Diskussionsabend zum Miteinander der Kulturen vom Kolpingwerk Münster in Duisburg

Özdemir (SPD): Türkenkinder bekamen keine Eins

„Wir wollen immer schneller, höher und weiter kommen, und dabei bleiben Menschen, die hierbei eben nicht mitkommen, auf der Strecke.“ Klare Worte fand Mahmut Özdemir, SPD-Bundestagsabgeordneter für den Duisburger Norden, beim Regionalforum im Kreis Wesel. Zum 160-jährigen Bestehen hatte das Kolpingwerk Diözesanverband Münster unter dem Motto „Currywurst trifft Baklava“ zum Gesprächsabend in den Duisburger Stadtteil Walsum-Aldenrade eingeladen.

Özdemir analysierte in einem Impuls die gesellschaftliche Situation zum Thema Integration und Diskriminierung. „Das Schlimme ist, dass viele dieses Zurücklassen nicht mal mehr stört.“ Als großes Problem sieht er negative Werte wie Neid, Eifersucht und fehlende Solidarität: „Diese herrschende Ungerechtigkeit und die Selbstsucht werden auf Fragen zur inneren Sicherheit projiziert mit der Angst, andere würden einem etwas wegnehmen oder nur Sozialleistungen abgreifen.“

Özdemir: Integrationsräte abschaffen, Geld in Bildung stecken

In Bezug auf die Migration und Integration formulierte der Politiker zwei Grundsätze. Der erste: Jeder müsse Deutsch lernen. „Wenn er das nicht kann, kann er einen Deutschkurs bekommen, um dies zu lernen.“ Der zweite: Jeder müsse sich an das Grundgesetz halten. „Und wer beides nicht will, muss sich die Frage stellen, ob er im Land bleiben möchte.“ Die Integrationsräte sollten abgeschafft, und das Geld besser in Bildung gesteckt werden, forderte der SPD-Abgeordnete.

Mahmut Özdemir, vor 32 Jahren als Kind einer türkisch-stämmigen Arbeiterfamilie in Duisburg-Homberg geboren und aufgewachsen, betonte, frühe Integration sei wichtig. Denn schon in der Schule würden die Weichen hierfür gelegt, so der Jurist. „Auf die Frage, warum ich denn keine Eins für meine Klassenarbeit in Erdkunde erhalten hätte, sagte mir damals mein Lehrer, ein türkisches Kind hätte noch nie eine Eins bei ihm bekommen.“ In so negativen diskriminierenden Erfahrungen könnten auch die Handlungen deutscher und türkischer Nationalspieler begründet sein.

van Meerbeck: Schmelzen der Jugendverbände führt zu Problemen

In punkto Fragen zur sozialen Gerechtigkeit sprach sich der SPD-Bundestagsabgeordnete gegen die Versorgungswerke von Beamten und Besserverdienern aus. „Es kann nicht sein, dass Arbeiter und Angestellte fast 20 Prozent weniger Rente bekommen, nur weil sie keine Beamten sind.“

Michael van Meerbeck, Direktor des Caritasverbandes für die Dekanate Dinslaken und Wesel, plädierte für starke Jugendverbände. Durch die demokratischen Strukturen dort würde so etwas wie ein Demokratie-Gen weitergegeben Zugleich würde in der Jugendarbeit Solidarität gelernt und gelebt. Das sei ein hoher Wert, dessen Bedeutung schwinde. „Ich befürchte, dass wir durch das Schmelzen der Jugendverbände gesellschaftlich ein Problem bekommen werden.“