Erfolgskonzept eines münsterschen Theologen durch Corona hart getroffen

„Rudelsingen“ gibt es auch zu Weihnachten nur per Internet

  • Vor zehn Jahren startete der münstersche Theologe David Rauterberg das Projekt „Rudelsingen.“
  • Mittlerweile füllt er mit seinen Mitsing-Chören große Konzertsäle.
  • Im Corona-Jahr verlagerte er seine Angebote ins Internet - auch in der Advents- und Weihnachtszeit.
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Manchmal wird er mit „Gotthilf Fischer“ verglichen – mit jenem kürzlich verstorbenen Chorleiter, der in den vergangenen Jahrzenten ganze Fußballstadien zum Mitsingen animierte. Heute würde das „Rudelsingen“ heißen. Genauso hat David Rauterberg sein Projekt genannt, das er vor zehn Jahren ins Leben rief. Fußballstadien hat er noch nicht füllen können, aber immerhin schon Veranstaltungen mit mehreren tausend Mitsängern. Im Corona-Jahr geht das natürlich nicht. So hat er seine Angebote auf das Internet verlagert, auch in der Advents- und Weihnachtszeit.

Den Vergleich mit Gotthilf Fischer findet er charmant, sagt Rauterberg. Denn die Ideen ähneln sich. „Viele Menschen, bekannte Lieder, ein kleines Begleit-Ensemble“, beschreibt er die wichtigsten Zutaten. Es gibt aber auch Unterschiede: „Wir projizieren die Texte auf eine große Leinwand und singen nicht nur Volkslieder.“ Die Palette ist breiter: „Klassik, Pop, Rock, Gospel, Shanty…“

Start im münsterschen Theatercafé

Auf die Idee kam der 53-jährige Theologe, als er 2011 ein neues Arbeitsfeld suchte. Es fing klein an, im Theatercafé in Münster. „Mit der Ungewissheit, wie das ankommt.“ Es kam gut an. Und so wuchs sein Angebot bis heute stetig. Mittlerweile gibt es an elf unterschiedlichen Standorten in Deutschland und den Niederlanden Teams, die Veranstaltungen organisieren.

Das Geschäftsmodell ist einfach: Die Teilnehmer kaufen Tickets und kommen dann im großen Chor zusammenkommen. Begleitet werden von Ensembles, die aus unterschiedlichen Bereichen kommen. Professionelle Musiker sind genauso dabei wie nebenberufliche Akteure. Rauterberg selbst nennt sich Autodidakt und spielt Gitarre.

Schmerzen beim Gottesdienst-Gesang

David Rauterberg ist bei seinen Veranstaltungen Musiker und Animateur. | Foto: pd
David Rauterberg ist bei seinen Veranstaltungen Musiker und Animateur. | Foto: pd

Seine ersten musikalischen Erfahrungen machte der Protestant unter anderem in der niedersächsischen Kirche, in der sein Vater Pfarrer war. „Beim dortigen Gesang hatte ich immer Schmerzen“, sagt er. Das war auch später so, als er in die münsterschen Kirchen ging. Die Gründe dafür erkannte er früh: „Zu hoch, jeder für sich, zu laute Vorsänger…“ Vor einiger Zeit wurde er einmal zu einem Forum eingeladen. Das Thema dort: „Wieso schaffen wir es nicht, eine solche Sing-Begeisterung in den Gottesdiensten zu schaffen wie beim Rudelsingen?“

Seine Antworten darauf klingen heute wie das Grundkonzept seines Projekts: „Stellt die Menschen näher zusammen, lasst sie nicht in ihre Gesangsbücher hineinsingen, sondern zeigt ihnen die Texte auf einer Leinwand, schafft die richtige Stimmlage und lasst den Priester vorn nicht so laut in sein Mikrofon singen…“

Musiker und Animateur

Ein weiterer Unterschied ist, dass er und seine Mitstreiter auf dem Podium auch immer als Animateure gefragt sind. „Dann springt die Begeisterung schnell über und der Gesang bekommt seine eigene Dynamik.“ Die Kulisse und Akustik in den Kirchen würde ihr Übriges dazutun, sagt Rauterberg. Mit dem Rudelsingen war er schon in einigen zu Gast. „Das war immer wunderbar.“

In diesem Jahr geht das alles nicht. Die Rudel, zum großen Teil langjährige Fans, können wegen der Corona-Pandemie nicht zusammenkommen. So fallen viele, zum Teil große Veranstaltungen aus. In der Münchner Philharmonie hätte er mit 2.300 Menschen zusammen gesungen. Auch die Stadthalle in Wuppertal stand mit ihrem Fassungsvermögen von 1.500 Plätzen auf dem Programm. Die Absagen bedeuteten für ihn und seine Mitstreiter einen großen finanziellen Verlust, der nur zum Teil mit staatlichen Hilfen aufgefangen werden kann.

Hinter jedem Türchen ein Lied

Mindestens genauso wichtig ist es Rauterberg, die Anhänger des Rudelsingens weiter zu erreichen. Das gelingt ihm derzeit nur über das Internet. Sein Adventskalender mit einem Lied hinter jeder Tür war ein Erfolg, sagt er. „Insgesamt wurde er 50.000 Mal geklickt.“ Und auch an den Weihnachtsfeiertagen bietet er Mitsingmöglichkeiten. „50 Weihnachthits, jeweils drei Stunden täglich.“ Einmal quer durch alle Genres, verspricht er: „Natürlich mit dem Schwerpunkt auf den klassischen Weihnachtsliedern, aber auch mit Rock, Pop und Folk in den verschiedensten Sprachen.“

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