Albrecht von Boeselager spricht von „Opposition gegen den Papst“

Malteser-Großkanzler: Machtkämpfe im Vatikan

Nach der Auseinandersetzung um die Führung des Souveränen Malteserordens hat der deutsche Großkanzler der Gemeinschaft, Albrecht von Boeselager, Flügelkämpfe im Vatikan als Grund für die Krise angegeben. „Wir Malteser sind in eine Auseinandersetzung hineingeraten, bei der es nicht um uns geht“, sagte Boeselager der „Welt am Sonntag“. „Es ist offensichtlich, dass es eine Opposition gegen den Papst gibt, die eine Aufweichung der kirchlichen Lehre zu Ehe und Familie befürchtet oder seine Aussagen zur Wirtschaftsordnung und Verteilung des Reichtums ablehnt.“

Es gebe zum Beispiel in den USA eine sehr machtvolle, sehr konservative Bewegung mit Verbindungen zu den evangelikalen Kirchen und der Wirtschaft, die über sehr viel Geld verfügt. „Denen passen die Äußerungen des Heiligen Vaters zur Wirtschaft natürlich nicht. Und die sind sehr gut in der Lage, sich auch im Vatikan Gehör zu verschaffen“, sagte Boeselager.

In den vergangenen Monaten hatten die Malteser eine heftige Führungskrise erlebt, an deren Ende der Großmeister des Ordens, der Brite Robert Matthew Festing, auf Aufforderung des Papstes zurücktrat. Der deutsche Freiherr Albrecht von Boeselager war während der Auseinandersetzungen zunächst seines Amtes als Großkanzler enthoben, Ende Januar vom Orden jedoch wieder anerkannt worden. In der Krise ging es unter anderem um den Vorwurf, Boeselager habe die Verteilung von Kondomen in Myanmar gebilligt.

Diskussionsbedarf beim Kondomverbot

Boeselager sieht Diskussionsbedarf beim katholischen Kondomverbot. „Ich habe nie einen Zweifel daran gelassen, dass ich in dem, was ich tue, der Lehre der Kirche folge. Ich hätte dieses Myanmar-Projekt auch nicht genehmigt“, sagte der 67-Jährige. Unabhängig von seiner eigenen Position in dieser Frage heiße das aber nicht, „dass man beim Thema Kondome nicht unter bestimmten Voraussetzungen neu überlegen kann, was sinnvoll ist“.

Die päpstliche Enzyklika „Humanae Vitae“, die das katholische Verhütungsverbot regelt, handele von der Sexualität in der Ehe. „Es gibt keine konkreten Ausführungen der Kirche, wie die Sexualität außerhalb der Ehe, die ja sowieso verboten ist, gelebt werden kann. Da nehme ich bei vielen Diskussionsbedarf wahr“, sagte Boeselager.