Sternberg: Müllers Kritik „so lebensfern, dass sie nicht ernst genommen werden kann“

Kardinal Müller stößt mit NS-Vergleich auf deutliche Kritik

Deutliche Kritik erntet Kardinal Gerhard Ludwig Müller für seinen Vergleich zwischen dem katholischen Reformdialog Synodaler Weg und dem Beginn der NS-Herrschaft. „Es gibt Kritik, die richtet sich selber“, sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Müllers Kritik sei „so lebensfern, dass sie nicht ernst genommen werden kann“. Der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation stelle sich „gegen die große Übereinstimmung der katholischen Gläubigen und die große Mehrheit der bischöflichen Mitbrüder“.

Bischof Jung: Müllers Aussagen sehr fehl am Platz

Der Würzburger Bischof Franz Jung nannte Müllers Äußerungen „sehr fehl am Platz“. Solche Vergleiche seien nicht hilfreich. Dem von den Bischöfen und dem ZdK angestoßenen Dialog zur Zukunft der Kirche in Deutschland lägen Beschlüsse der Bischofskonferenz zugrunde.

Einer der Geistlichen Begleiter des Synodalen Wegs, der Münchner Jesuit Bernd Hagenkord, nannte Müllers Vergleich „vergiftend“ und „zerstörerisch“. Wer so etwas tue, „hat entweder keine Ahnung von Geschichte oder handelt mutwillig jegliche Debatte vergiftend“, schreibt Hagenkord in seinem Blog. Bei Nazi-Vergleichen von Christen gegen Christen höre es auf: „Das ist nicht konservativ, bewahrend. Das ist zerstörerisch, und das ist das genaue Gegenteil von Bewahren.“

Was Müller verglichen hat

Müller hatte die Entscheidungsfindung beim Synodalen Weg mit dem so genannten Ermächtigungsgesetz verglichen. Dieses Gesetz, das der Reichstag 1933 verabschiedete, steht am Anfang der Zerstörung der Weimarer Verfassung durch die Nationalsozialisten.