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Bischof Felix Genn kommt zur Feier an der A 1

Autobahnkapelle Dammer Berge feiert Jubiläum - Ehepaar hält sie frisch

  • Josef und Else Rechtien aus Neuenkirchen sorgen seit zehn Jahren für Sauberkeit in der Autobahnkapelle „Dammer Berge“.
  • Die Kapelle an der A 1 wird von vielen Gästen aus zahlreichen Nationen aufgesucht.
  • Verspätet wird jetzt das 50-jährige Jubiläum der Kapelle mit Bischof Felix Genn gefeiert.
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Josef Rechtien schüttelt den Kopf. Zielstrebig geht er zum Kerzenständer, kratzt die Reste von Wachs ab. Ordnung muss ein, Sauberkeit sowieso. So kann man es im Gesicht des 82-Jährigen lesen. Der Rentner aus Neuenkirchen und seine 83-jährige Ehefrau Else haben sich vor zehn Jahren der Aufgabe verschrieben, sich um die Ökumenische Autobahnkapelle zu kümmern, neben dem Brückenrestaurant an der A 1, Raststätte Dammer Berge. Die ist nun 52 Jahre alt.

Josef Rechtien hat zu dieser Kapelle eine ganz persönliche Beziehung. Im Sommer und Herbst 1969 nahm er fast jeden Stein der Kapelle selbst in die Hand. Rechtien gehörte zu dem zweiköpfigen Team von Maurern, das für einen Betrieb aus Neuenkirchen im Sommer und Herbst 1969 die Kapelle baute.

Alles Maßarbeit

Josef und Else Rechtien entfernen Kerzenwachs vom Kerzenständer in Der Autobahnkapelle neben der Raststätte „Dammer Berge“ an der A 1. | Foto: Franz Josef Scheeben
Josef und Else Rechtien entfernen Kerzenwachs vom Kerzenständer in der Autobahnkapelle neben der Raststätte Dammer Berge an der A 1. | Foto: Franz Josef Scheeben

Eine harte Arbeit, wie er sich erinnert. Strom gab es bei der Kapelle nicht; die Beton-Mischmaschine lief über einen Diesel-Generator. Der elegant geschwungene Rundbau der Kapelle brauchte exakt zugeschnittene Steine; ohne eine Flexmaschine ging das nur, wenn die Maurer die einzelnen Steine sorgfältig von Hand abschlugen. „Alles Maßarbeit“, sagt Rechtien heute noch zufrieden und lässt den Blick über die Kapelle schweifen.

Als die Pfarrgemeinde vor zehn Jahren Menschen suchte, die sich um Sauberkeit und Ordnung in der Autobahnkapelle sorgten, war es für Josef Rechtien und seine Frau Else auch deshalb keine große Frage, diese Aufgabe zu übernehmen.

20.000 Kerzen im Jahr

Mindestens einmal die Woche fahren sie nun über versteckte Schotterstraßen und Waldwege von außen auf die Raststätte und sehen nach dem Rechten. Sie füllen etwa den Kerzenvorrat nach – 20.000 werden dort im Jahr angezündet. Sie prüfen das Fürbittbuch auf dem Altar – nach fünf bis sechs Monaten ist das meist gefüllt und muss ausgetauscht werden.

An diesem Morgen ist der letzte Eintrag in arabischer Schrift geschrieben. Nicht ungewöhnlich, sagt Josef Rechtien. An einem Morgen fand er einen Moslem in der Kapelle, der seinen Gebetsteppich ausgerollt hatte. „Da haben wir uns natürlich sofort zurückgezogen“, sagt er.

Fernfahrer immer wieder zu Gast

50 Jahre Autobahnkapelle Damme
Die Ökumenische Autobahnkapelle auf der Raststätte Dammer Berge wurde 1970 geweiht. Vor zwei Jahren sollte ihr 50-jähriges Jubiläum gefeiert werden. Wegen Corona war das nicht möglich. Jetzt wird die Feier nachgeholt: Am 11. Juni kommt dafür Bischof Felix Genn auf die Raststätte. (fjs)

Die Besucher in der Kapelle sind bunt gemischt, das zeigt nicht nur das Fürbittbuch. Die Rechtiens wurden schon von Fernfahrern aus Finnland angesprochen, Familien aus Schweden, Geschäftsleuten aus Polen. Das Ehepaar wundert sich oft, wie bunt gemischt die Menschen sind, die die Kapelle besuchen. Trotzdem haben sie noch nie erlebt, dass sie einmal richtig verdreckt war.

Einmal gut fegen, die Spinnweben von der Wand holen, den Kerzenständer säubern, gelegentlich Glastüre und Fenster putzen. Viel mehr brauchen die Rechtiens eigentlich nicht zu tun.

Blumen als Dank für Sauberkeit

Vor Jahren kam in der Weihnachtszeit ein Fernfahrer auf das Paar zu und brachte einen Blumenstrauß. „Als Dankeschön, weil die Kapelle immer so sauber sei.“ Andere hinterlassen ihren Dank für die Sauberkeit im Fürbittbuch. Oder hinterlassen sogar Geschenke. Die sammelt Else Rechtien auf einer Fensterbank. Auf dem Altar liegt nun auch ein „Gotteslob“. Gespendet von einer Frau, die in der Widmung vorne im Buch die gute Akustik in der Kapelle lobt und zum Singen anregen möchte.

Josef und Else Rechtien wissen also, wie und warum Menschen in Autobahnkapellen beten. Sind sie selbst auf Fernreisen Gast in solchen Kapellen? Josef Rechtien schüttelt den Kopf. Fernreisen auf der Autobahn mit dem eigenen Wagen – nicht die Art, wie Rechtiens Urlaub machen. „Wir fahren eher bei Busreisen mit.“ Und da bekomme man Autobahnkapellen ja selten zu sehen.

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