Kapitän: Lage an Bord sei verzweifelt

Spanien bietet „Open Arms“ Hafen auf Menorca an

Nachdem die Besatzung der „Open Arms“ sich geweigert hatte, den eine Fünftagesreise entfernten südspanischen Hafen Algeciras anzulaufen, hat Spaniens Regierung dem Schiff offenbar den nächstgelegenen spanischen Hafen auf Menorca angeboten. Das berichtete die Online-Ausgabe der spanischen Zeitung „El Pais“ am späten Sonntagabend. Die Baleareninsel Menorca ist gut 900 Kilometer von Lampedusa entfernt. Vor dieser Insel liegt die „Open Arms“ seit Mittwochabend.

Kapitän Marc Reig: Die Lage an Bord sei verzweifelt

Auf das Angebot, nach Menorca zu fahren, reagierte Kapitän Marc Reig ebenfalls kritisch. Die Lage an Bord sei verzweifelt, man müsse die Menschen im nächstgelegenen Hafen an Land lassen, und das sei das 800 Meter entfernte Lampedusa. Allenfalls müssten sie dort zunächst versorgt und dann auf ein geeignetes Schiff gebracht werden, um damit Menorca anzusteuern.

Italiens Transportminister Danilo Toninello (Fünf Sterne) habe der „Open Arms“ in Aussicht gestellt, dass ein italienisches Schiff sie nach Menorca begleite und nötige Unterstützung biete, berichtete die italienische Zeitung „La Repubblica“ (Montag).

Nur ein Teil darf auf Lampedusa an Land

Wegen widersprüchlicher Anweisungen und Äußerungen italienischer Behörden verließ in Lampedusa bislang jedoch nur ein Teil der 134 Migranten an Bord die „Open Arms“, unter ihnen in der Nacht zu Sonntag 27 Minderjährige. Vor allem Innenminister Matteo Salvini (Lega) weigert sich nach vor, die verbliebenen 107 Menschen in Italien an Land zu lassen. Bereits am Mittwoch hatte ein italienisches Gericht dem Schiff das Einlaufen in nationale Gewässer erlaubt.

Am Donnerstag hatte Italiens Regierungschef Giuseppe Conte erklärt, sechs EU-Länder seien bereit, die Menschen von der „Open Arms“ aufzunehmen. Französischen Medien zufolge würde Paris 40 Menschen aufnehmen. Über den Umgang mit der „Open Arms“ ist es nicht nur in der italienischen Regierung zu einem Zerwürfnis gekommen. Wie „El Pais“ weiter berichtet, kritisierte auch das spanische Außenministerium Salvini. Madrid drohe Rom mit Konsequenzen bis hin zum Menschengerichtshof in Den Haag.