Rau: „In den Gottesdiensten erreichen wir mit Abstand die meisten Leute“

Liturgiekommission will neue Werktags-Gottesdienste entwickeln

„Wir wollen Liturgie und Leben zusammenbringen“, sagt Pfarrer Stefan Rau. Wie das künftig noch ansprechender gelingen kann, damit beschäftigt sich die Liturgiekommission des Bistums Münster, die am 18. September unter dem Vorsitz von Rau erstmals in neuer Besetzung getagt hat. Die Kommission ist ein Beratungsgremium des Bischofs. Die Mitglieder werden von ihm für fünf Jahre berufen.

Die Runde aus Seelsorgern, Theologen und Liturgiewissenschaftlern kommt viermal im Jahr zusammen. Neben Rau als Vorsitzenden hat Münsters Bischof Felix Genn Nicole Stockhoff, Leiterin der Fachstelle Gottesdienst im Bistum, zur Geschäftsführerin bestellt. Weitere Mitglieder sind Professorin Reinhild Ahlers (Münster), Ulrich Grimpe (Münster), Pfarrer Matthias Hembrock (Bocholt), Marlies Hugenroth (Pastoralreferentin aus Herten), Domkapitular Ludger Jonas (Emstek), Professor Clemens Leonard (Münster), Pfarrer Christian Olding (Geldern), Pfarrer Hans-Bernd Serries (Billerbeck) und Schwester Lydia Schulte-Sutrum (Dinklage).

Stockhoff: Gottesdienstliche Formate oft nicht bekannt

„Wir nehmen die Liturgie in ihrer gesamten Weite in den Blick – und fördern diese“, nennt Rau eine wichtige Aufgabe der Kommission. Mit Liturgie seien Ordnung und Gesamtheit der religiösen Riten in einem Gottesdienst gemeint. Den Mitgliedern gehe es nicht darum, alte christliche Traditionen abzuschaffen, betont Nicole Stockhoff: „Wir wollen aber auf die Möglichkeiten aufmerksam machen, die es gibt, um sich heute gemeinschaftlich unter den Segen Gottes zu stellen. Oftmals werden weitere gottesdienstliche Formate in den Gemeinden nicht genutzt, weil sie nicht bekannt sind.“

Ein Stichwort in diesem Zusammenhang ist der „Kulturwandel“, der Perspektiven für die Zukunft der Kirche von Münster öffnen soll. Die Menschen, das weiß Rau aus eigener Erfahrung als Gemeindepfarrer, „kommen nicht mehr aus Gewohnheit“. Er ist jedoch überzeugt, dass es sich lohnt, in die Liturgie zu investieren: „In den Gottesdiensten erreichen wir mit Abstand die meisten Leute. Mit ihnen und für sie wollen wir feiern.“

Austausch für Ehren- und Hauptamtliche

Weil die Zahl der Mitfeiernden zurückgeht, wird ein Projekt der Kommission sein, Ideen für die Gestaltung von Werktagsgottesdiensten zu sammeln. Rau und Stockhoff stimmen überein, dass immer öfter Laien in die Leitung von Gottesdiensten eingebunden werden müssen. „Wir wollen neue Konzepte gerade für die Wochentage entwickeln“, sagt Stockhoff. Ein Gottesdienst, fügt Rau erklärend an, müsse nicht automatisch eine Eucharistiefeier sein: „Wir müssen uns der alternativen liturgischen Angebote und Modelle stärker bewusst werden.“ Viele davon seien nicht neu, nur in Vergessenheit geraten – wie beispielsweise die Wort-Gottes-Feiern oder das Morgenlob.

Um von den Erfahrungen anderer zu profitieren, ist außerdem eine bessere Vernetzung mit den Pfarreien und den anderen Bistümern angedacht. „Wir müssen mehr über die Gottesdienste sprechen“, sagt Stockhoff. Workshops und andere Gelegenheiten zum Austausch für Ehren- und Hauptamtliche sind angedacht.