Stadtgeschäftsführer amtsenthoben - Mehrere Rücktritte

Malteser in Emmerich und Münster unter Druck

Beim Malteser-Stadtverband in Emmerich tritt keine Ruhe ein. Jetzt hat auch die ehrenamtliche Pressereferentin Sarah Jones nach wenigen Wochen das Handtuch geworfen. Unter der bisherigen Leitung sei sie an selbstständiges Arbeiten gewöhnt. Dies sei nicht mehr gegeben, schreibt sie in einer Mail an unsere Redaktion und weist auch auf die „vorangegangenen Ereignisse“ hin.

Laut Berichten der „Rheinischen Post“ (RP) und der „Neuen Rhein-Zeitung“ (NRZ) kam es am 8. August bei einer Versammlung der Malteser in Emmerich zum Eklat. Der stellvertretende Diözesanleiter aus Münster, Martin Altenburger, hatte die Pressevertreter – trotz vorheriger Einladung und entgegen der Gepflogenheiten des Ortsverbands – vor die Tür gesetzt.

Amtsenthebung und Rücktritte

„Die Malteser-Mitglieder vor Ort waren wie vor den Kopf geschlagen“, schrieb die RP. Eine erste Erklärung gab Diözesanpressereferentin Jennifer Clayton. Denn im Mittelpunkt der Versammlung hatte die Personalie des ehemaligen Geschäftsführers der Emmericher Malteser, Guido Janssen, gestanden. Der war im Juli nach mehr als 30 Jahren als Geschäftsführer im Ehrenamt wegen so genannter Verwaltungsdefizite amtsenthoben worden.

Janssen selbst sagte: „Es ist ein Kahlschlag passiert.“ Acht hochqualifizierte Leute seien zurückgetreten. Die Unterstützung des örtlichen Rettungsdienstes sei zur Zeit nicht möglich. Die Breiten- und Pflegeausbildung sei beschnitten worden, erklärte Janssen.

Was der Diözesangeschäftsführer sagt

Im Gespräch mit „Kirche+Leben“ beziehen Martin Altenburger und Diözesan-Geschäftsführer Stephan von Salm-Hoogstraeten in Münster Stellung. Von Salm, der für 30 Malteser-Standorte diözesanweit zuständig ist, bedauert den Rücktritt von Sarah Jones und betont: „Wir leben vom Ehrenamt.“

Die Ausladung der Presse bezeichnet er als „Missgeschick“. Altenburger ergänzt: Er sei selbst – anders als in Emmerich – gewohnt, die Medien im Anschluss an eine Veranstaltung zu informieren.

Abläufe entsprachen nicht den Richtlinien

Zur Abberufung von Guido Janssen erklären beide, man schätze das hohe, jahrzehntelange Engagement Janssens ausdrücklich. Die Verwaltungsabläufe am Ort hätten aber nicht mehr den Malteser-Richtlinien und rechtlichen Vorgaben entsprochen.

„Wir haben zuvor mehrfach das Gespräch mit den Verantwortlichen in Emmerich gesucht, um eine Vertrauensbasis für die Zukunft zu schaffen. Ich trete für eine höchstmögliche Freiheit der Ortgruppen ein, aber im Rahmen des Zentralverbands“, sagt von Salm.

Die Lager scheinen gespalten

Zurzeit gehe es darum, gemeinsam mit den Emmerichern die Ortsleitung neu zu formieren. Eine ehrenamtliche Leitung für die Kleiderkammer ist schon gefunden. Auch sei man bemüht, dass ausreichend Engagierte für den Sanitäts- und Katastrophendienst zur Verfügung stehen. „Die Ehrenamtlichen sind mit Herzblut dabei“, sagt von Salm.

Zudem sind Modernisierungs- und Brandschutzmaßnahmen in der Emmericher Dienststelle geplant. „Der Diözesanverband will bei solchen Arbeiten die ehrenamtlichen Führungskräfte begleiten und entlasten“, sagt von Salm. Er wolle nicht nur steuern, sondern als Service-Stelle dienen und durch projektbezogene Angebote mehr Interessierte für das Engagement gewinnen.

„Die Vorherigen haben gute Arbeit geleistet“, betont Heinz Uwe Treger, stellvertretender Stadtbeauftragter in Emmerich. „Die Lager sind aber jetzt gespalten.“ Nichtsdestotrotz wollten einige Helfer weitermachen und auch Führungsaufgaben übernehmen. Das Ganze brauche aber Zeit.