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Es bleibe die Frage, wie ein liebender Gott eine Geißel wie Corona zulassen könne

Kardinal Koch kritisiert theologische Sprachlosigkeit zu Corona

In der Corona-Pandemie bleiben nach Ansicht des Schweizer Kurienkardinals Kurt Koch eine Reihe offener theologischer Fragen. Mit der bloßen Aussage, dies sei keine Strafe Gottes, könne die Debatte keinesfalls beendet sein.

In der Corona-Pandemie bleiben nach Ansicht des Schweizer Kurienkardinals Kurt Koch eine Reihe offener theologischer Fragen. Mit der bloßen Aussage, dies sei keine Strafe Gottes, könne die Debatte keinesfalls beendet sein, schreibt Koch in der aktuellen Ausgabe des „Vatican-Magazin“. Insgesamt gebe es angesichts der Pandemie selbst in den Kirchen „eine gewisse Sprachlosigkeit im Blick auf Fragen des Glaubens“, bemängelt Koch.

Etliche Theologen und andere Kirchenvertreter weigerten sich überhaupt, „Gott mit Corona in Beziehung zu bringen und eine religiöse Deutung der Krise zu wagen“. Wenn überhaupt, machten viele zu schnell Abstriche an Gottes Allmacht, um die frohe Botschaft eines liebenden Gottes zu retten. Dabei bleibe doch die Frage, wie ein liebender Gott eine Geißel wie Corona zulassen könne und damit das Leid gerade armer, alter und kranker Menschen, von denen besonders viele an Covid-19 sterben.

Koch: Gebete ersetzen nicht die Suche nach einem Impfstoff

Hinter der aktuellen theologischen Schweigsamkeit vermutet Koch die neuzeitliche Annahme, Gott „vermöge allein, in den Geist des Menschen hinein zu handeln“; mit allem Leiblich-Materiellen könne er sich nicht befassen. Eine solche theologische Auffassung, von Benedikt XVI. (2005-2013) als „subtiler neuer Gnostizismus“ kritisiert, könne aber schwerlich noch von Wundern - oder gar der Auferstehung Jesu Christi - sprechen.

In diesem Zusammenhang weist Koch, der auch Leiter des Päpstlichen Ökumene-Rates ist, Kritik an dem Segensgebet zurück, das Papst Franziskus am 27. März allein auf dem abendlichen Petersplatz sprach. Unter anderem hatte der Theologe Magnus Striet den in dieser Weise einmaligen eucharistischen „Urbi-et-orbi“-Segen des Papstes kritisiert. „Eine solche Epidemie wird durch die Medizin, durch medizinischen Fortschritt bekämpft, aber nicht durch ein Bittgebet“, so Striet in einem Zeitungsinterview.

Laut Koch ist eine solche Ansicht aber „ebenso fundamentalistisch“ wie die prinzipielle Ablehnung aller Hygieneregeln und medizinischen Maßnahmen. Für einen Katholiken, der Gnade und Natur im rechten Verhältnis sieht, verstehe es sich von selbst, dass Gebete nicht die Suche nach einem Impfstoff und Hygienemaßnahmen ersetzten. Dies gelte aber genauso umgekehrt.

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