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Missbrauchsvorfälle in Internaten – Ruf nach Einsicht in kirchliche Akten

Indigenen-Vertreter aus Kanada berichten dem Papst von Gewalt

  • Indigenen-Vertreter aus Kanada sind mit Papst Franziskus im Vatikan zusammengetroffen.
  • Anlass der Gespräche waren in den vergangenen Jahren öffentlich gewordene Misshandlungen und Missbrauch in kirchlichen Schulen für indigene Kinder.
  • Die Indigenen riefen die Kirche zum Handeln auf.
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Indigenen-Vertreter aus Kanada sind mit Papst Franziskus im Vatikan zusammengetroffen. Hintergrund der Gespräche waren in den vergangenen Jahren öffentlich gewordene Misshandlungen und Missbrauch in kirchlichen Schulen für indigene Kinder, sogenannte Residential Schools. Die Delegationen von Metis und Inuit begrüßten das Zuhören im Vatikan, stellten aber auch konkrete Forderungen an Papst und Kirche.

So gehe es beispielsweise um Zugang zu kirchlichen Aufzeichnungen über die Schulen. "Wir müssen unsere Geschichte wieder zusammensetzen. Wir müssen wissen, was mit den Kindern passiert ist und wo jene sind, die nicht zurückgekehrt sind", sagte die Vorsitzende des Metis National Council, Cassidy Caron. Einige Aufzeichnungen lägen auch in Generalhäusern von Ordensgemeinschaften in Rom, darum habe man Franziskus um Unterstützung gebeten.

Was sind Residential Schools?

Ab 1831 wurden in Kanada indigene Mädchen und Jungen an Residential Schools unterrichtet. Sie sollten an die Kultur der europäischen Einwanderer angepasst werden. Die meisten Residential Schools waren strikte Internate. Die Mädchen und Jungen der First Nations, der Inuit oder der Metis - Nachfahren europäischer Händler und indigener Frauen - konnten ihre Familien über Jahre hinweg nur selten sehen.

Insgesamt lebten etwa 150.000 Kinder in Residential Schools. Betreiber waren zumeist die Kirchen, das Geld kam vom Staat. Die letzte Einrichtung schloss 1996 ihre Pforten.

Was ist an den Schulen vorgefallen?

In den vergangenen Jahren wurden an den ehemaligen Internaten immer wieder sterbliche Überreste von Kindern gefunden. Sie belegen die ärmlichen Lebensbedingungen in vielen Heimen. Bislang ist der Tod von mindestens 3.200 Kindern nachweisbar; Experten gehen von wesentlich mehr aus. Überlebende berichten, sie seien Gewalt, Erniedrigung und sexuellem Missbrauch ausgesetzt gewesen.

Franziskus traf einige dieser Überlebenden am Montag. Es sei beeindruckend gewesen und eines der ersten Male, dass Betroffene überhaupt eingeladen worden waren, um ihre Geschichte zu erzählen, so Metis-Vetreter Mitchell Case. "Wir hoffen, Franziskus überträgt diese Geschichten von seinem Kopf auf sein Herz", erklärte Präsidentin Caron.

Zahlungen zur Entschädigung

Zudem ging es um Entschädigungszahlungen an Betroffene. Diese gehen laut Indigenen-Vertretern - wenn überhaupt - eher schleppend und bürokratisch voran. Ähnlich sei dies mit einem Fonds zur Aufarbeitung innerhalb der indigenen Völker. Diese Kritik richtete sich besonders an die kanadischen Bischöfe, die die Gruppe in Rom begleiten.

Ein weiteres Privattreffen von Franziskus mit Vertretern der First Nations soll es am Donnerstag geben. Für Freitag ist eine Abschlussaudienz der gesamten Delegation beim Papst geplant.

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