Martin Schmitz über die Schließung der Diözesanstelle „Berufe der Kirche“

Kommentar: Es darf sich nicht alles nur um Priester drehen

Statt einer Einrichtung, die für alle Berufe in der Kirche wirbt, will man einen Arbeitskreis bilden, der überlegt, wie man neue Priester finden kann. Mit dem „Kulturwandel“, den die Bistumsleitung ankündigt, hat das nichts zu tun, meint Redakteur Martin Schmitz.

Ich bin verwirrt. Noch vor zwei Wochen propagiert die Bistumsleitung den „Kulturwandel“ im Bistum Münster. Man möchte einen „Wechsel von der Volkskirche hin zu einer Kirche des Volkes Gottes“. Man möchte neue Formen von Gemeindeleitung erproben. Toll! Und das meine ich wirklich nicht ironisch.

Aber was passierte heute? Heute wird bekanntgegeben, dass die Diözesanstelle „Berufe der Kirche“ im Sommer schließen wird. Eben die Einrichtung, die sich darum bemüht, Menschen für eine Arbeit in der Kirche zu begeistern. Dabei hat sie explizit nicht allein zukünftige Priester im Blick. Sondern ebenso Diakone, Pastoralreferentinnen, Ordensleute, Küster und, und, und.

Egal? Vergessen? Nicht so wichtig?

Und was kommt stattdessen? Wie es heißt, soll eine Gruppe, der unter anderem mehrere junge Priester angehören, ein neues Konzept für die Suche nach Priesterberufungen erarbeiten. Priesterberufungen – und ausschließlich Priesterberufungen.

Aber was ist mit den Diakonen, Pastoralreferenten, Ordensfrauen und -männern, Küstern, Pfarrsekretärinnen, Kirchenmusikern? Egal? Vergessen? Nicht so wichtig? Erst für Anfang 2019 ist eine Kampagne angekündigt, in der das Bistum Münster für die Vielzahl an Berufen in der Kirche werben möchte. Bis dahin ist die Diözesanstelle bereits über ein halbes Jahr geschlossen.

Falsche Gewichtung

Dieses Vorgehen widerspricht dem, was ich mir unter dem angekündigten „Kulturwandel“ vorgestellt habe. Hier wird einmal mehr deutlich, wie priesterzentriert weiterhin gedacht wird. Ist das der angekündigte „Kulturwandel“?

Natürlich: Ohne Priester ist der Kern unseres Glaubens, die Feier der Eucharistie, nicht möglich. Aber die Eucharistie feiern Katholiken vielleicht eine Stunde in der Woche. Kirche, Seelsorge und Gemeindeleben finden 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche statt. Zum Großteil ohne Priester. Da ist die Konzentration auf diesen einen Berufszweig in meinen Augen eine falsche Gewichtung.