Vorbereitungen in St. Nikolaus in Münster-Wolbeck

Gottesdienste nach Corona-Pause sind Herausforderung für Küster

Die Rolle mit dem roten Absperrband liegt bereit, auf dem Sandsteinboden kleben schwarz-gelbe Streifen, die roten Zettel mit schwarzen Kreuzen darauf sind gedruckt. St. Nikolaus in Münster-Wolbeck rüstet sich für den ersten Gottesdienst nach den Kontakteinschränkungen durch das Corona-Virus. Samstagabend wird es soweit sein. Nach mehr als vier Wochen ohne öffentlichen Gottesdienst werden sich die Bänke in der Kirche zum ersten Mal wieder füllen. Wenn auch nur spärlich – von sonst mehr als 300 Plätzen sind nur 48 aus Gründen des Infektionsschutzes freigegeben.

Für Küster Siegfried Schlepphorst sind die Aufgaben davor ungewohnt. Mit dem Band muss er noch jene Sitzreihen sperr en, die nicht besetzt werden dürfen. „Nur jede dritte bleibt offen.“ Die Markierungen-Streifen auf dem Boden sollen helfen, beim Betreten und Verlassen der Kirche den Mindestabstand zu anderen Gottesdienstbesuchern zu wahren. „Das ist auch bei der Kommunion wichtig.“ Die Zettel werden auf den Bänken so verteilt, dass nur an den äußeren Rändern Platz genommen werden kann.

Ihm fehlen die Begegnungen

Auch wenn das keine klassischen Arbeiten für ihn sind, freut sich der 58-Jährige, dass er endlich wieder eine liturgische Feier vorbereiten kann. „Ich bin 27 Jahre im Dienst und habe noch nie eine so lange Zeit keinen Gottesdienst mehr begleitet.“ Was ihm am meisten fehlt? „Der Kontakt zu den Menschen, das gemeinsam Singen, das Gefühl der Gemeinschaft.“ Die wird mit 48 Teilnehmern nicht besonders groß werden. „Aber hoffentlich stimmungsvoll.“ Immerhin werden Lieder gesungen und von der Orgel begleitet werden – was in anderen Kirchen zum Teil noch in Frage gestellt wird. Auch in St. Nikolaus geschieht das nach strengen Vorgaben, sagt Schlepphorst: „Die Gotteslobe räumen wir aus Hygienegründen weg und drucken die Lieder auf Zettel, die nach der Messe in den Müll kommen.“


Die Ständer für die Desinfektionsmittel haben die Küster selbst gebaut. | Foto: Michael Bönte

Langweilig geworden ist ihm trotz fehlender liturgischer Aufgaben in den vergangenen Wochen nicht. „Ich bin ja auch Hausmeister und da gab es einige neue Herausforderungen.“ Wie er hat auch sein Sohn Patrick viel Zeit in die Umsetzung der „Rahmenrichtlinien für Gottesdienste mit Öffentlichkeit in Zeiten der Corona-Pandemie“ investieren müssen, die vom Bistum Münster herausgegeben wurden. „Bei vielen Dingen mussten wir improvisieren, haben aber alle Vorgaben erfüllen können“, sagt der 30-Jährige, der wie sein Vater Küster ist – in Münster-Hiltrup.

Selbstgebaute Desinfektionsmittel-Spender

Ein wichtiges Ergebnis ihres Engagements steht derzeit noch neben dem Altarraum und wartet auf seinen Einsatz: Aus Holz und Kunststoff haben sie Spender für Desinfektionsmittel gebaut, die am Ein- und am Ausgang aufgestellt werden müssen. „Wir konnten keine bestellen – da war alles ausverkauft.“ Zumal es eine besondere Herausforderung gab, erklärt Patrick Schlepphorst: „Die Mittel sind so scharf, dass sie den Sandsteinboden beschädigen würden.“ Eine große Auffangschale soll das jetzt verhindern.

Auch am Samstag selbst wird der Dienst der Küster anders aussehen. „Ich kann dem Priester nicht wie sonst bis zuletzt zur Hand gehen, da ich den Einlass kontrollieren muss“, sagt Siegfried Schlepphorst. Mit einer Liste wird er nur jene einlassen können, die sich vorher rechtzeitig angemeldet haben. Andere wird er auf die Gottesdienste am nächsten Morgen vertrösten müssen. „In der Frühmesse wird es wohl am ehesten noch freie Plätze geben.“ Alle Gegenstände, die sonst im Gottesdienst berührt oder transportiert werden, muss er schon vorher so positionieren, dass unnötiger Kontakt vermieden wird. „Das Evangeliar liegt schon auf dem Ambo – Kelch und Hostienschale stehen bereits abgedeckt auf dem Altar.“

Lüften, feiern, lüften

Vorher muss er die Kirche einmal kräftig durchlüften, nach der Messe noch einmal. Dazwischen hoffen er und sein Sohn auf das Gefühl, das sie so lange vermisst haben: „gemeinsam Glauben zu feiern – hoffentlich als Vorgeschmack auf bald wieder große Gemeinschaften.“