Auslegung der Sonntagslesungen von Diakon Stephan Rintelen

Die Botschaft des Christkönigssonntags (C)

An diesem Sonntag endet das Kirchenjahr mit dem so genannten Christkönigsfest. Doch Jesus versteht sich als König in der Tradition des Alten Testaments: Er ist vor allem Hirt.

Ein Königreich – im Märchen selbstverständlich, im wahren modernen Leben scheinbar überholt und antiquiert. Doch es lebt fort und erfreut sich großer Beliebtheit. Eine nicht enden wollende Story von Königen und Königinnen, Prinzen und Prinzessinnen übt ihre Faszination aus, gaukelt uns Macht, Glanz, Gloria und Reichtum vor – alles Dinge, die „normale“ Bürger nicht haben und auch nie erreichen werden.

Das fasziniert und lässt dann schnell vergessen, dass Könige auch für Steuerlasten, Kriege, Machtmissbrauch, Unterdrückung und Selbstherrlichkeit standen.

Zweifelhaftes Königstum?

Und nun feiern wir als Kirche auch ein Königtum, ebenfalls von zweifelhaftem Charakter? Da belehrt uns die erste Lesung des heutigen Sonntags Gott sei Dank eines Besseren. Das Volk Israels sehnte sich – wieder – nach einem König wie seinem ersten König Saul, den Samuel gesalbt hatte, obwohl er gegen die Idee des Volkes gewesen war. Nun soll David König werden.

Das Evangelium zum Hören.

Zwei für eine Königsernennung eigentümliche Momente fallen ins Auge. Da ist von einem Vertrag die Rede, den die Ältesten des Volkes mit dem neuen König David schließen möchten. Sie treten nicht als Schafe auf, die nicht wissen, wie ihnen geschieht, sondern als Partner des zukünftigen Königs, den sie an das erinnern, was er für sie nach Gottes Willen verkörpern soll: „Du sollst der Hirt meines Volkes sein.“ Daran wird sich der König messen lassen müssen. Wie ein Hirt sich um seine Schafe kümmert, so soll der König sein Leben einsetzen für das Wohlergehen seines Volkes.

Starke Motivation

Wie bei jedem Vertrag hat nicht nur eine Seite Pflichten. Auch das Volk der Israeliten geht eine Bindung ein. So wie sein König, sein Hirt, sich um sie sorgt und kümmert, so wächst auch bei ihnen die Verpflichtung, diesem Vorbild nachzueifern; sich um den Nächsten zu kümmern, Verantwortung für ihn zu tragen oder, kurz gesagt, Nächstenliebe zu üben.

Es klingt wie ein Anfeuerungsruf, wenn Paulus der Gemeinde von Kolossä das Fundament in vollem Lobpreis vorstellt, auf dem ihr Handeln zu sehen ist: „Dankt dem Vater mit Freude!“ Und dann zählt er die Gründe auf, aus denen diese Freude kommt: den Heiligen nahe, der Finsternis entrissen, in das Reich Gottes aufgenommen, erlöst und von der Sündenschuld befreit zu sein.

Welche Motivation könnte stärker wirken? Sind das nicht genau die Glücksmomente, die uns in Beruf und Alltag oft und sehr fehlen, die jedoch notwendig sind, um das Leben zu haben und es „in Fülle“ zu haben?

Heiligsein und Wohlsein

Unter „heilig sein“ wird sich heute nahezu niemand mehr etwas vorstellen können, unter „heil sein“ schon eher. Bedrängt uns nicht Tag für Tag eine ganze Industrie, etwas für unser Wohlsein, unsere Wellness, zu tun? Und dafür auch noch viel, viel Geld auszugeben?

Der Autor
Stephan Rintelen ist Ständiger Diakon in der Pfarrei Zur Heiligen Familie, Kleve

Natürlich kostet auch das Heilig-Sein im Sinn Jesu etwas; es kostet den Einsatz und die Änderung meiner Lebenseinstellung. Aber wenn ich es mich etwas kosten lasse, dem Nächsten Hirt und Hirtin zu sein, selbstlos und nicht berechnend, offen und nicht hinterrücks, dann ist das Heil sehr nahe. Dann sind Aufatmen und Erlöst-Sein die Folge.

„Wer ist der Herr an dem Pluszeichen?“

Schwerpunkte im Leben werden neu geordnet, Fassaden als das erkannt, was sie sind, nämlich Blendwerk. Frieden und Vergebung, Demut und Dienen werden keine Fremdwörter mehr sein.

Stichwort: Christkönigsfest
Das Christkönigsfest wird am letzten Sonntag des Kirchenjahrs gefeiert – bevor mit dem ersten Advent ein neues Kirchenjahr beginnt. Es lenkt den Blick auf Jesus Christus, der am Ende der Zeit als König wiederkommen wird und zu dem sich die Kirche unterwegs sieht.
Papst Pius XI. führte das Christkönigsfest 1925 ein in Erinnerung an das Konzil von Nizäa, das im Jahr 325 die Gottheit Christi gegenüber der Lehre des Arius definierte. Dieser hatte die Ansicht verbreitet, Jesus Christus sei nicht wahrer Gott, sondern Gottes erstes und vollkommenstes Geschöpf.
Das Konzil von Nizäa bekannte daher den Glauben an die Gottheit Jesu. Dieses Bekenntnis findet sich im so genannten Großen Glaubensbekenntnis: „Wir glauben an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater.“


Die glaubhaft unschuldig klingende Frage eines Soldaten der untergegangenen DDR beim Anblick eines Triumph-Kreuzes offenbart das ganze Drama zwischen Gott in der Welt und der Welt ohne Gott: „Wer ist der Herr an dem Pluszeichen?“

Es erfordert viel Kraft, Mut und Ausdauer, Christus als einen König zu verehren, der gerade nicht den weltlichen Vorstellungen entspricht, der nicht herrscht, sondern dient, der nicht der Erste sein will, sondern sich erniedrigt, bis zum Tod am Kreuz. Selbst hier, im qualvollen Sterben, teilt er die letzten Atemzüge seines Lebens mit zwei Verbrechern. Auch jetzt noch ist er ihnen nahe – und wieder zeigt sich das Drama zwischen einer Welt ohne Gott und Gott in der Welt.

„Jesus, denk an mich!“

Während einer der beiden nur Spott für Jesus übrig hat, erkennt der andere, dass dies der Messias sein muss, dem er sich in seiner trostlosen und aussichtslosen Situation anvertrauen kann. Er spürt, wie Paulus es ausdrückt, „er ist vor aller Schöpfung, in ihm hat alles Bestand“. Ohne Beachtung dessen, welches Leben dieser Verbrecher geführt hat, zeigt Gott durch seinen Sohn Jesus Christus, dass er immer an der Seite der Menschen steht, wenn sie ihn nur darum bitten: „Jesus, denk an mich!“ Und er antwortet: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ Worte eines wirklichen Königs.