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Gespräche zwischen Bistum, Abt und Pfarreimitgliedern

Standpunkte zum Weggang Pater Gottfrieds aus Marienfeld geklärt

  • Vertreter des Bistums, der Pfarrei St. Lucia in Harsewinkel und Abt Andreas Werner aus Gerleve sind zu Gesprächen über den Weggang von Pater Gottfried Meier aus Marienfeld zusammengekommen.
  • Gegen den Weggang des Benediktiners aus der Pfarrei St. Marien hatte es scharfe Kritik aus der Pfarrgemeinde gegeben.
  • Abt Andreas Werner aus Gerleve sieht ein Problem im unterschiedlichen Rollenverständnis der Beteiligten.
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Mitglieder der Pfarrei St. Lucia in Harsewinkel sind mit Abt Andreas Werner aus Gerleve und Karl Render, der für den Einsatz des Seelsorge-Personals im Bistum Münster zuständig ist, über den Weggang von Pater Gottfried Meier ins Gespräch gekommen. Vertreterinnen und Vertreter des Pfarreirates und des Kirchenvorstandes, des Gemeindeausschusses St. Marien und des Pastoralteams sowie unterschiedlicher Vereine und Verbände waren dafür in den Pfarrgarten gekommen. Auch Mitglieder von „Oikos“, des Fördervereins zum Wiederaufbau des Klosters Marienfeld, waren vertreten. Die Teilnehmerzahl war aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen begrenzt. Moderiert wurde das Gespräch von Dechant Andreas Rösner.

Pater Gottfried, der in Gebäuden der ehemaligen Zisterzienserabtei Marienfeld lebte, hatte seine bevorstehende Entpflichtung als Pastor der Pfarrei am 1. April in einer Videobotschaft bekanntgegeben. Darin hatte der Benediktinerpater, der seit 2002 in Harsewinkel ist, Vorwürfe unter anderem gegen das Bistum Münster erhoben. Die Beendigung des Gestellungsvertrags mit dem Bistum war Ende Januar im Gespräch mit Pater Gottfried beschlossen worden. Das berichtet die Bischöfliche Pressestelle.

Probleme beim Rollenverständnis

Abt Andreas sprach von einem „Rollenproblem“, das unterschiedliche Erwartungen geweckt habe. Pater Gottfried selbst und auch seine Mitbrüder in Gerleve hätten ihn als jemanden gesehen, der den Versuch einer benediktinischen Gründung macht. „Das ist, wie Pater Gottfried es im Januar selbst sagte, nicht geglückt“, erklärte er. Das Bistum und die Pfarrei aber hätten Pater Gottfried als Mitarbeiter in der Pfarrei verstanden, wofür er von der Diözese auch ein Gehalt bezogen habe.

„Ich glaube, dass Pater Gottfried eine seelsorgliche Begabung mitbringt, besonders in der persönlichen Begleitung Einzelner“, betonte der Abt. „Allerdings habe ich auch den Eindruck – und damit bin ich bei weitem nicht alleine – dass Pater Gottfried zur Zusammenarbeit in einem Team kaum bereit und fähig ist.“ In einer Pfarrei gehe es aber heute mehr denn je um Teamarbeit. Abt Andreas: „Es ist für mich die Frage, inwieweit Pater Gottfried ‚einer vom Seelsorgeteam der Pfarrei Harsewinkel‘ war.“

Spannungsfeld zwischen Wertschätzung und Teamplayer-Fähigkeiten

Das unterstrich auch Karl Render und ergänzte, dass es immer wieder Gespräche mit Pater Gottfried über seine Rolle innerhalb des Pastoralteams gegeben habe. „Dabei haben wir uns immer in einem Spannungsfeld bewegt zwischen der Wertschätzung für den charismatischen Seelsorger einerseits und der vielleicht nur begrenzten Fähigkeit, als Teamplayer mitzuwirken andererseits.“ Dem Vorwurf, dass die Gremien der Pfarrei nicht in die Entscheidung einbezogen worden seien, setzte Render entgegen, dass auch das Bistum von der Videobotschaft Pater Gottfrieds überrascht worden sei. „Wir hatten die Vereinbarung, dass es nach Ostern Gespräche mit den Gremien geben soll. Diese Vereinbarung ist mit der Veröffentlichung des Videos an Gründonnerstag aufgehoben worden. Pater Gottfried hat an der Stelle von sich aus Tatsachen geschaffen.“

Kritik an der Kommunikation übte auch Abt Andreas und nahm außerdem Stellung zur Länge der Zeitspanne zwischen dem Beschluss der Entpflichtung Ende Januar bis zur geplanten Bekanntgabe nach Ostern. Um einen klaren und möglichst unabhängigen Blick auf die Situation zu bekommen, habe er Gespräche mit vielen Personen geführt. „Ich sah es also als meine Pflicht an, diese Entlassung verantwortlich in den Blick zu bekommen. Und das hat seine Zeit gedauert“, betonte der Abt.

Zeit, Abstand zu gewinnen

Er erklärte, dass Pater Gottfried „zu seiner klösterlichen Berufung steht“ und nach Gerleve zurückkehren möchte: „Wir können ihn in Gerleve gut brauchen, er wäre eine Bereicherung für unsere Gemeinschaft.“ Wann es zu einer Rückkehr kommt, stehe noch nicht fest. „Ich habe ihm die Möglichkeit eingeräumt, drei Jahre in einem anderen klösterlichen Kontext zu leben – um Abstand zu gewinnen von der augenblicklichen Situation und auch, um zur Ruhe zu kommen“, erklärte Abt Andreas.

Wie groß die Betroffenheit über den Abzug Pater Gottfrieds aus der Pfarrei ist, machten mehrere Anwesende in Wortbeiträgen deutlich, in denen auch die Wertschätzung für die seelsorgliche Arbeit des Paters zum Ausdruck kam. Sichtlich bewegt brachten sie ihr Unverständnis vor und fragten nach der seelsorglichen Zukunft in der Gemeinde Marienfeld. Auch stellten sie sich die Frage, warum für Pater Gottfried mit seinen Stärken und Begabungen kein Platz gefunden werden könne. Nach christlichem Verständnis solle sich jeder mit seinem „Charisma“ einbringen. Diakon Thorsten Dammann appellierte an die Versammelten, den Blick nach vorne zu richten und weiter als Pfarrei zusammenzuwachsen.

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