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Übersicht: Gemeinden am Niederrhein haben verschiedene Lösungen

Warum der Propst von Xanten vorsichtig bei Gottesdiensten bleibt

Zum ersten Mal seit Wochen werden wieder öffentliche Gottesdienst gefeiert. Stefan Notz, neuer Propst von Xanten, will weiter sensibel verfahren. Eine Übersicht zeigt, wie andere Gemeinden am Niederrhein handeln.

„Aus dem Gehorsam das Beste machen“, beschreibt Stefan Notz, Propst der Xantener Pfarrgemeinde St. Viktor, wie er die Öffnung der Gottesdienste verantwortungsvoll gestalten will. „Die Kirche hat die Möglichkeit, nach der Absprache zwischen NRW-Landesregierung und dem Bistum wieder Gottesdienste zuzulassen“, sagt der Seelsorger. „Aber wir befinden uns mitten in der Pandemie. Wo Menschen zusammenkommen, besteht natürlich die Gefahr, sich anzustecken.“

Notz spürt eine große Verantwortung. Er empfindet es als Risiko, mit den Gläubigen Gottesdienst zu feiern. Und dieses Risiko will er minimieren. „Wir verlieren ja nicht den Verstand, nur weil wir die Kirche für Gottesdienste öffnen“, sagt er. Mit Gottesdiensten im Viktor-Dom und in der Wallfahrtskirche in Marienbaum will er beginnen. Aber der „üblichen Logik“ will er unbedingt entgegentreten. „Der normale Gedankengang wäre: 'Toll, wenn der Dom wieder voll ist. Da wollen wir jetzt nicht knauserig sein'“, sagt der Propst. Doch man müsse die Regeln, die sich die Kirche erstritten habe, ernst nehmen. Denn bei den Gruppen und Vereinen, bei denen immer noch keine Treffen möglich seien, werde das Vorgehen der Kirche intensiv beobachtet, ist sich Notz sicher. „Wir können noch nicht das volle Programm fahren, sondern müssen Erfahrungen sammeln, wie es überhaupt gehen kann. Wir dürfen Lockerung nicht mit Lockerheit verbinden.“

Was, wenn mehr Menschen kommen?

Stefan NotzStefan Notz ist seit dem 15. März Propst in Xanten. Seine formale Amtseinführung musste wegen der Corona-Pandemie zunächst ausfallen. | Foto: Jürgen Kappel

Vorsichtig, schrittweise will er mit der Öffnung beginnen. Die Abstandsregel ist für den Geistlichen das oberste Gebot. Deshalb wird es begrenze und markierte Plätze geben. Den Dom und die Marienbaumer Kirche hat das Seelsorgeteam ausgesucht, weil sie große Räume bieten, in denen sich trotz der Begrenzung noch eine größere Zahl von Besuchern unterbringen lässt. 1,5 Meter sind nach allen Seiten einzuhalten. In Xanten werden 50 Personen Platz finden, und in Marienbaum 40. Zugleich sorgt sich Notz, dass mehr Menschen kommen. Er überlegt, dann eventuell den Hochchor zu öffnen.

Die Gottesdienste werden ab dem kommenden Wochenende auf den Sonntag beschränkt gefeiert: Um 8 Uhr gibt es eine Eucharistiefeier im Xantener Dom. Diese Feier ist als Aufzeichnung für eine anschließende Ausstrahlung im Internet gedacht. Um 9.30 Uhr ist eine Eucharistiefeier in Marienbaum und um 11.30 Uhr eine Wort-Gottes-Feier im Dom. In beiden Kirchen werden Ordner die Gottesdienstbesucher empfangen und an die markierten Stellen in den Bankreihen leiten. Familien und Ehepaare bleiben zusammen. Dann verschieben sich die Abstände entsprechend.

Nüchterne Gottesdienste

Die Gemeinde werde sicher mehrere Wochen, vielleicht sogar Monate mit diesen begrenzenten Möglichkeiten leben müssen. Natürlich könne jeder Katholik entscheiden, ob er zum Gottesdienst kommt oder nicht, erst recht wenn er sich einer Risikogruppe zuzählt. „Jeder und jede muss da unbedingt frei bleiben. Erst wenn es die Lage es zweifelsfrei möglich macht, kehren wir zu einem Normalzustand zurück“, so Notz.

Er glaubt, dass die Gottesdienste in Zukunft nüchterner werden. „Alles das, was ich mir als Seelsorger wünsche, das Erleben von Gemeinschaft, den kräftigen Gesang im Gottesdienst und die Weitergabe des Friedensgrußes, muss unterbleiben.“ Auch das Austeilen der Kommunion müsse überdacht werden. Er überlegt, dass er die Worte „der Leib Christi“ am Altar vorspricht und dann die Kommunion an den Plätzen austeilt. Der sonst übliche Dialog beim Empfang der Eucharistie soll entfallen.

Mundschutz ist nicht verpflichtend

Mund-Nase-Schutz ist zwar bei Gottesdiensten laut Anordnung aus Münster nicht verpflichtend. Doch Notz  sagt, jeder möge selbst entscheiden, ob er einen trägt. „Wer ein eigenes Gotteslob hat, soll es zum Gottesdienst mitbringen. Der Kommunionempfang findet schweigend am Platz statt. Die Mundkommunion muss bis auf Weiteres unterbleiben“, erklärt er.

In den Kirchen wird es einen Eingang und einen Ausgang an einem anderen Portal geben. Im Dom wird der Eingang über das Südportal und der Ausgang über den Kreuzgang erfolgen. In Marienbaum ist der Eingang das Hauptportal, der Ausgang die Seitentüre. Man wolle nicht die Freude der Gläubigen trüben, aber vorsichtig bleiben. „Wir müssen sensibel sein, für alles, was wir tun“, sagt Notz. Auch er freue sich, wenn Begegnungen möglich sind. Doch er fühlt bei allem eine große Verantwortung für die Menschen in der Gemeinde.

Wie andere Gemeinden am Niederrhein mit Gottesdiensten umgehen
Wie die Pfarrei St. Vincentius in Dinslaken auf ihrer Homepage mitteilt, werden am kommenden Wochenende wieder zwei Gottesdienste in der Pfarrkirche St. Vincentius gefeiert. Die Anzahl der Besucher ist nach Auskunft der Seelsorger eingeschränkt. Die konkreten Gottesdienste sind unter www.katholische-kirche-dinslaken.de zu finden. Der Besuch eines Gottesdienstes ist nur nach telefonischer Anmeldung unter der Rufnummer 02064/8293590 möglich.
In der St.-Paulus-Kirche in Voerde werden höchsten 50 Gläubige eingelassen, in St. Peter 35 und St. Elisabeth 70. Alle Sitzplätze sind markiert. Auf Gesang wird verzichtet, Mund-Nasenschutz-Masken sind zugelassen. Für St. Paulus wird eine telefonische Anmeldung unter der Nummer 02855/923510 oder per Mail stpeterpaul-voerde@bistum-muenster.de mit Anschrift und Rufnummer erbeten. Konkrete Angaben unter www.katholische-kirche-voerde.de.
In der Pfarrgemeinde St. Josef Kamp-Lintfort gibt es noch keine öffentlichen Gottesdienste. Die Pfarrgemeinde möchte erst alle Maßnahmen in Ruhe vorbereiten, um den Schutz aller zu gewährleisten. Der Sonntagsgottesdienst wird jedoch live im Internet unter www.st-josef-kamp-lintfort.de übertragen. Seelsorger stehen für Gespräche unter der Nummer 0160/1647285 zur Verfügung. Auch weiterhin bietet die Messdienerschaft von St. Josef einen Lieferdienst für Personen aus der Risikogruppe an.
In Kleve gibt es ab dem 1. Mai wieder Gottesdienste. Der Krisenstab der Pfarrei hat dazu ein Konzept erarbeitet, schreibt Propst Johannes Mecking auf der Homepage, „eine „Erprobungsphase“. Das Abstandsgebot und die Zahl der Gottesdienstbesucher sind die wesentlichen Aspekte. Unter www.himmelfahrt-kleve.de sind konkrete Zeiten aufgeführt.
Zum ersten Mal gibt es wieder Gottesdienste in Rees. Konkrete Zeiten unter www.st-irmgardis-rees.de.  Für den Gottesdienstbesuch müssen sich die Gläubigen telefonisch unter 02851/967104100 anmelden. „Dies machen wir, um zu wissen, wie viele Personen teilnehmen möchten und um diese optimal verteilen zu können“, schreibt Pfarrer Michal Eiden auf der Homepage.
Ein großer Teil der Christen in der katholischen Seelsorgeeinheit St. Christophorus und St. Johannes der Täufer Emmerich wird ab dem 1. Mai wieder Gottesdienst feiern können. Pastoralreferent Matthias Lattek weist darauf hin, dass für alle Gottesdienstbesucherinnen und -besucher eine möglichst sichere Situation zu schaffen sei. Darum beginnt man in Emmerich Stadt und Südstaaten auch nicht sofort mit allen Gottesdiensten in allen Kirchen, sondern behutsam. Die konkreten Zeiten sind unter www.katholisch-emmerich.de zu finden. Auch die Gottesdienstordnungen in Bedburg-Hau, Goch, Kalkar, Kranenburg, Kleve-Niederung‚ Uedem oder Nütterden sind auf den entsprechenden Internetseiten aufgeführt.
In den Gemeinde Alpen, Rheinberg und Sonsbeck finden noch keine Gottesdienste statt.  „In unserer Kirchengemeinde haben wir uns nach Abstimmung mit dem Arbeitsgremium „Covid-19“ gegen die Feier von öffentlichen Gottesdiensten entschieden“, schreibt Pfarrer Dietmar Heshe aus Alpen auf der Homepage. „Um auch hier die Gefahr einer Ansteckung zu reduzieren. Somit werden auch weiterhin keine Tauffeiern, Hochzeiten, Ehejubiläen und Seelenämter gefeiert. Auch die Maiandachten entfallen.“ | jka

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