CAJ-Verband im Bistum Münster wächst

So trotzt die Christliche Arbeiterjugend der Kirchenkrise

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Die Christliche Arbeiterjugend (CAJ) ist 1925 als katholischer Jugendverband gegründet worden. Die Mitglieder beschäftigen sich heute wie damals mit sozialen Fragen und betonen die Würde jedes Menschen. Weltweit ist der Verband in mehr als 100 Ländern vertreten. In Deutschland gibt es 21 Diözesanverbände. Zuletzt hatte allerdings der Diözesanverband Würzburg aufgrund von Mitgliedermangel seine Auflösung angekündigt. Im „Kirche-und-Leben.de“-Interview berichten Lea Droste und Stefan Scholtyssek, Vorstandsmitglieder der CAJ Münster, über die aktuelle Situation des Diözesanverbandes.

In der Diözese Würzburg löst sich die CAJ auf. Wie viele Menschen sind aktuell in der CAJ im Bistum Münster engagiert und ist die Tendenz fallend oder steigend?

Stefan Scholtyssek: Wir haben etwa 1.500 Mitglieder, das variiert natürlich immer ein bisschen. Insgesamt ist die Zahl der Mitglieder in den Ortsgruppen im Moment eher steigend. Bei der Diözesankonferenz vor drei Wochen waren wir knapp 50 Personen. Das sind Leute, die ein Interesse daran haben, den Verband auf Diözesanebene zu gestalten, mitzureden und sich auszutauschen mit anderen Ortsgruppen. Die Gruppenleiter*innen sind ungefähr 200 Personen.

Lea Droste: Genau, es sind 20 bis 30 aktiv Engagierte pro Ortsgruppe. Die braucht man auch, um zum Beispiel ein Ferienlager als Teamer*innen auszustatten. Wir haben auch wieder einen Mitgliederpreis auf der Diözesankonferenz vor drei Wochen vergeben. Der ist an die CAJ Halverde gegangen, weil sie dieses Jahr 45 neue Mitglieder in ihrer Region verzeichnen konnte.

Aktuell ist der CAJ-Diözesanvorstand nicht ganz vollbesetzt. Wie steht es um die Motivation der freiwillig Engagierten auf Orts- und Diözesanebene im Bistum Münster? Macht sich die Kirchenkrise bemerkbar?

Droste: Die Motivation in unserem Vorstand ist aktuell sehr hoch, etwas für das kommende Jahr zu bewegen. Die Zahl der Vorstandsmitglieder hat sich seit letztem Jahr von drei auf fünf Personen fast verdoppelt.

Scholtyssek: Unser Vorstand arbeitet auf Diözesanebene und hat deshalb rechtlich mehr Verantwortung als die Vorstände in den Ortsgruppen. Diese haben aber natürlich trotzdem Projekte in ihren Regionen, zum Beispiel Angebote in den Ferien oder Plätzchenbacken als karitative Aktion. Wir merken die Kirchenkrise inhaltlich insofern, dass Menschen Zweifel oder Unverständnis äußern. Dennoch kann das Engagement im katholischen Jugendverband losgelöst von der Institution Kirche passieren, die in den Medien kritisiert wird.

Inwieweit schaffen es die Regionalgruppen, neue Menschen für die CAJ zu begeistern?

Scholtyssek: Die Ortsgruppen handeln eigenverantwortlich. Wir können uns darauf verlassen, dass in den Regionen starke Truppen sind, die selbst Nachwuchs generieren. Da, wo Ferienlager und Aktionen organisiert werden, sind die Mitgliederzahlen gleichbleibend oder auch steigend. Vor ein paar Jahren gab es immer ein Pfingstlager, in dem mehrere Diözesanverbände zusammenkamen. Das gibt es seit der Corona-Pandemie nicht mehr. Aber wir versuchen, es wiederzuerwecken. Da gab es mehr Bildungs- und weniger Freizeitaktivitäten für junge Erwachsene, es war ein bisschen politischer. Die große Stärke von einem Jugendverband ist, dass dort christliche Gemeinschaft gelebt wird, ohne dass ein Stempel darauf ist. Junge Menschen bringen sich ein und können die Gesellschaft gestalten. Ich glaube, das ist sehr ansprechend. Eine Pfarrei hat in der äußeren Wahrnehmung oft etwas Verstaubtes. Das ist bei einem Jugendverband nicht so.

Droste: Wir können sehr stolz darauf sein, dass die Verantwortlichen in den Regionen so engagiert sind. In den Aktionen schwingt das christliche Thema mit, vor allem im Sinne von Gemeinschaft und Nächstenliebe.

Drei Gründe, warum man im CAJ-Verband mitmachen sollte:

Droste: Wir leben Gemeinschaft.

Scholtyssek: Wir machen nicht „nur“ Ferienlager, sondern haben als Verband der Arbeiterjugend gesellschaftliche und politische Themen auf dem Schirm und versuchen diese in unserer Arbeit zu platzieren. Außerdem spielt Vernetzung eine wichtige Rolle.

Droste: Genau, die Mitglieder können sich mit verschiedenen Verbänden innerhalb der CAJ deutschlandweit und international vernetzen. Häufig laufen Aktionen in verschiedenen Ortsgruppen parallel und die Mitglieder arbeiten dann gemeinsam an einem Projekt. Darüber hinaus ist durch die Mitgliedschaft im CAJ-Verband auch ein Austausch mit weiteren christlichen Organisationen und anderen Jugendverbänden möglich.