Sebastian Aperdannier und seine szenische Lesung über den Ziehvater Jesu

Ein Stück über den heiligen Joseph – von dem man fast nichts weiß

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Seit mehr als 20 Jahren spielt Sebastian Aperdannier Theater, schreibt Texte und führt szenische Lesungen auf. Nun hat der Münsteraner mit „Joseph von Nazareth“ ein neues Stück geschrieben.

Herr Aperdannier, seit vielen Jahren sind Sie in den Pfarreien mit szenischen Lesungen unterwegs Die „Verteidigungsrede des Judas“ von Walter Jens ist eine Ihrer bekanntesten Inszenierungen. Nun haben Sie sich mit dem Ziehvater Jesu beschäftigt, mit Joseph von Nazareth. Was ist an Joseph so faszinierend?

Interessant ist auf jeden Fall die große Leerstelle, die sich um Joseph von Nazareth rankt. Wir lesen von ihm in den Schriften und nehmen hin, dass er mit Maria verlobt war, die ihm eröffnet, dass sie schwanger war. Zur damaligen Zeit hätte er mit großer Empörung Maria an ihre Familie „zurückgeben“ und verlangen können, dass seine verletzte Ehre wiederhergestellt werde. Das allein ist doch schon der Auftakt zu einer grandiosen Beziehungsgeschichte. Allerdings verschwindet der „offizielle“ Joseph in den biblischen Erzählungen sehr schnell hinter Volkszählung, Herbergssuche, Geburtsgeschichte, Ochs und Esel sowie den Heiligen Drei Königen. Eben eingeführt, ist er nicht mehr präsent und spielt als Randfigur eigentlich eine Statistenrolle.

Wie und mit welchen Charakterzügen stellen Sie den „Ziehvater“ Jesu vor?

Sebastian Aperdannier hat eine Geschichte über Joseph von Nazareth geschrieben. | Foto: Michael Bönte
Sebastian Aperdannier hat eine Geschichte über Joseph von Nazareth geschrieben. | Foto: Michael Bönte

Mich interessiert schon im Vorfeld sein Werben um Maria und ihrer beider Liebesgeschichte. In meiner Vorstellung muss eine Vertrauensbasis zwischen dem Paar grundgelegt gewesen sein, die ihn hat entscheiden lassen, diese schwangere Frau nicht zu verstoßen. Und dann folgt auf eine Liebesgeschichte eine Geburtsgeschichte unter Ausgestoßenen, eine Flucht- und Exilgeschichte, eine Familien- und sicherlich auch eine Angstgeschichte, den Sohn, der mehr und mehr in den Fokus der religiösen und weltlichen Obrigkeit gerät, durch eine Intrige, Gefangennahme oder einen Prozess zu verlieren.

Wie endet seine Geschichte in Ihrem Stück?

In meiner Geschichte lasse ich Joseph auch der Kreuzigung seines Sohnes beiwohnen und in Konkurrenz und Hadern mit einem „göttlichen Vater“ treten, den er aus seiner Perspektive nicht verstehen kann. Genug Stoff also für Geschichten, Gedanken und Gefühle zu einer Person, die in ihrer Reduktion auf den Zimmermann und Ersatzvater sicherlich zu schattenhaft dasteht.

Szenische Lesungen in Schermbeck und Bocholt
Im Advent ist Sebastian Aperdannier mit der szenischen Lesung „Joseph von Nazareth“ am 3. Dezember 2023 um 17 Uhr in der Kirche St. Ludgerus in Schermbeck und am 17. Dezember 2023 um 17 Uhr in der Kirche St. Georg in Bocholt zu Gast. Gelesen werden die ersten drei Kapitel, die die Liebes-, die Geburts- und die Fluchtgeschichte beschreiben.