Berliner Erzbischof verweist auf Erfahrungen der evangelischen Kirche

Heiner Koch: Reformen halten Negativ-Trend nicht auf

Der Berliner katholische Erzbischof Heiner Koch sieht die Kirche vor großen Herausforderungen angesichts der vielen Austritte und der sinkenden Mitgliederzahlen. „Ich bin auch für Reformen der Kirche, aber ich glaube nicht, dass durch noch so viele Reformen die Menschen in Massen wiederkommen“, sagte er dem katholischen Internetportal domradio.de: „Das sieht man auch in der evangelischen Kirche.“

Er sei fest davon überzeugt, so Koch weiter, dass der allgemeine Trend nicht aufzuhalten sei, selbst „wenn wir alles neu machen würden, um dem Mainstream zu folgen und eventuell tun, was die Menschen von uns erwarten“.

Wie sich die Kirche ändern muss

Die Verbundenheit mit der Kirche und mit Gott, die Tradition und auch die Familienverbundenheit seien auf vielerlei Ebenen abgebrochen, ergänzte der Erzbischof: „Wir werden auf ganz neue Weise Kirche sein müssen und wir brauchen neue gemeinschaftliche Bindungen. Das ist die große Herausforderung und die Chance, die auch Freude macht die Kirche neu zu gestalten.“

Denn trotz allem blicke er „sehr hoffnungsvoll in die Zukunft der Kirche“. Diese werde allerdings eine andere Gestalt haben: „Ich weiß ja in Berlin selbst, das es nicht selbstverständlich ist, den Glauben zu leben und vor allem den Glauben weiterzugeben.“ Studien zeigten etwa, dass nur 37 Prozent der katholischen Eltern den Glauben an ihre Kinder weitergäben. Unter anderem werde als Grund dafür genannt, dass der andere Elternteil nicht getauft sei. Diese und andere „Konfliktthemen“ des Alltags gelte es anzugehen.