht. Zu dieser Zeit – am 24. Juni – feiert die Kirche das Geburtsfest eines besonderen Heiligen: Johannes der Täufer ist der „Vorläufer Christi“, „die Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für den Herrn“ (Johannes 1,23). Die Feier seiner Geburt ist schon ein Verweis auf Weihnachten in sechs Monaten.

Winter- und Sommersonnenwende wurden in der alten Kirche immer schon heilsgeschichtlich gedeutet. Der Kirchenvater Augustinus bezog das Johannes-Wort über Jesus „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden“ direkt auf die Sonne. Schließlich werden die Tage nach der Sommersonnenwende kürzer und erst mit der Wintersonnenwende zur Weihnachtszeit wieder länger.

„Er war nicht selbst das Licht“

Im Prolog des Johannesevangeliums wird diese Lichtsymbolik ebenfalls mit Johannes dem Täufer in Verbindung gebracht: „Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.“ (Joh 1,6-9)

Neben der Gottesmutter Maria ist Johannes der einzige Heilige, dessen Geburtsfest die Kirche feiert. Seit dem 5. Jahrhundert wird es am 24. Juni begangen, der so wie Weihnachten am 25. Dezember eine Woche vor dem ersten Tag des nächsten Monats liegt.

Ungewöhnliche Ereignisse bei der Geburt

Der Evangelist Lukas beschreibt die Besonderheiten bei der Geburt des Täufers: Aus dem Bericht des Lukasevangeliums (Lk 1) wird entnommen, dass Johannes schon vor seiner Geburt geheiligt wurde, damals, als die mit Jesus schwangere Gottesmutter Maria zu ihrer Verwandten Elisabeth kam, „hüpfte das Kind vor Freude“.

Die ungewöhnlichen Ereignisse bei seiner Geburt weisen auf die Bedeutung des Johannes in der Heilsgeschichte hin: Dem alten Vater des Johannes, dem Priester Zacharias, verschlägt es die Sprache, weil er mit Unglauben auf die Ankündigung der Geburt des Sohnes durch den Erzengel Gabriel reagiert. Erst nachdem er bei der Frage nach dem Namen des Kindes „Johannes“ auf eine Tafel schreibt, wie es der Engel ihm neun Monate zuvor aufgetragen hatte, kann er wieder sprechen. Der Name „Johannes“ bedeutet im übrigen „Jahwe ist gnädig“.

Gewaltsamer Tod des Bußpredigers

Johannes „war dazu berufen, durch seine Predigt von der Gottesherrschaft und seinen Ruf zur Umkehr das Volk auf das Kommen Jesu vorzubereiten“, bewertet das Schott-Messbuch den Täufer, der auch Jesus die Bußtaufe spendete. Die ersten Jünger Jesu kamen den Berichten der Bibel zufolge aus dem Kreis der Johannesjünger. Im Schott-Messbuch heißt es weiter: „Johannes selbst verstand sich als den Rufer in der Wüste, den Vorläufer des Größeren, der nach ihm kommen sollte.“

Vom gewaltsamen Tod berichten die Evangelien: Herodias, die mit dem Herrscher Herodes Antipas in ungesetzlicher Ehe lebte, hatte dem unbequemen Mahner seinen Protest nicht verziehen und verlangte bei passender Gelegenheit die Enthauptung des Täufers. Diese Todesart, galt bei den Juden – neben der Kreuzigung – als die schimpflichste aller Strafen. Johannesjünger, die vielleicht Zeugen der Hinrichtung waren, brachten seinen Leichnam der Überlieferung zufolge nach Samaria-Sebaste. Ein Gedenktag der Enthauptung des Johannes ist in der Ostkirche seit dem 4., im Westen seit dem 5. Jahrhundert bezeugt und wird am 29. August begangen.

„Unter allen Menschen keinen größeren, aber…“

Jesus sagt über den Täufer, dass es „unter allen Menschen keinen größeren als Johannes gibt“ (Lukas 7,28). Und doch: Mit Johannes sieht die Kirche das „Alte“ Testament abgeschlossen. Und selbst Jesus sagt: „Der Kleinste im Himmelreich ist größer als er“ (Lukas 7,28). Dennoch wird er wie nur wenige Heilige gefeiert. In der Kunst gibt es die so genannte Deësis: Eine Darstellung des am jüngsten Tag zu Gericht sitzenden Jesus. Jesus zur Seite sind Maria auf der linken und Johannes der Täufer auf der rechten Seite abgebildet. Die beiden leisten Fürbitte für die zu richtenden Seelen. Die Deësis bildet das Kernstück der Ikonostase in orthodoxen Kirchen

Überdies genießt große Verehrung im christlichen Volk; Johannes (Baptist – griechisch: Täufer) ist ein beliebter Vorname und auch jahrhundertealtes Brauchtum verbindet sich mit diesem Tag.

Die am Johannistag an einigen Orten abgebrannten Sonnwendfeuer hat es nach Angaben des Brauchtums-Experten und Theologen Manfred Becker-Huberti zwar wahrscheinlich schon in vorchristlicher, germanischer Zeit gegeben. Da dieses Brauchtum auch zum christlichen Festanlass passte, sei es übernommen worden. Der Johannistag wurde so zur „Sommerweihnacht“.

„Spargelsilvester“

Becker-Huberti: „Für diesen Tag galten strikte Vorschriften: unziemliche Trinksitten, Händeleien oder Ähnliches waren verpönt. Die Unverheirateten tanzen, oft bis zur Erschöpfung, um das Feuer. Zum Johannisfeuer gehört der segenbringende Sprung über das Feuer. Er überwindet Unheil, reinigt von Krankheit und wirkt je besser, je mehr über das Feuer springen.“

Und auch für alle Feinschmecker hat der Johannistag eine besondere Bedeutung als „Spargelsilvester“: Mit dem 24. Juni endet hierzulande die Spargelzeit; das edle Gemüse soll danach nicht mehr gestochen werden, damit die Pflanzen Zeit haben zur Erholung. Für andere Feldfrüchte beginnt in dieser Zeit die Erntesaison, so dass „Sint Jöppke“, wie der Festtag im Münsterländer-Platt heißt, auch für die Bauern eine besondere Bedeutung hat.