Bischöfe und Zentralkomitee der Katholiken würdigen Altkanzler

Marx zu Kohls Tod: Dankbar für das christliche Zeugnis

Auch Vertreter der katholischen Kirche in Deutschland haben den verstorbenen Altbundeskanzler Helmut Kohl gewürdigt. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, bezeichnete Kohl als Persönlichkeit mit historischem Weitblick.

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Auch die katholische Kirche in Deutschland trauert um Helmut Kohl. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx würdigte den verstorbenen Bundeskanzler als Persönlichkeit mit historischem Weitblick. Mit dem Tod Kohls gehe eine Ära zu Ende, schrieb Marx in einer Kondolenz. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, erklärte, für den großen Politiker und Staatsmann Kohl „war sein christlicher Glaube stets Fundament und Orientierung“.

Kanzlerin Angela Merkel erfuhr vom Tod des Altkanzlers auf der Fahrt zum Vatikan. Dort war zum Auftakt ihres Besuchs die Besichtigung einer christlich-jüdischen Ausstellung geplant. Die sichtlich betroffene Kanzlerin sagte diesen Teil ihres Besuchs spontan ab und fuhr mit der deutschen Botschafterin beim Heiligen Stuhl, Annette Schavan, in deren Residenz.

Marx: Kohl gestaltete Europa aus christlichen Überzeugungen heraus

Marx erklärte: „Die Kirche in Deutschland ist dankbar für das christliche Zeugnis von Helmut Kohl. Wo die Werte einer freiheitlichen Gesellschaft mit den Füßen getreten wurden - wo auch immer auf der Welt -, da setzte er sich für die Beachtung dieser Werte ein“, unterstrich der Kardinal. „Europa wollte und konnte er aus seinen christlich geprägten Überzeugungen heraus gestalten.“ Dabei sei es dem Verstorbenen ein großes Anliegen gewesen, auf der Grundlage der Katholischen Soziallehre für eine Soziale Marktwirtschaft einzutreten, die „den Menschen in den Vordergrund stellt“.

Kohl sei ein regelmäßiger Gast auf Katholikentagen gewesen und habe sich oft Rat bei Theologen geholt. So sei beispielsweise Kardinal Karl Lehmann ein wichtiger theologischer Wegbegleiter gewesen, schreibt Marx. Die Kirche sei dankbar dafür, „dass Helmut Kohl mit visionärer Kraft, mit Mut, Beharrlichkeit und großem Verhandlungsgeschick die Einheit Deutschlands befördert und mit anderen herbeigeführt hat“. Zugleich sei er zum Kanzler der „europäischen Idee“ geworden.

Mit den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI. getroffen

In seiner Würdigung erinnerte der Kardinal auch an die Begegnungen Kohls mit Papst Johannes Paul II. bei dessen Deutschlandbesuchen 1987 und 1996. „Es war eine historische Stunde, als Helmut Kohl mit Papst Johannes Paul II. 1996 durch das Brandenburger Tor schritt“, sagte der Konferenzvorsitzende. Auch mit Papst Benedikt XVI. hatte sich der Altkanzler bei dessen Deutschlandbesuch 2011 getroffen.

ZdK-Präsident Sternberg aus Münster unterstrich, Kohl habe in entscheidenden Augenblicken der Geschichte Deutschlands und Europas „unschätzbar viel für unser Gemeinwesen geleistet“. „Für den großen Politiker und Staatsmann Helmut Kohl war sein christlicher Glaube stets Fundament und Orientierung“, fügte er hinzu. Geprägt von den bitteren Erfahrungen der Vergangenheit, habe er sich mit Weitblick und mit aller Kraft der Zusammenarbeit unter den Völkern Europas gewidmet.

Sternberg: Kohl lebte in enger Verbindung mit katholischer Kirche

„Der europäische Einigungsprozess wurde so zu seiner Lebensaufgabe. Auf diesem Fundament hat er mit großem Gespür für die geschichtliche Entwicklung und mit großem Mut zu politischer Verantwortung die Wiedervereinigung Deutschlands maßgeblich gestaltet“, sagte Sternberg.

Sternberg, selbst CDU-Politiker, betonte, Kohl habe in enger Verbindung mit der katholischen Kirche gelebt. „Wir sind dankbar für viele Begegnungen und Gespräche, die uns mit ihm als Parteivorsitzenden und Bundeskanzler zusammengeführt haben, nicht zuletzt bei zahlreichen Katholikentagen.“

Laschet: Schöpfer der Einheit Deutschlands und Europas

Nordrhein-Westfalens designierter Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) würdigte den verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl als Schöpfer der Einheit Deutschlands und Europas. „Er war ein Glücksfall im Schicksalsmoment 1989/90“, erklärte Laschet in Düsseldorf. Ohne den Ehrenbürger Europas wären die Europäische Union mit offenen Grenzen, großem Binnenmarkt und gemeinsamer Währung nicht möglich gewesen.

Auch die besonderen Belange Nordrhein-Westfalens habe Kohl im Blick gehabt, so Laschet weiter. „Mit der Ruhrgebietskonferenz von 1988 setzte er einen Meilenstein für den erfolgreichen Strukturwandel“, so der CDU-Politiker. „Das werden ihm die Menschen an Rhein und Ruhr nicht vergessen.“

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