Friedensschule in Münster startet Feiern zum 50-jährigen Bestehen

Einzige katholische Gesamtschule im Bistum feiert Jubiläum

Als vor 50 Jahren – am 25. August 1969 – die Friedensschule in Münster ihren Betrieb aufnahm, war sie ein vielbeachtetes und diskutiertes Pionierprojekt des Bistums. Bis heute ist sie zwar nicht mehr die einzige gebundene Ganztagsschule in Trägerschaft der Diözese (mit verpflichtendem Unterricht auch am Nachmittag), aber immerhin noch die einzige Gesamtschule (in der Kinder unter einem Dach den Haupt-, Realschulabschluss und das Abitur machen können). Ein Jahr lang will die Schule ihr rundes Jubiläum feiern.

Start ist der 17. September: Um 9 Uhr lädt Bischof Felix Genn die Festgemeinde zum Pontifikalamt in den Dom. Das Gotteshaus wird voll werden. Immerhin gehören  aktuell 1500 Kinder und Jugendliche, womöglich doppelt so viele Eltern, 128 Lehrkräfte, 14 Referendare und 30 nicht pädagogische Mitarbeiter zur Schulgemeinde. Für sie wird es auch ein eigenes Fest am 21. September geben.

Alles in der Schule ist XXL

Die Kickerautomaten laden zum Spielen in den Pausen ein.
Die Kickerautomaten neben den 1500 Schülerschließfächer der Friedensschule Münster laden zum Spielen in den Pausen ein. | Foto: Karin Weglage

Doch damit nicht genug: Im Februar 2020 ist eine Podiumsdiskussion zur „Zukunft der Schule“ geplant, zu der NRW-Schulminis­terin Yvonne Gebauer (FDP) eingeladen ist.  Ehemalige Schulabgänger werden sich im April zum großen Wiedersehen treffen. Ein Abschlusskonzert mit dem Schüler-Eltern-Lehrer-Chor ist im Juni im Dom ge­plant.

„Bei uns ist alles XXL, schon wegen der schieren Menge der Personen“, sagt Schulleiter Ulrich Bertram nicht ohne Stolz. Drei Jahre Vorplanung steckten hinter dem Programm.

Attraktiv für Eltern und Kinder

Noch immer hat die Friedensschule jedes Jahr doppelt so viele Anmeldungen, wie sie aufnehmen kann. „Unsere Attraktivität liegt darin, dass Eltern sich nach der vierten Grundschulklasse ihrer Kinder nicht für eine Schulform entscheiden müssen. Wir wollen eine Schule für alle Kinder sein“, erklärt Bertram. Die Durchlässigkeit für viele mögliche Abschlüsse lege die Mädchen und Jungen nicht von Anfang an fest, sondern lasse ihnen Entwicklungsraum.

Zudem ist die Friedensschule für alle Konfessionen und Religionen offen. „Mit einer Vorgabe“, erklärt Bertram: „Evangelische Kinder besuchen den evangelischen Religionsunterricht, alle anderen – ob katholisch, muslimisch, jüdisch, buddhistisch oder ohne Bekenntnis – den katholischen. Wir wollen niemanden missionieren, finden es aber wichtig, wenn alle etwas über das Christentum erfahren.“

Mofa-Führerschein für Schüler

Das spiegele sich im Mitein­ander wider: „Für uns ist jeder Schüler unabhängig von den Leistungen ein Geschöpf Gottes“, erklärt der Schulleiter. Das gelte ebenfalls für „quengelnde Eltern“. Die Lehrer sollen „die Schüler nicht nur motivieren, sondern sich ihnen positiv und wertschätzend zuwenden“. Bisher setzt das Kollegium auf christliche Pädagogen. „Perspektivisch kann ich mir auch muslimische Lehrer bei uns vorstellen“, so Bertram.

Für die Schüler habe der Ganztagsunterricht viele Vorteile, erklärt er. Neben den klassischen Fächern werden Hauswirtschaft und Technik für die Jungen und Mädchen angeboten. Der Unterricht in Naturwissenschaften und Informatik setzte auf Praxis und Experimente. Es gebe Arbeitsgemeinschaften (AG) im handwerklichen, sportlichen und künstlerischen Bereich. Sogar den Mofa-Führerschein können die Kinder hier machen. In Zusammenarbeit mit einer Psychologin des Caritasverbands Münster bietet die Schule eine Segel-AG an, bei der über das Mittelmeer geflüchtete Kinder ihre Angst vor dem Wasser verlieren sollen.

Arbeit am katholischen Selbstverständnis

Die Schule habe durchgesetzt, dass Schüler sowohl nach acht als auch nach neun Jahren das Abitur machen können, so Bertram. „In der Praxis entscheiden sie sich aber alle für G9.“ Zudem arbeitet die Schule mit Partnern zusammen: mit der bischöflichen Domschule, der Musikschule Roxel und Wirtschaftsunternehmen.

Für die Zukunft sieht der Schulleiter zwei Herausforderungen. Sie liegen für ihn in der Digitalisierung des Lehr- und Lernprozesses. „Und wir möchten am katholischen Selbstverständnis arbeiten.“ Das sei bei Schülern, Eltern und Lehrern nicht mehr so selbstverständlich. Da sei auch die Friedensschule ein getreues Abbild der Gesellschaft.