Abt Laurentius Schlieker OSB über Freundschaft und das Feuer von Ostern

Auslegung der Lesungen vom Ostersonntag (A)

Feuer
»Jesus war gekommen, Feuer auf die ganze Erde zu werfen, damit dieses Feuer auf uns übergehe«, schreibt Abt Laurentius Schlieker.Foto: Archiv

Jesus lebt, und auch wir sollen leben. Kaum eine Glaubensaussage ist schwerer zu verstehen als die von Ostern. Kaum eine braucht so viel Glauben, so viel Vertrauen. Laurentius Schlieker OSB, Abt der Benediktiner von Gerleve bei Billerbeck, legt die Lesungstexte des Ostersonntags aus.

Da Jesus die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis an sein Lebensende. Diese Liebe ging bis zum Äußersten. Jesus hat seine Jüngerinnen und Jünger bei seinem Abschied mit Nachdruck Freunde genannt; denn er hat ihnen alles anvertraut, was er von seinem Vater gehört hat (vgl. Joh 15, 15).

Die Botschaft des Tages
Das Evangelium vom Ostersonntag (A) zum Lesen und Hören.

Wer ist mir Freund, Freundin? Ein Mensch, dem ich wichtig bin und dem ich vertrauen kann. Jemand, der mich zum Freund erwählt hat, ist ein Mensch, der wünscht, dass ich glücklich bin. Freunde nehmen am Wohlergehen und Gelingen des Lebens gegenseitig regen Anteil.

Der heilige Augustinus sah nach dem Tod des geliebten Freundes, der für ihn »die Hälfte seiner Seele« war, auch seine eigene Welt zusammenbrechen. Er fragte sich: Wie kann ich überhaupt, »der ich doch ein zweiter Er gewesen bin«, noch leben, da er tot ist? Echte Freundschaft setzt auf die Hoffnung auf ein gemeinsames Leben. Einen Menschen wirklich lieben heißt, ihm und sich selbst nichts weniger zu wünschen als eine gemeinsame Ewigkeit.

Der Herr will nicht ohne uns auferstehen

Ihr seid meine Freunde, sagt uns der auferstandene Herr. Was wir an Ostern feiern ist kein Ereignis, das sich allein zwischen Christus und seinem himmlischen Vater zugetragen hat, während wir Menschen als unbeteiligte Zaungäste ausgeschlossen und so weiterhin in unseren Ketten gefangen blieben. Der Herr will nicht ohne uns auferstehen! Wie er es nicht als einsames Privileg betrachtet hat, Gott gleich zu sein, sondern sich für uns entäußert hat, um uns zu seinen Freunden zu machen, genauso will er sein Leben bei und mit Gott nicht egoistisch für sich behalten. Er schenkt es allen, die zu ihm gehören und ihm nachfolgen.

Abt Laurentius Schlieker OSBAbt Laurentius Schlieker OSB | Foto: Archiv

Belasse ich es bei einem Bekenntnis zur einsamen Auferweckung Jesu Christi, oder nehme ich sie auch für mein eigenes Leben und das Leben meiner Mitmenschen ernst? Anders gesagt: Vertraue ich ihm, glaube ich wirklich seiner Freundschaft, die Anteil nimmt, die sich beteiligt an meinem kleinen Leben, die mich aus dem Tod ins Leben ruft? Durch die Taufe sind wir mit Christus bereits auferweckt. Dieses neue, zur Ewigkeit auferweckte Leben kann man nicht sehen und begreifen, aber wir leben mit Christus in der Gemeinschaft des barmherzig liebenden Gottes, mit ihm grenzenlos verbunden (2. Lesung).

Jesus warf Feuer auf die Erde

Ostern verbindet uns untrennbar mit dem Geschick und der Verherrlichung Jesu, die uns – ebenfalls untrennbar – zusammenschweißt mit dem Leben der Gemeinschaft der Glaubenden.

Mit der Auferstehung des Messias Jesus hat unsere Erde begonnen, sich in ein Reich Gottes zu verwandeln, in ein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens.

Jesus war gekommen, Feuer auf die ganze Erde zu werfen, damit dieses Feuer auf uns übergehe. Es ist kein Feuer, das vernichtet, sondern das lebensnotwendige, Wärme spendende Feuer. Jesus hat sein Feuer der Gottesliebe und Gerechtigkeit gebracht, damit die Liebe zwischen Gott und Mensch angehen kann.

Das Feuer hat den Bringer des Feuers verzehrt

Den Bringer des Feuers hat dieses selbst verzehrt! Jesus hat sich den Sündern, ihrem Hass und ihrer Folter ausgeliefert. Er machte aus seinem Sterben den krönenden Akt der Hingabe an den Vater und eine Liebestat für seine Jünger und alle Menschen, ohne Bitterkeit, grenzenlos, mit den Letzten solidarisch. Er hat gezeigt, wie sich im Dunkel menschlicher Armseligkeit Gottes Herrlichkeit offenbart: als erbarmende Liebe, wenn wir nur bereit sind zu glauben.

Bestürzender noch ist die Konsequenz, mit der sich Jesus als Gesandter Gottes treu blieb und sich der letzten, tödlichen Auseinandersetzung stellte und nicht auswich. Gott hat aber seinem Sohn in allem, was dieser gesagt und getan hat, Recht gegeben. Er hat ihn aus Tod und Grab erweckt und zum Herrn der Schöpfung bestimmt.

Ein neuer Anfang gesetzt

Das ist unser Glaube: Gott selbst ist mit Jesus in die Welt getreten und hat mit der Auferweckung seines Sohnes einen neuen Anfang, eine neue Schöpfung gesetzt. Er lässt uns Lebensfreude und Güte neu erfahren. Er macht uns fähig, einander die Liebe zurückzugeben, die jedem zusteht. Mit der Kraft des auferstandenen Herrn, der uns seinen Geist sendet, bleibt uns jedoch die Aufgabe, an unserer Menschwerdung mitzuarbeiten und damit gleichzeitig an einer geschwisterlichen Kirche und Gesellschaft, unser Leben lang. Unsere Berufung und erste Aufgabe als Freunde des Herrn besteht darin, ihn zu bezeugen und uns in diese Welt bei allen existentiellen Fragen mit dieser Ansage einzumischen, wie es der Apostel Petrus getan hat (1. Lesung).

Der Auferstandene beflügele mit Freude unseren Lobgesang, er sende uns neu aus als seine Jünger. Christus schenke uns allen ein Herz, das fragt und hört, ein Herz, das brennt und ihn liebt, das ihn beim Ostermahl erkennt und in seiner Gegenwart zu Hause ist.
Ostern ist ein Fest der Beziehung, der Freundschaft, der Liebe. Und wer danach strebt, muss zuweilen wie die Jünger und Maria von Magdala diesen göttlichen Freund verlieren, ihn vermissen, ihn mit allem Verlangen des Herzens suchen, um ihn neu zu finden (Evangelium).

Ostern erfahren kann sein wie ein vertrauensvolles ins Meer hinein Schreiten, bis ich den Boden verliere: »Immer tiefer ins Meer hinein schreiten, bis ich nicht mehr auf eigenen Füßen stehe, sondern vom Meer getragen, von ihm bewegt und hingerissen werde in Gottes tiefstes Wesen und vom Vater mit dem Sohn und mit der Kraft des Geistes getrieben werde in die Welt hinein« (Egied van Broeckhoven SJ).

Die Texte aller Lesungen und des Evangeliums vom Ostersonntag (A) finden Sie hier.