Prälat Bernd Klaschka begleitet Pfarrei in Neukirchen-Vluyn

Darum übernimmt ein Ruheständler eine Pfarrverwaltung am Niederrhein

  • Die Pfarrei St. Quirinus in Neukirchen-Vluyn im Kreis Wesel bekommt keinen eigenen Pfarrer mehr.
  • Vorübergehend wird Prälat Bernd Klaschka die Pfarrverwaltung übernehmen.
  • In Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden könnte schon bald ein neuer Pastoraler Raum entstehen.

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Als Prälat Bernd Klaschka vor wenigen Wochen von der Bistumsleitung gebeten wurde, vorübergehend die Pfarrverwaltung der Pfarrei St. Quirinus in Neukirchen-Vluyn zu übernehmen, hat er ohne größeres Zögern zugestimmt. „Die kirchliche Arbeit muss weitergehen. Ich helfe, so gut es geht“, sagt der 76-Jährige.

Klaschka wird voraussichtlich bis zum Sommer 2023 die Pfarrei verwalten, nachdem vor einiger Zeit Pfarrer Andreas Fink die Pfarreileitung für eine neue Aufgabe abgegeben hatte und Pastor Suneel Kumar Pasupula auch nur für eine kurze Zeit als Pfarrverwalter fungieren wollte. Mit dem Seelsorgeteam um Pastor Suneel und Pastoralreferentin Barbara Hemping-Bovenkerk sowie den Gremien will Klaschka am Zusammenhalt der Pfarrei mitwirken und „einfach als Priester für die Menschen da sein“, wie er sagt.

Seelsorge ohne Zeitdruck?

Eigentlich wollte es Klaschka nach seiner Emeritierung als Pfarrer vor zwei Jahren etwas ruhiger angehen lassen. Ohne Zeitdruck und organisatorische Verpflichtungen wollte er in seiner Heimatstadt Kamp-Lintfort als Priester aushelfen, etwa bei Tauffeiern, kirchlichen Trauungen, Beerdigungen und Gottesdiensten.

Doch die Ruhepause wurde kürzer als gedacht, als er im Dezember 2021 gebeten wurde, die Pfarrverwaltung der Pfarrei St. Josef in Kamp-Lintfort zu übernehmen. Neun Monate füllte Klaschka diese Aufgabe aus, bis mit Joachim Brune ein leitender Pfarrer für St. Josef gefunden werden konnte.

Priesternachwuchs fehlt

Die Kirche St. Antonius in Neukirchen-Vluyn ist der jüngste Kirchenbau im Bistum Münster. Das Gotteshaus entstand 1997. | Foto: Johannes Bernard
Die Kirche St. Antonius in Neukirchen-Vluyn ist der jüngste Kirchenbau im Bistum Münster. Das Gotteshaus entstand 1997. | Foto: Johannes Bernard

„Die Personalsituation sieht nicht rosig aus“, weiß Klaschka. Die Zahl der aktiven Priester nehme deutlich ab. Es gebe praktisch keinen Priesternachwuchs mehr.

„Wenn die Priester meiner Generation nicht mehr da sind, wird, was die Strukturen anbelangt, vieles nicht mehr möglich sein“, sagt Klaschka, der in wenigen Monaten sein Goldenes Priesterjubiläum begehen wird.

Bildung des Pastoralen Raums steht bevor

In der rund 7.500 Mitglieder zählenden Pfarrei St. Quirinus in Neukirchen-Vluyn mit ihren zwei Kirchorten wird es keinen neuen Pfarrer mehr geben. Stattdessen bereitet sich die Pfarrei darauf vor, mit den Nachbarpfarreien St. Josef in Kamp-Lintfort und den beiden Pfarreien St. Josef und St. Martinus in Moers einen Pastoralen Raum zu bilden, der kirchenrechtlich als Kirchengemeindeverbund bezeichnet wird.

Den Vorgaben der Bistumsleitung werde man folgen, sagt Klaschka. Die Frage – an die jüngeren Priester gestellt – sei, wer denn als leitender Pfarrer den Pastoralen Raum leiten werde und wolle, auch wenn möglicherweise Laien einen Pastoralen Raum verwalten könnten.

Frage der Leitung eher zweitrangig

Klaschka denkt da weniger in Strukturen. „Die Worte Jesu aus dem Evangelium und seine Botschaft weiterzugeben, gilt auch heute noch. Sie sind Auftrag und Sendung der Kirche in unserer Zeit. Es geht um die sakramentalen Zeichen.“

Unabhängig von der Frage eines Pastoralen Raums gelte es zunächst, „in Treue zum Evangelium glaubwürdige Zeugen seiner Botschaft in unserem Alltag zu sein“. Da seien die Fragen nach der Leitung eher zweitrangig.

Neue Leitungsformen

Die Kirche St. Quirinus in Neunkirchen-Vluyn. | Foto: Johannes Bernard
Die Kirche St. Quirinus in Neunkirchen-Vluyn. | Foto: Johannes Bernard

„Ohnehin werden sich die Leitungsformen ändern. Und ohne Frauen wird es sowieso nicht gehen. Leitungsmodelle ohne Priester sind möglich“, ist der Seelsorger überzeugt.

Schon allein von seinem Lebensweg her hat er einen „weiten Blick“ auf die Strukturdebatten in der deutschen Kirche hat: In seinen 49 Priesterjahren engagierte sich Klaschka rund ein Drittel in seiner zweiten Wahlheimat Mexiko, genauer gesagt in der Diözese Tula, einem Partnerbistum des Bistums Münster.

Ohne Laien geht gar nichts

Dort hat ihn die Erfahrung mit den Armen und Indigenen in den Orten Cardonal und Orizabita geprägt. Klaschka war zuständig für die Seelsorge in 35 Orten und Basisgemeinden. Das Gebiet hatte einen Durchmesser von 75 Kilometern.

„Die Laien und besonders Ordensfrauen haben mich unterstützt. Ohne sie ging gar nichts. Entscheidend ist immer das Gemeindeleben und die Bereitschaft der Menschen, ihren Glauben zu leben“, sagt Klaschka.

Hilfe für Lateinamerika

Die Leidenschaft zur Hilfe für die Menschen in Lateinamerika festigte Klaschka 2004 mit seiner Rückkehr nach Deutschland und dem Antritt als Geschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat mit Sitz in Essen. „Die Hilfe für die Armen, die ich in Mexiko erlebt habe, konnte ich so auf ganz Lateinamerika ausdehnen.“

Bis 2017 war Klaschka verantwortlich für die bundesweite Bischöfliche Aktion. Mit den Einnahmen der Weihnachtskollekte unterstützt sie jährlich mehr als 2000 Projekte der Kirche in ganz Lateinamerika zugunsten der Armen und Indigenen.

Brüderlicher Beistand

Auch mit diesen Erfahrungen geht Prälat Bernd Klaschka an seine neue Aufgabe in Neukirchen-Vluyn heran – mit Zuversicht, Unaufgeregtheit und einer hohen Zugewandtheit zu den Menschen. Wenn er Hilfe benötigt, findet er sie im wahrsten Sinn des Wortes im „brüderlichen Beistand“.

Sein Bruder Achim, der im Mai 2021 sein Goldenes Priesterjubiläum feierte, war lange Zeit Dechant im Dekanat Moers und lebt heute ebenso wie Bruder Bernd in Kamp-Lintfort.

Verteilung der Aufgaben

„Wir kennen unsere Region ganz gut. Es sollte also gelingen, die Pfarreien in unserem Gebiet in einen guten Pastoralen Raum zu führen. Doch dafür braucht es engagierte Frauen und Männer, die eigenverantwortlich kirchliche Aufgaben übernehmen“, sagt Prälat Bernd Klaschka.