Professor Peter Schallenberg für schärfere Gesetze

Diesel-Gipfel: Sozialethiker fordert Transparenz von Auto-Konzernen

Mit Blick auf den Abgasskandal fordert der Sozialethiker Peter Schallenberg von der deutschen Automobilindustrie Transparenz. Möglichst schnell müssten Handlungs- und Entscheidungsabläufe erklärt, die Schuldigen benannt und die Strukturen offengelegt werden, damit sich solche Dinge nicht wiederholen, sagte der katholische Theologe am Mittwoch dem Domradio in Köln.

Vor allem seien etwaige Strukturen der Korruption und Interessenvermengung im Kraftfahrtbundesamt ausfindig zu machen, so Schallenberg. Am Mittwoch treffen sich Vertreter von Politik und deutschen Automobilkonzernen in Berlin, um Konsequenzen aus Manipulationen bei Abgaswerten von Diesel-Autos zu beraten.

Professor Peter Schallenberg
Professor Peter Schallenberg | Foto: Markus Nolte

Schallenberg wandte sich dagegen, „zu schnell auf die Ebene von individueller Bosheit oder individueller Bereicherung“ abzugleiten. Auch Beteiligten, die sich etwas hätten zuschulden kommen lassen, sei zunächst guter Wille zu unterstellen. Der Autobau sei ein hartes Konkurrenzgeschäft, an dem viele Arbeitsplätze hingen. Der eine oder andere sei da der Meinung gewesen, man könne durch Software bei Dieselfahrzeugen Zeit gewinnen, um Innovationen auf den Weg zu bringen.

Der Sozialethiker plädierte dafür, Strukturen und Gesetze schärfer zu fassen, damit Menschen überhaupt nicht in Versuchung geraten, halb-legale Wege zu gehen. Ähnliche Probleme wie in der Autobranche seien vor zehn Jahren in der Bankenkrise sichtbar geworden. Undurchschaubare Verhältnisse gebe es auch in anderen Branchen, etwa in der Bekleidungsindustrie mit ihren intransparenten Produktionsstandorten in Entwicklungsländern.

Schallenberg ist Professor an der Universität Paderborn und Direktor der Katholisch-Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle in Mönchengladbach.