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Der Kirchenrichter Martin Zumbült zur Zukunft der Kirche

Liebe Bischöfe, nehmt bitte die Wirklichkeit zur Kenntnis!

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Angesichts des Reformstaus läuft die Mitte der Kirche davon, diagnostiziert der Kirchenrichter Martin Zumbült aus Münster. Ein Grund ist seiner Ansicht nach, dass die Kirchenleitung auch bei akzeptierten Realitäten wie der Laienpredigt noch Diskussionsbedarf sieht. „Nehmt die Menschen in der Kirche ernst“, fordert er.

Die Kirchenaustrittszahlen belegen leider, wie wenig „die Kirche“ von den Menschen verstanden hat. Es gehen mittlerweile auch „die Guten“, die überzeugten, engagierten Katholiken, die die Nase voll davon haben, immer wieder hingehalten zu werden. „Maria 2.0“ ist mutig, doch wie lange halten sie die Verweigerungshaltung noch aus? Es läuft die Mitte der Kirche davon.

Erzbischof Koch meint, alle Anstrengung lohnt nicht mehr. Kardinal Marx will das Predigtverbot für Laien aufheben. Kardinal Woelki kommuniziert nur noch über Anwälte mit „seinem“ Kirchenvolk, weil er keine Fehler zugeben will.

Aufgeben ist keine Option

Der Autor
Martin Zumbült hat Theologie, Jura und Kirchenrecht studiert und ist seit 2013 Diözesanrichter am Bischöflichen Offizialat Münster sowie Ehebandverteidiger am Bischöflichen Offizialat Aachen. Zuvor war er sieben Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kanonisches Recht der Universität Münster.

Was soll jetzt ein synodaler Prozess noch bringen? Wir müssen die Reform wenigs­tens versuchen, aufgeben ist keine Option! Und zum anderen: Wen interessiert dieses Predigtverbot überhaupt noch?

Es geht doch nicht um Kosmetik. Liebe Hirten, nehmt bitte die Wirklichkeit zur Kenntnis! Nehmt die Menschen in der Kirche ernst! Kommunion für konfessionsverschiedene Paare und für wiederverheiratete Geschiedene, Laienpredigt (sogar von Frauen!) und Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare, selbst Priester in Paarbeziehungen mit und ohne eigene Kinder sind in den Gemeinden längst gelebte, größtenteils akzeptierte Realität.

Gnadenakte und Herablassung funktionieren nicht mehr

Eine offizielle Lehrmeinung, die hier noch Diskussionsbedarf sieht, treibt nur noch mehr Menschen aus der Mitte unserer Gemeinden heraus. Denn die Kirche zeigt sich damit als nicht anschlussfähig an eine demokratische Gesellschaft. Dabei dürfen sich unsere Bischöfe auch nicht von den wenigen, lauten Erzkonservativen verunsichern lassen.

Habt Mut und versucht es wenigstens! Missbraucht die Macht nicht für eigene Zwecke. Wenn ein synodaler Prozess Reformen bringen soll, mit dem Ziel, das Leben glaubwürdig am Evangelium ausrichten zu können und die Kirche lebendig zu halten, dann müssen unsere Hirten zuerst diese kirchlichen Realitäten wertschätzen und nicht Selbstverständlichkeiten als großherzig gewährte Gnadenakte lobpreisen. Paternalistische Herablassung funktioniert in unserer Kirche zum Glück nicht mehr.

Die Positionen der Gastkommentare spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von „Kirche+Leben“ wider.

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