Zur Missbrauchs-Vertuschung von Kurienkardinal Koch

Der klerikale Unschuldswahn geht weiter – ohne Konsequenzen

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Nach der Veröffentlichung des Schweizer Missbrauchs-Gutachtens hat auch der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch "Fehler" eingeräumt. Das sagt symptomatisch viel und bedeutet systematisch gar nichts, sagt Chefredakteur Markus Nolte.

Es geht so weiter, offenbar ungerührt, weil konsequenzenlos – in Essen, jetzt auch in der Schweiz, einmal mehr im Vatikan: Bischöfe räumen Fehler ein.  Das ist deshalb verdächtig, weil „Fehler“ keine katholische Vokabel ist. Originärer sind „Schuld“ und „Sünde“. Wie harmlos „Fehler“ sind, wird klar, wenn man das Schuldbekenntnis modifiziert: „Ich habe gefehlt – durch meine Fehler, durch meine Fehler, durch meine großen Fehler.“ Putzig, oder?

Nein, hier geht es um handfeste Schuld. Um Sünde. Um Schäden für andere, um Verletzung von Menschen, um Hochmut und Stolz, um Eitelkeit und Schädigung des Bischofsamts, in manchen Fällen um Straftaten. Aber ganz sicher nicht um Fehler. Wer so redet, entlarvt sich als einem vermeintlich lässlichen, weil klerikalen Unschuldswahn verfallen, für den dieselben Herren sonst gern den Zeitgeist rüffeln.

Ein seit 23 Jahren bekannter Skandal

Seit 23 Jahren ist den Verantwortlichen in der katholischen Kirche bekannt, dass sie strukturell ein ernsthaftes Problem mit sexuellem Missbrauch haben. Damals brach der Skandal in den USA und in Irland auf. Seit 13 Jahren wissen die anfangs dennoch überraschten Bischöfe in Deutschland, dass dieser Skandal nichts mit Länder- oder Einzelfallgrenzen zu tun hat.

Doch erst mit achtjähriger Verspätung, mit der sogenannten MHG-Studie von 2018, kam das Entsetzen offenbar in den Köpfen der Kirchenleitungen hierzulande an. In der Schweiz hat es nochmals fünf Jahre länger gebraucht – bis heute.

Wie kann man meinen, unbehelligt zu bleiben?

Man fragt sich, was einem Bischof, einem Kardinal, einem Kurienkardinal wie Kurt Koch fehlt, wenn er nach all den Jahren permanenter globaler Missbrauchs-Enthüllungen seine Schuld all die Jahre für sich behalten, verschwiegen hat – und glauben konnte, damit unbehelligt zu bleiben, wo um ihn herum reihenweise Bischöfe wegen Vertuschens überführt wurden.

Mehr noch: Koch war es zudem, der dreist den aus dem Missbrauchsskandal erwachsenen Synodalen Weg als deutsch-nationale Überheblichkeit mit der Nazi-Zeit verglich! Auch da bat er später um Entschuldigung. Nix gewesen?

Verschweigen und verharmlosen

Einmal mehr zeigt sich: In dieser Kirche wird unbekümmert weiter verschwiegen und Schuld verharmlost, das Machtsystem durch Ignoranz manifestiert – ohne persönlich Konsequenzen zu ziehen oder zu befürchten.

Außer freilich dieser: den Niedergang der Kirche zu befeuern. Ungerührt immer weiter.