Julia Hielscher über Wasser und verflossene Männer

Auslegung der Lesungen vom 3. Fastensonntag (A)

Wasserzapfen aus einem öffentlichen Trinkbrunnen in der Hitze Roms.
Wasserzapfen aus einem öffentlichen Trinkbrunnen in der Hitze Roms.Foto: Michael Bönte

Skandal! Jesus spricht mit einer Frau. Allein! Mit einer Samariterin! Das gehörte sich damals überhaupt nicht. Und er erzählt er von »lebendigem Wasser«. Die Frau braucht eine Zeit, bis sie versteht. Und Julia Hielscher hilft, das Evangelium heute zu verstehen.

Wie viel Gottvertrauen braucht man, um lebendiges Wasser zu schöpfen? Es ist schon der dritte Fastensonntag. Heute steht Wasser im Zentrum des Evangeliums, genauer gesagt »lebendiges Wasser«.

Das Evangelium vom 3. Fastensonntag zum Hören (Kurzfassung).

Eine Frau kommt zum Brunnen ihres Heimatortes und sieht dort einen Mann sitzen, noch dazu einen Juden. Sie als Samariterin weiß, dass die Juden den Kontakt zu ihrem Volk vermeiden. Dennoch spricht der Mann sie an und bittet sie um Wasser. Als sie sich wundert und ihn fragt, warum er mit ihr spräche, erklärt der Mann ihr, dass er ihr lebendiges Wasser geben könne. Sie ist irritiert, da er kein Gefäß zum Schöpfen des Wassers hat, und woher sollte er das Wasser bekommen – es gab doch nur diesen Brunnen Jakobs.

Begrenzte Ressource

Als der Mann ihr von ihrer Vergangenheit und ihren Männern erzählt, erkennt sie einen Propheten in ihm, und zudem, dass er der angekündigte Christus und Messias ist. Sie läuft ins Dorf und berichtet von dem Gesehenen und Gehörten. Die Bewohner des Dorfes glauben ihr, folgen ihr und hören Jesus zu. Er bleibt einige Tage bei ihnen, und viele kommen zum Glauben an ihn.

Wasser ist ein zentraler Begriff in unserem Glauben, aber auch in unserem Leben. Nur etwa drei bis fünf Tage kann der Mensch ohne Wasser überleben. Unsere Lebensmittel brauchen Wasser zum Wachsen und Gedeihen, ebenso brauchen wir Wasser zum Waschen, Putzen und vielen anderen Dingen mehr. Aber Wasser ist eine begrenzte Ressource auf unserer Erde. Es ist paradox, dass unser Planet zu zwei Dritteln mit Wasser bedeckt ist, welches wir nicht trinken können, welches unseren Durst nicht stillt sondern uns noch durstiger macht als vorher.

Die Autorin
Julia Hielscher ist Masterstudentin der Theologie an der WWU und der Kunst an der Kunstakademie in Münster.Julia Hielscher ist Masterstudentin der Theologie an der WWU und der Kunst an der Kunstakademie in Münster. | Foto: privat

Es gibt Länder auf unserer Erde, die kaum Wasser zur Verfügung haben und trotzdem den Anbau von Pflanzen und Getreide betreiben, die Unmengen von Wasser benötigen. Und das alles nur, damit wir alle unsere Lebensmittel möglichst günstig einkaufen können. Es gibt Firmen, die in wasserarmen Ländern ihre Fabriken errichten und die Bewohner von der Wasserversorgung abschneiden. An Flüssen werden riesige Staudämme errichtet und dahinter vertrocknet das Land. Wasser ist Quelle des Lebens! Ist es daher auch lebendiges Wasser?

Jesus erklärt der Frau, dass jeder, der von dem lebendigen Wasser trinkt, das er selbst gibt, niemals mehr Durst haben wird. Dieses Wasser wird vielmehr zur sprudelnden Quelle in ihm werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt. Doch die Frau verstand die Tiefe dieser Aussage erst, nachdem Jesus sich als Prophet und als der angekündigte Messias offenbarte. Als sie dann in ihr Dorf heimkehrte, um von der Begegnung am Brunnen zu berichten, erkannte sie, wer er ist.

Eine Frau, in schillernden Farben gemalt

Diese samaritische Frau wird in schillernden Farben gemalt. Eigentlich dürfte dieses Gespräch niemals stattfinden. Deswegen wird in der Bibelstelle auch kurz erwähnt, dass die Jünger erstaunt waren, Jesus mit einer Frau im Gespräch anzutreffen. Zum einen ist sie eine Frau und Jesu ein Mann, zum anderen ist sie Samariterin und er Jude, des weiteren hat sie durch ihre verflossenen Männer einen schlechten Ruf, und es ist anzunehmen, dass sie damit gesellschaftlich nicht sonderlich hoch angesehen war. Vielmehr wird sie ihren Mitmenschen wegen ihrer sozialen Stellung bewusst aus dem Weg gegangen sein. Warum sonst sollte man zur heißesten Zeit des Tages, wo niemand sonst unterwegs ist, zum Brunnen aufbrechen?

Vertrauen auf Gottes Wort

Umso bedeutender ist das Gespräch zwischen Jesus und ihr. Ebenso die Tatsache, dass sie anschließend in ihr Dorf eilt, allen von ihrer Begegnung berichtet und dass die Leute ihr zuhören, Glauben schenken und zum Brunnen folgen. Die Samariterin hat Gottes Wort vertraut, hat ihren Weg verlassen und viele andere Samariter zu Jesus geführt, woraufhin diese ebenfalls begonnen haben, an Jesus zu glauben.

In der Taufe sind wir alle mit Wasser getauft und geeint in Christus. Unser Glaube ist das lebendige, sprudelnde Wasser, die Quelle unseres Lebens und gleichzeitig die Hoffnung auf ein ewiges Leben, weil Christus den Tod besiegt hat.

Und so frage ich mich: Wie viel Gottvertrauen brauche ich, um auf Gottes Wort zu vertrauen?

Die Texte der Lesungen und des Evangeliums vom 3. Fastensonntag finden Sie hier.