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Ex-Finanzchef des Vatikans ist wegen Missbrauchs verurteilt

Kardinal Pell erhält letzte Chance – Gericht lässt Berufung zu

Australiens oberster Gerichtshof hat den Berufungsantrag von Kardinal George Pell gegen seine Verurteilung als Sexualstraftäter angenommen. Die Anhörung werde voraussichtlich erst 2020 stattfinden, hieß es.

Australiens oberster Gerichtshof hat den Berufungsantrag von Kardinal George Pell gegen seine Verurteilung als Sexualstraftäter angenommen. Die Anhörung werde voraussichtlich erst 2020 stattfinden, teilte das Gericht in Canberra mit. Pell war bei der Verkündung der Entscheidung laut Medienberichten nicht persönlich im Gerichtssaal anwesend und auch nicht per Video zugeschaltet.

Mit der Zulassung der Berufung erhält der gesundheitlich angeschlagene Pell eine letzte juristische Chance, gegen seine Verurteilung wegen Kindesmissbrauchs vorzugehen. Der 78-Jährige verbüßt eine sechsjährige Haftstrafe. Ein Geschworenengericht hatte ihn für schuldig befunden, Mitte der 1990er Jahre als Erzbischof von Melbourne einen Chorknaben sexuell missbraucht und einen weiteren belästigt zu haben.

Australiens Bischöfe: Urteil soll Klarheit bringen

Pell ist der frühere Präfekt des vatikanischen Wirtschaftssekretariates und war damit eine Art „Finanzminister“ des Papstes. Er ist der ranghöchste katholische Geistliche, der bisher wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt wurde.

Der Vorsitzende der australischen Bischofskonferenz, Erzbischof Mark Coleridge, sagte, die Entscheidung werde den langen und schwierigen Prozess verlängern: „Aber wir können nur hoffen, dass die Berufung so bald wie möglich verhandelt wird und dass das Urteil Klarheit und eine Lösung für alle bringen wird.“

Wer ist George Pell?

Pell wurde am 8. Juni 1941 geboren und mit 25 Jahren zum Priester geweiht. Papst Johannes Paul II. ernannte ihn 1987 zum Weihbischof und 1996 zum Erzbischof von Melbourne. 2001 wechselte Pell nach Sydney. Von hier aus meldete er sich immer wieder mit kernig-konservativen Statements über Themen wie Homosexualität, Bioethik und Umwelt zu Wort.

Ins weltkirchliche Rampenlicht trat er als Gastgeber des Weltjugendtags in Sydney 2008. Im Februar 2014 machte ihn Franziskus zum Leiter des neugegründeten vatikanischen Wirtschaftssekretariates. Aufgrund der Missbrauchsvorwürfe war der Kardinal aber bereits seit Juni 2017 als Finanzchef beurlaubt.

Reaktion des Vatikans
Nach der Annahme eines Berufungsantrags von Kardinal George Pell durch Australiens obersten Gerichtshof hat der Vatikan sein Vertrauen in die Justiz des Landes betont. Schriftlich teilte Vatikansprecher Matteo Bruni mit, man nehme die Entscheidung zur Kenntnis; weiter sei man sich „bewusst, dass der Kardinal stets seine Unschuld behauptet hat“. Zudem erklärte Bruni, der Heilige Stuhl bekräftige seine Nähe zu allen, die durch sexuellen Missbrauch durch Kleriker gelitten hätten.

(Reaktion um 14.30 Uhr egänzt)

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