Vatikanischer Ökumene-Minister war 16 Jahre Bischof von Basel

Schweizer Kurienkardinal Koch räumt Fehler im Umgang mit Missbrauch ein

Nach der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie für die katholische Kirche der Schweiz räumt auch Kurienkardinal Kurt Koch Fehler ein. Er war zuvor Bischof von Basel.

Kurienkardinal Kurt Koch hat laut Medienberichten erstmals nach Erscheinen der Schweizer Missbrauchsstudie Fehler eingeräumt. Der heutige Ökumeneminister des Papstes soll in seiner Zeit als Bischof von Basel (1996 bis 2010) Missbrauchsvorwürfe gegen einen Priester weder der Polizei noch dem Vatikan gemeldet haben.

"Von heute aus betrachtet muss ich eingestehen, dass dieses Vorgehen nicht zufriedenstellend funktioniert hat und dass es ein Fehler gewesen ist, die vorgesehenen Maßnahmen nicht ergriffen zu haben", sagte er dem Schweizer "Sonntagsblick".

Entschuldigung ja, Vertuschen nein

"Ich bedaure dies vor allem im Hinblick auf die Opfer, wenn dieses Vorgehen bei ihnen den Eindruck erweckt haben sollte, von uns nicht ernst genommen worden zu sein", so der 73-Jährige. "Dafür bitte ich um Entschuldigung."

Koch sagte dem Boulevardblatt, man habe die Akte des besagten Priesters im damaligen Personalamt zuerst persönlich bearbeiten und abklären wollen. Dieses Vorgehen habe nicht die Intention gehabt, irgendetwas vertuschen zu wollen, so der Kardinal.

Studie: Keine Meldung von Koch

Laut der im September veröffentlichten Studie der Universität Zürich geht es um einen 2019 gestorbenen Priester, der einen Neunjährigen geküsst sowie Minderjährige in die Sauna eingeladen und sie aufgefordert haben soll, sich bei Jugendgruppenausflügen öffentlich auszuziehen.

Obwohl sich mehrere Betroffene ab 2003 beim Bistum Basel mit Missbrauchsvorwürfen gemeldet hätten, habe der damalige Bischof Koch entgegen der kirchlichen Leitlinien weder eine Voruntersuchung eingeleitet noch den Fall nach Rom gemeldet.

Nachfolger Gmür vertraute Vorgänger Koch

Auch Kochs Nachfolger in Basel, Felix Gmür, habe nichts unternommen. Das Bistum Basel erklärte dazu, Bischof Gmür sei davon ausgegangen, "dass der damalige Bischof Kurt Koch alles nach bestem Wissen und Gewissen gemacht habe".

Der beschuldigte Priester hatte dem Bistum Basel laut der Studie in einer Erklärung versichert, dass es nie "in irgendeiner Form zu sexuellen Kontakten zwischen ihm und Kindern/Jugendlichen gekommen" sei. Auch bis zu seinem Tod 2019 mit knapp 75 Jahren wurden demnach weitere Vorwürfe gegen ihn erhoben.