Münsteraner David Rauterberg bietet täglich Adents- und Weihnachtslieder auf YouTube an

Rudelsingen als digitaler Adventskalender

  • Auch im Advent ist es für Münsteraner eine Tradition: Rudelsingen! Kurz vor Weihnachten singen Hunderte vor dem Rathaus gemeinsam Weihnachtslieder.
  • David Rauterberg aus Münster, der bundesweit zum Rudelsingen einlädt, hat einen kostenlosen Mitsing-Adventskalender online erfunden.
  • Er ist sich sicher: Es gibt ein großes Bedürfnis, sich mit Liedern in weihnachtliche Stimmung zu bringen.
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Singen macht glücklich - vor allem in Gemeinschaft. Doch was, wenn die Corona-Pandemie Chören, Bands und Gottesdienstteilnehmern den Mund verbietet und nur noch das einsame Singen unter der Dusche bleibt?

David Rauterberg setzt etwas dagegen: Ab 1. Dezember lädt der Erfinder des „Rudelsingens“ zum Mitsing-Adventskalender auf dem YouTube-Kanal des Rudelsingens und auf der Webseite www.rudelsingen.de ein. Jeden Tag ein neues Lied per Video: 24 Weihnachtsklassiker von „Jingle Bells“ über die „Weihnachtsbäckerei“ bis „Hört der Engel helle Lieder“ warten hinter den Türchen des Kalenders, moderiert und vorgesungen von den Rudelsingen-Teams.

Großes Bedürfnis nach Weihnachts-Stimmung

Die Texte werden eingeblendet. Ob morgens im Bad, auf dem Weg zur Arbeit, nach Feierabend oder zwischendurch: „Dieser absolut kalorien- und kostenfreie Online-Adventskalender zum Mitsingen begleitet durch den Tag und ist ein echter Glücklichmacher“, sagt der Münsteraner Musiker und ausgebildete Sänger.

Er ist sich sicher: Es gibt ein großes Bedürfnis, sich mit Liedern in weihnachtliche Stimmung zu bringen. Erst recht in Corona-Zeiten sollten alle Menschen häufig und laut singen, um ihrem Immunsystem eine Extra-Portion Kraft zu geben und für mehr Glückshormone, Antriebskraft und Motivation im Alltag zu sorgen.

Rudelsingen - längst ein Klassiker

Das Rudelsingen, das Rauterberg vor rund zehn Jahren erfunden hat, ist mittlerweile ein bundesweit ausgesprochen erfolgreiches Musikformat geworden. Vor Corona sangen jeweils Hunderte in Kneipen, Theatern, Konzertsälen oder auf Marktplätzen - unterstützt von Gitarre und Klavier - zusammen ein buntes Programm von Rockklassikern über Schlager und Chansons bis zu Gospel und Kinderliedern. Textsicherheit ist nicht erforderlich: Die Texte werden jeweils per Beamer auf die Wand geworfen.

Von Flensburg bis ins Allgäu haben Rauterberg und zwölf Rudelsing-Teams seitdem rund 2.000 Mal zum Rudelsingen eingeladen - mit ständig wachsendem Zuspruch. Auch im benachbarten Ausland wurde die Marke übernommen. Und zudem haben sich kurz vor Weihnachten schon traditionell hunderte Münsteranerinnen und Münsteraner vor dem Historischen Rathaus auf dem Prinzipalmarkt eingefunden, um gemeinsam Weihnachtslieder zu singen.

1.000 beim Online-Rudelsingen

Auch nach dem ersten Lockdown war der Münsteraner erfinderisch: Seit dem Sommer gibt es regelmäßige Online-Rudelsingen. Wer sich per Smartphone, Tablet oder Computer in die Live-Veranstaltung zuschaltet und einen Euro zahlt, soll dann - anders als bei vielen bisherigen Internet-Initiativen - das durch besondere Technik erzeugte Gefühl haben, in Gemeinschaft zu singen. Ein digitales Chorerlebnis.

Bis zu 1.000 Sängerinnen und Sänger haben sich bei den Veranstaltungen zugeschaltet. „Wir bekommen viel Feedback und freuen uns, dass unsere Fans bundesweit das Online-Angebot nutzen und trotz aller Einschränkungen mit uns singen“, freut sich Rauterberg. „Online singen ist besser als nichts.“ Deshalb wollen die Rudelsänger auch im Dezember - zusätzlich zum Adventskalender - weitere vorweihnachtliche Singstunden mit vielen Hits quer durch die Musikgeschichte anbieten - und zwar kostenlos.

Singen ist wieder im Aufwind

Der Name „Rudelsingen“ leitet sich vom Ausdruck „Rudelgucken“ ab, der sich nach der Fußball-WM 2006 in Deutschland als Synonym für das gemeinschaftliche Ansehen der Spiele etwa in Kneipen und Biergärten eingebürgert hat. „Das Wort Rudel steht für das Lockere dieser Veranstaltungen“, sagt Rauterberg. „Es ist ein Grundbedürfnis, miteinander zu singen“, glaubt der Musiker. „Ich habe den Eindruck: Jeder Zweite singt gern. Aber die Gelegenheiten dazu fehlen.“

Dabei gehörte Deutschland lange zu den Ländern, in denen besonders wenig gesungen wird. Experten führen das auch auf den Missbrauch des Gesangs durch die Nazis zurück. Das Singen und besonders deutsche Volkslieder galten lange als kitschig, verstaubt und reaktionär.

Mittlerweile aber hat sich der Trend wieder gedreht: Der Deutsche Chorverband jedenfalls sieht das Singen im Aufwind. „Das Singen erfreut sich wachsender Beliebtheit“, heißt es dort. Auch die Chorszene sei „so vital wie lange nicht mehr“. Allerdings: Traditionelle Chöre leiden weiter an Schwund. Immer öfter aber gibt es inzwischen Projekt-Chöre oder Gesangsinitiativen wie die großen Weihnachtssingen in deutschen Fußballstadien.

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