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Pastoralreferent:innen im Bistum Münster über ihren Dienst zwischen Kirchenfrust und Hoffnung

Pastoralreferent in dieser Zeit: Wie geht es Ihnen, Herr Drescher?

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Als Seelsorgende prägen sie mit den Priestern die hauptamtliche Pastoral in den Gemeinden: Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten. Und auch sie bekommen die Kirchenkrise zu spüren. Wie geht es ihnen damit? Das haben wir rund ein Dutzend von ihnen gefragt. Ihre Antworten präsentiert "Kirche-und-Leben.de" in dieser Woche, bevor am Sonntag 24 neue Seelsorgende von Bischof Felix Genn für ihren Dienst beauftragt werden. Diesmal: Daniel Drescher aus Münster.

Wie gehen Sie damit um, Kirchenfrust und -wut ganz persönlich abzubekommen?

Im Gespräch:
Daniel Drescher ist Pastoralreferent in Münster. | Foto: privat
Daniel Drescher ist Pastoralreferent in Münster. | Foto: privat

Fußball gucken! Im Ernst: Ich halte es für außerordentlich wichtig, sich immer wieder bewusst zu werden, dass das Leben bunt und abwechslungsreich ist und es Momente braucht, innerlich auf Distanz zu gehen zu kirchlichen Frusterfahrungen. Ein zweites: Im Gespräch mit Kirchenkritiker*innen zugeben, dass ich die Sichtweisen teile und diese nicht zukleistern muss mit pastoralen Slogans.

Was bedeutet es für Sie, in dieser Zeit Pastoralreferent zu sein?

Die Chance zu haben, in einem Team Kirche vor Ort zu gestalten. Der ständige Blick auf hierarchische Strukturen im Bistum und der Weltkirche und ihre Missstände ist ein Dauerfrusterlebnis. Ein Perspektivwechsel auf die Möglichkeiten, Glauben im Alltag in der Begegnung mit Ehrenamtlichen und den Kolleg*innen zu leben, motiviert und inspiriert mich für meinen Beruf. Eine stabile Psyche, Frustrationstoleranz, viel Demut, Experimentier- und Fehlerfreundlichkeit, Lust auf die Begegnung mit Menschen und soziale Kompetenz halte ich für wertvolle Skills für unseren Beruf in der heutigen Zeit, um als Pastoralreferent*in glücklich zu sein.

Was macht Ihnen Hoffnung?

Die Erfahrung als Pastoralreferent, auf Menschen zu treffen, die mutig, engagiert und anpackend Kontakt zur Kirche suchen: Die Teamer*innen der Ferienfreizeiten; die Mitarbeitenden der Tafel; junge Eltern in der Vorbereitung von (Klein-)Kindergottesdiensten; Studierende, die sich als Katechet*innen für Erstkommunion und Firmung bereit erklären; Jugendliche, die sich freiwillig zum Firmkurs anmelden; die Mädchen, Jungen und Leiter*innen der Messdienerarbeit; diejenigen, die sich für Fairen Handel, Seenotrettung und den Erhalt der Schöpfung stark machen; Kandidat*innen für PR- und KV-Wahlen. Dass es diese Menschen gibt, die sich trotz allem auf die Kirche einlassen, ist phänomenal, fast unerklärlich. Sie haben meine absolute Bewunderung. Es ist unsere Aufgabe als kirchliche Mitarbeitende, die Beziehung zu ihnen so zu gestalten, dass sie auch rückblickend sagen können: Es war eine geile Zeit.

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