Frauenverband feiert 100-jähriges Bestehen

Sterne für neue KFD-Mitglieder

Strahlend blauer Festtagshimmel, jede Menge freudige Gesichter und ein Domplatz fest in der Hand von 3.500 Frauen: Gutgelaunt beging die KFD im Bistum Münster am Sonntag (09.10.2016) ihr rundes Jubiläum mit viel Musik, rückblickenden und vorausblickenden Statements und einem Gottesdienst mit Bischof Felix Genn. „Wir wollen heute 100 Jahre Frauenpower feiern und die Vergangenheit unseres Verbands mit der Zukunft verbinden“, sagte Gaby Reimann vom Leitungsteam zur Begrüßung.

Das taten die Frauen dann auch: Mit beschwingter Musik führte Sängerin Bea Nyga durch den ersten Teil des Programms und motivierte zum Mitsingen und Mitswingen. Das Impro-Theater Placebo brachte die inhaltliche Arbeit der KFD unterhaltsam auf die Bühne. Zum Abschluss stimmte die A-capella-Gruppe 6-Zylinder zur Melodie des Doris-Day-Songs „Que sera, sera“ das Jubiläumslied „Unsere KFD“

Genn lobt kritische Auseinandersetzung

In einem gemeinsamen Gottesdienst dankte Bischof Genn den unzähligen Frauen in der 100-jährigen KFD-Geschichte „für all das Gute, das sie bewirkt haben und das wir nicht überblicken können“. Die  Frauen hätten unzählige Stunden Arbeit und viel Kraft investiert, aber auch Nerven gelassen und Ärger erlebt, sagte der Bischof.

Genn ermunterte dazu, auch bei der Gestaltung der Gegenwart und Zukunft weiter auf die Führung Gottes zu vertrauen. „Gut ist, dass der Verband sich in eine kritische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft und der Kirche zu Themen begibt, die man teilweise kontrovers sehen kann“, sagte der Bischof. Als Beispiele nannte er die „Aufgaben in der Leitung und Führung durch Frauen in der Kirche“.

Heveling: „Stellen Sie sich gegen den Strom“

Rote Schals waren das Erkennungszeichen der KFD-Frauen auf der Jubiläumsfeier.
Rote Schals waren das Erkennungszeichen der KFD-Frauen auf der Jubiläumsfeier. | Foto: Karin Weglage

Grüße vom KFD-Bundesverband überbrachte die stellvertretende Vorsitzende Anna-Maria Mette: „Wir haben viel erreicht, es ist aber noch genauso viel zu tun“, sagte sie. So fehle es weiterhin an der gerechten Bewertung der Arbeit von Männern und Frauen. Notburga Heveling, Vorsitzende des Diözesankomittes,  blickte auf die Anfänge der KFD zurück. „Der Verband ist in einer Zeit gegründet worden, in der Frauen Menschen zweiter Klasse waren“, sagte sie.

Auch heute würden Frauen vielfach nicht die gleichen Rechte und Chancen eingeräumt wie Männern. Frauen leisteten zwar in den Gemeinden die Hauptarbeit in den Bereichen Katechese und Caritas, von den Leitungspositionen in der kirchlichen Verwaltung und Hierarchie seien sie aber weitgehend ausgeschlossen. „Hier besteht viel Nachholbedarf“, sagte Heveling unter Beifall der Festgäste und forderte die Frauen auf: „Lassen Sie sich nicht vom Gegenwind irritieren. Stellen Sie sich gegen den Strom.“

Von der Evangelischen Frauenhilfe Westfalen überbrachte Claudia Montanus Grüße und Glückwünsche. „Wir sprechen in unserem Verband mit Wertschätzung und Respekt über die persönlichkeitsbildende, gemeinschaftsfördernde und diakonische Arbeit Ihres Verbands“, sagte sie. „In diesem Engagement fühlen wir uns mit Ihnen intensiv verbunden.“

Neue Mitglieder „hängen sich rein“

Pfadfinder knüpften die roten Netze mit den gelben Sternen für die KFD zusammen.
Pfadfinder knüpften die roten Netze mit den gelben Sternen für die KFD zusammen. | Foto: Karin Weglage

Nach eigenen Angaben hat der Verband im Bistum
Münster mehr als 108 000 Frauen in über 500 Gruppen und ist demnach die mitgliederstärkste Gruppierung im der Diözese. Und es werden immer noch mehr. Während des gesamten Jubiläumsjahrs hatten die einzelnen KFD-Gruppen im Rahmen der Aktion „Häng Dich rein ins Netz, das Frauen trägt“ um neue Mitglieder geworben. Zum Abschluss brachten sie ihre roten Netze mit auf dem Domplatz, in der für jedes Neumitglied ein gelber Stern eingebunden ist.

„179 Netze, jeweils bestückt mit fünf bis 50 Sternen, sind so zusammengekommen“, berichtet Andrea Temming nicht ohne Stolz. Wie viel Neumitglieder das bedeute, konnte die KFD-Diözesanreferentin auf die Schnelle noch nicht zusammenrechnen.

Einen Ausblick in die Verbandszukunft wagte Judith Everding, Vorstandsvorsitzende der KFD im Bistum Münster. „Wir möchten nicht nur Neumitglieder gewinnen, sondern die Arbeit lebendig halten. Die Frauen sollen bei uns eine Heimat finden und die Themen und Ideen ihrer Generation im Verband verwirklichen.“ Solche Themen seien die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und sichere Renten für Frauen. „Dabei soll viel Raum bleiben, in der Gruppe Freude zu erleben.“