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Verbindliche Regeln statt Gebote erscheinen wichtig

Regierung hält Corona-Ausbruch in Gottesdiensten für vermeidbar

Die Bundesregierung hält nach den Corona-Fällen im Zusammenhang mit einem Gottesdienst einer Baptisten-Gemeinde an verbindlichen Regeln fest. Damit seien vergleichbare Entwicklungen vermeidbar.

Die Bundesregierung hält nach den vermehrten Corona-Fällen im Zusammenhang mit einem Gottesdienst einer Baptisten-Gemeinde in Frankfurt weiter an verbindlichen Regeln zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie fest. Bei zentralen Verhaltensregeln wie der Abstandsregel, Kontakteinschränkungen und Hygienemaßnahmen sollte es weiter verbindliche Anordnungen und Allgemeinverfügungen geben und nicht reine Gebote, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Die Fälle in Frankfurt und in einem Restaurant in Ostfriesland zeigten, „was ganz schnell geschehen kann, wenn ganz offensichtlich Grundregeln außer Acht gelassen worden sind. Und das ist vermeidbar“, so Seibert.

Nach einem Gottesdienst in der Baptisten-Gemeinde hatten sich am 10. Mai offenbar mindestens 107 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Betroffen sind nach Angaben der Landesregierung Menschen in Frankfurt und drei weiteren Landkreisen in Hessen. Eine andere Baptistengemeinde in der Mainmetropole hat sich mittlerweile offen distanziert. Die von den Infektionen betroffene Gemeinde stehe „weder organisatorisch noch inhaltlich in einer Verbindung zu unserer Kirchengemeinde oder dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland“, erklärte die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde der Baptisten in Frankfurt auf ihrer Homepage. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Montag) hatte zuerst darüber berichtet.

Verzicht auf Präsenzgottesdienste in anderen Gemeinden

Der Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde und ältesten Baptistengemeinde in Frankfurt, Sebastian Gräbe, betonte: „Unsere Gemeinde verzichtet auch weiterhin bewusst auf Präsenzgottesdienste.“ Der Kirchenvorstand arbeite an einem Schutzkonzept, das über die hohen Schutzstandards des Landes Hessen für religiöse Versammlungen hinausgehen werde. „Solange wir keinen größtmöglichen Schutz für unsere Gottesdienstbesucher und Angestellten sicherstellen können, werden wir auch weiterhin keine Präsenzgottesdienste verantworten“, so der Pastor.

Gräbe erklärte weiter, der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland (BEFG) setze sich ebenfalls für strenge Sicherheitsregeln bei religiösen Versammlungen ein. Der Titel „Baptisten“ sei eine Selbstbezeichnung aller Gemeindeströmungen, die eine sogenannte Gläubigentaufe an mündigen Taufbewerbern praktizieren – statt der von den großen Kirchen praktizierten Kindertaufe. Im BEFG sind nach eigenen Angaben 800 Ortsgemeinden mit 82.000 Mitgliedern zusammengeschlossen. Der BEFG ist auch Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK).

Bestürzung und Selbstkritik in betroffener Gemeinde

Die betroffen Baptisten-Gemeinde selbst äußerte sich selbstkritisch. „Wir sind tief bestürzt und traurig, dass die Infektion Eingang in die Gemeinde gefunden hat und sich mit einer starken Dynamik verbreitete“, erklärte die Gemeinde der Evangeliums-Christen-Baptisten am Montag in Frankfurt auf ihrer Homepage.

Rückblickend könne gesagt werden, dass bei der fraglichen Versammlung, die Medienberichten zufolge am 10. Mai stattfand, „separate und kontrollierte Ein- und Ausgänge genutzt wurden, entsprechende Hinweisschilder angebracht waren, ausreichende Desinfektionsmittel zur Verfügung standen und der Abstand von 1,5 Metern eingehalten wurde“. Zugleich gibt es auch Selbstkritik: „Im Nachhinein betrachtet wäre es für uns angebracht, beim Gottesdienst Mund-Nasen-Schutz-Bedeckungen zu tragen und auf den gemeinsamen Gesang zu verzichten.“

Regelung im Bistum Münster

Im Bistum Münster gelten für Gottesdienste strikte Regeln. So ist die Zahl der Teilnehmer beschränkt und richtet sich nach der Größe des Kirchenraum. Ein Mindestabstand zwischen den Gottesdienstbesuchern von 1,50 Metern muss gewährleistet sein. Empfohlen wird zudem, den Eingang und Ausgang voneinander zu trennen und die Kirche vor und nach den Gottesdiensten gut zu belüften.

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