„Die Herzen der Gläubigen öffnen“

Lohmann als Wallfahrtsrektor in Kevelaer eingeführt

Nach einem herzlichen Empfang durch die Kevelaerer Bevölkerung ist Domkapitular Rolf Lohmann am Sonntag im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes in der Marienbasilika als Pfarrer der Kevelaerer Pfarre St. Marien und Rektor der Wallfahrt eingeführt worden. Dechant Alois van Doornick überreichte Lohmann symbolisch den Schlüssel der Basilika und forderte ihn auf mit diesem Schlüssel nicht nur die Pforte der Kirche, sondern auch die Herzen der Gläubigen zu öffnen.

Einmal mehr zeigte sich, dass die Einführung eines Pfarrers in Kevelaer ein Fest ganz besonderer Art ist: Vereine und Verbände, Gruppen und Bruderschaften empfingen „ihren“ Pastor. Mit Fahnen, Standarten und Blasorchester zogen sie dem Pfarrer vom Priesterhaus in die Weezer Straße entgegen. Dorthin war Lohmann von Schloss Wissen aus zu Fuß gepilgert, begleitet unter anderem von Mitgliedern der Familie von Loe und vom Hochmeister der Bruderschaft Consaltrix Afflictorum, Erich Rotthoff.

Herzlicher Beifall

Am Wegekreuz setze die Nachbarschaft „Kleine Null“ ein besonderes Zeichen des Willkommens, indem sie die Straße festlich mit gelb-weißen Fahnen und Blumen schmückte und auch für den obligatorischen Willkommenstrunk des neuen Pfarrers sorgte. Auch die Kinder der Kindertagesstätten St. Marien und St. Hubertus begrüßten Lohmann und winkten ihm mit selbst gebastelten Fähnchen entgegen.

Grundschüler überreichten dem neuen Wallfahrtsrektor ein 270 Seiten starkes Buch, indem sie mit selbst gemalten Bildern und eigens dafür geschriebenen Texten ihre Sicht des Wallfahrtsortes darstellten. Kinder und erwachsene Einwohner, Freunde und Gruppierungen der Stadt sowie Priester der Region – an der Spitze Regionalbischof Winfried Theising – setzen sich von der Weezer Straße unter den Klängen des Musikcorps aus in Bewegung und zogen in Richtung Kapellenplatz, wo eine große Menschenmenge den neuen Pfarrer mit herzlichem Beifall begrüßte.

Tiefer Griff ins „Personalportemonnaie“

Nachdem Dechant Alois van Doornick dem zukünftigen Seelsorger seine seelsorgerischen Aufgaben vor Augen geführt hatte, indem er ihm symbolisch das Taufbecken und seinen Beichtstuhl in der Beichtkapelle zeigte, stand der feierliche Augenblick bevor: Nach dem festlichen Einzug in die Basilika las der Dechant die Ernennungsurkunde des Bischofs vor. Er sei froh und dankbar über die zügige Ernennung des neuen Pfarrers in Kevelaer, sagte er.

Der Bischof habe tief ins „Personalportemonnaie“ gegriffen, indem er Lohmann als Wallfahrtsleiter von St. Ida in Herzfeld nach Kevelaer geschickt habe, um hier das geistige Leben zu pflegen, das die Vorgänger aufgebaut und weiter entwickelt hätten. Auch der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Manfred Eyll, begrüßte den neuen Pfarrer und wünschte ihm Glück bei seiner nicht immer leichten Aufgabe. Gerade in der heutigen Zeit benötigten die Gemeinden Priester als Vorbilder im Glauben. Mit Freude habe er gehört, dass er ein Freund klarer Worte sei. Das werde ihm seine Arbeit erleichtern.

Kevelaer als Ort für Hoffnungssuchende

Vor den Stufen des Altares gab Lohmann feierlich der in der Basilika versammelten Gemeinde sein Versprechen ab, ihr zu dienen. Er sei überwältigt von dem Empfang, sagte Lohmann, der seinen Vorgängern Richard Schulte Staade und Weihbischof Stefan Zekorn für ihre Arbeit dankte. Insbesondere lobte Lohmann auch Kaplan Martin Klüsener für seine umsichtige Arbeit als Pfarrverwalter. Ein Lob, das vom Beifall der Gläubigen begleitet wurde.

Lohmann stellte sich in seiner Predigt dem schwierigen Erscheinungsbild der Kirche: „Die Menschen wenden sich von der Kirche ab“, sagte er. Viele hätten sich ein Leben ohne den Glauben an Gott eingerichtet. Oft höre er von jungen Menschen den Vorwurf, dass sie von der älteren Generation nicht mit Gott und dem Glauben konfrontiert worden seien. Gerade diese Aufgabe müssten Wallfahrtsorte übernehmen, forderte der neue Wallfahrtsrektor. Entsprechend des diesjährigen Wallfahrtsmottos „Zur Hoffnung berufen“ wolle er Impulse setzen, dass Orte wie Kevelaer Ziele für Hoffnungssuchende in Kirche und Gesellschaft blieben.

Pilgerkerze vor der Gnadenkapelle

Nach der Eucharistiefeier entzündete Lohmann vor der Gnadenkapelle seine Pilgerkerze und betete das Marienlob. Nach dem Fahnenschwenken, eine niederrheinischen Tradition, die die Fesselung des heiligen Sebastianus symbolisch zeigt, begrüßte die Gemeinde den neuen Pfarrer im Pax-Christi-Forum. „Nun ist er endlich da, der neue Pastor von St. Marien“, brachte Kevelaers Bürgermeister Axel Stibi die Stimmung der Menschen auf den Punkt. Die Einführung des Pfarrers sei auch ein großes Ereignis für die Stadt, die von der engen Beziehung zwischen Wallfahrt und Kommune profitiere. „Kevelaer freut sich auf Sie“, rief er dem Geistlichen zu. „Beten Sie für unsere Stadt.“