Worauf Christen bei der Wahl zum Europa-Parlament achten können

Hamers zur Europawahl: Nicht bei EU-Bashing mitmachen!

Am morgigen Donnerstag beginnen die Wahlen zum Europäischen Parlament, die Deutschen wählen am Sonntag. Die Kirchen mahnen, verantwortungsbewusst abzustimmen. Was meinen sie damit? Antonius Hamers vertritt die Kirche auf politischer Ebene – der Priester des Bistums Münster leitet das Katholische Büro Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Wir haben bei ihm nachgefragt.

Herr Hamers, worauf können Wähler achten, wenn sie ihre Entscheidung bei der Wahl zum Europa-Parlament von christlichen Grundsätzen leiten lassen wollen?

Die Partei, die sie wählen, sollte sich am gemeinsamen Europa orientieren. Die Mitgliedsstaaten sind so verflochten, dass es EU-weite Ansätze in der Außen- und Sicherheitspolitik, in der Wirtschafts- und Sozialpolitik und natürlich beim Klimaschutz braucht. Auch den Schutz der Bürger zum Beispiel vor Terrorismus kann ein Staat heute nicht mehr allein gewährleisten. Zudem brauchen wir europäische Konzepte bei der Aufnahme und Verteilung von Flüchtlingen. Dass Menschen auf der Flucht im Mittelmeer ertrinken, ist eine der größten Tragödien unserer Zeit. Das muss aufhören.

Die Spitzen der christlichen Kirchen und auch viele katholische Verbände warnen ausdrücklich davor, rechtspopulistische Parteien zu wählen. Dagegen argumentieren Anhänger solcher Bewegungen, sie würden christliche Ziele verfolgen, etwa bei Lebensschutz und Familienpolitik. Wie bewerten Sie das?

Auch wenn es da Berührungspunkte geben mag: Entscheidend ist, auf welcher Grundlage rechte und andere populistische Parteien Politik machen. Unsere Grundlage ist das Evangelium. Die Botschaft Jesu kennt keinen Nationalismus, keine Ausgrenzung und Herabwürdigung von Menschen oder ganzen Gruppen. Es gibt kein nationales Christentum, die katholische Kirche ist Weltkirche. Denken Sie an die Geschichte vom barmherzigen Samariter, eine der großen christlichen Erzählungen, die das europäische kulturelle Erbe geprägt hat: In dieser Geschichte wird selbstverständlich über nationale und ethnische Grenzen hinweg geholfen.

Die europäische Einigung scheint selbstverständlich geworden. Warum sollten sich die Bürger dennoch für das vereinte Europa einsetzen – und wie?

Zunächst einmal, indem sie am Sonntag verantwortungsbewusst mit ihrem Wahlrecht umgehen. Im Alltag wäre es gut, in Diskussionen nicht beim beliebten „Europa-Bashing“ mitzumachen. Vielleicht kann man sich und andere daran erinnern, dass Frieden in Europa, Wohlstand, relative Sicherheit, offene Grenzen und freier Warenverkehr keine Selbstverständlichkeiten sind, sondern Errungenschaften der vergangenen 70 Jahre und der EU. Wir leben in einer digitalisierten Zeit, in der Grenzen immer unwichtiger werden. Da wäre es geradezu widersinnig, würden wir in Europa eine Politik fördern, die neue Grenzen zieht.